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Explorers Club – The Annu
 
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Explorers Club – The Annual Dinner
Foto: Explorers Club
Foto: Explorers Club
Die Gastronomie gehört nicht zu den erstgenannten Superlativen, für die New York Pate steht. Spektakuläre Ausnahme ist das Explorers Club Annual Dinner – nur für echte Entdecker geeignet!

In New York’s nobler Upper East Side, zwischen Park und Fifth Avenue, residiert in einem repräsentativen Haus der Neo-Renaissance der wohl ungewöhnlichste Club der Stadt. Die Mitgliederliste des 1904 gegründeten Explorers Club liest sich wie das Who’s Who der Pioniere und Entdecker: der Atlantik- Bezwinger Charles Lindbergh, der Südpol-Entdecker Roald Amundsen, die Primaten-Forscherin Dian Fossey, Thor Heyerdahl, Edmund Hillary, aber auch Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die als erste Menschen auf dem Mond standen ebenso wie Don Walsh, der 1960 als erster Mensch den tiefsten Meeresgrund im Marianengraben auf 10 911 Meter erreichte sind hier vertreten.



Nachwuchssorgen hat der Explorers Club keineswegs. Noch heute sind es vor allem Experten aus der Polarforschung, Zoologie, Luft- und Raumfahrt, aus Ozeanographie und allen Bereichen der Naturwissenschaft, die Mitglieder des New Yorker Clubs werden.



Traditionsgemäß zu Frühlingsbeginn findet das jährliche Dinner im legendären Hotel Waldorf Astoria statt – in diesem Jahr bereits zum 109. Mal. Die an kostspielige Charity Dinner gewöhnte New Yorker Gesellschaft fühlt sich geehrt, wenn sie für das gesetzte Essen im Ballsaal des Grand Hotels an der Park Avenue 5000 Dollar pro Kopf hinblättern darf, um allen Ekel zu überwinden und sich unter die unerschrockenen Reisenden zu mischen, denen keine Mahlzeit exotisch genug sein kann. Auch am 16. März dieses Jahres liest sich die Menükarte des Buffets wie eine Ansammlung dessen, was sich gemeinhin niemals auf einem Teller wiederfindet: frittierte Skorpione und Vogelspinnen sowie Elefantendung-Suppe zur Vorspeise, karamellisierte Yakhoden, Biberfilet, Ragout von Bisamratte auf einem Souflee von Mehlwürmern, Taranteln im Teigmantel, Augäpfel in Aspik oder marinierte Kakerlaken.



So findet der neben mir sitzende restauranttester von FRANKFURT GEHT AUS! meine Einladung denn auch ebenso empörend komisch wie unwiderstehlich. Als ausgewiesener Feinschmecker und gleichermaßen Weltreisender gilt er als ausreichend qualifiziert, um sich mit solchen Speisen auseinanderzusetzen. Seine Wahl fällt ohne Umwege auf madegassische Fauch-Schabe in einer Honig-Infusion aus den Blüten des Leatherwood Baumes – beheimat einzig in den Regenwäldern Tasmaniens, gefolgt von gepökelter Bisamratte. Seidenweich die Textur am Gaumen, das Aroma langsam exotische Geschmacksnoten entfaltend. Ich entscheide mich für ein hauchdünnes Yakhoden-Carpaccio mit einigen Tropfen japanischer Tamari-Sojasauce und einer Dekoration aus gelackten Kakerlaken. Anschließend wird gerösteter Alligator mit Kartoffelkräuter-Blinis serviert.



Die Sterneköche wagen es, zum Dessert Erdbeeren in weißer und dunkler Schokolade in einem raffinierten Sorbet aus Hausfliegen-Larve mit Maden-Streusel aufzutischen. Dazu ein Kopi Luwak, dessen Kaffeebohnen im Magen eines Fleckenmusang (paradoxurus hermaphroditus/wieselähnlicher Baumbewohner Indonesiens) fermentiert und dann wieder ausgeschieden wurden. Zum Nachspülen ein Whisky aus dem Basislager einer historischen Südpolexpedition oder ein Glas Champagner – in dem allerdings ein Ziegenpenis schwimmt.



Es gehört zum Ritual eines jeden ordentlichen Clubs, dass während des Abends eines Club-Dinners Medaillen für besondere Verdienste verliehen werden. Chhiring Dorje Sherpa erhält den Award weder für das Verzehren von Python-Pastetchen, noch für seine 11 Everest-Besteigungen, sondern für eine heroische Bergrettung am K2, dem zweithöchsten Gipfel der Welt, als am 1. August 2008 ein Dutzend internationale Bergsteiger ums Leben kamen. John Glenn und Jim Carpenter, Mercury-Astronauten sowie erster und zweiter Amerikaner im All, erhalten die begehrte Auszeichnung ebenso wie James Cameron; allerdings nicht für seinen mit 11 Oscars ausgezeichneten Film Titanic, sondern für seine Tiefseeexpeditionen.



Zum Schluss sei erwähnt, dass die Welternährungsbehörde FAO trotz aller Vorbehalte Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft empfiehlt. Es gelte das Image von Insekten zu heben und diese alsbald auf gängige Speisekarten zu setzen; die FAO klassifiziert weltweit mehr als 1900 essbare Insektenarten!



In Europa als ekelerregend angesehen, liefern Insekten reichlich Proteine, sind fast frei von Kohlehydraten, äußerst fett- und damit cholesterinarm, sowie reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen und gelten in Asien schon lange als Delikatesse. Solchen Nahrungsmitteltabus begegnet auch die J.W. Goethe Universität in Frankfurt, wo vor sieben Jahren ein Lehrstuhl für kulinarische Ethnologie eingerichtet wurde. Eine neue fantasievolle Küche braucht furchtlose Gourmets. Diese leben vorerst vor allem in Asien, wo etwa Wanzencurry glühende Patrioten findet und an den Ufern des Mekong angebrütete Enteneier mitsamt dem entwickelten Embryo verspeist werden.



Das mag unglaublich klingen, doch schon die feine Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts verstand sich als Kenner des feinen Geschmacks, als in den Clubs von London und Paris ägyptische Mumien in pulverisierter Form verspeist wurden. Ärzte wie Paracelsus verordneten gar Mumienpulver als Prophylaxe gegen Epilepsie und Herzattacken. Die Ägypter selber gingen zu der Zeit kaum anständiger mit ihren mumifizierten Vorfahren um: Mumien galten als gutes Brennmaterial, da sie in Harz getränkt waren und deshalb gut brannten – selbst Dampfloks wurden in Ägypten zeitweilig mit Mumien befeuert. Da erscheint das Explorers Club Annual Dinner beinahe schon harmlos!



Andreas Bender, Autor dieses Artikels, ist von Beruf Location Scout, hierfür etwa 300 Tage im Jahr auf Achse und eines von rund 3.000 Mitgliedern des Explorers Club.

9. Dezember 2013
Andreas Bender
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