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Foto: Nicole Nadine Seliger
Foto: Nicole Nadine Seliger

Erfolgreiches Crowdfunding

Westafrikanische Küche auf Rädern

Seit Juli fährt Mirrianne Mahn mit ihrem kleinen Food Truck durch Frankfurt und verkauft Mittagessen aus regionalen Produkten und afrikanischen Zutaten. Ermöglichen konnte sie sich ihren Traum durch Crowdfunding.
In den letzten Monaten ist in Mirrianne Mahns Leben viel passiert . Erst startete sie ihr Crowdfunding-Projekt – das JOURNAL FRANKFURT berichtete – dann kaufte sie ihren kleinen Imbisswagen und seit Sommer verkauft sie nun ihr Essen in Frankfurt und Umgebung. Ihren Traum vom eigenen Food Truck mit westafrikanischem Essen hat sich die gebürtige Kamerunerin endlich erfüllt.

Chaotischer Einstieg


Von Anfang März bis Mitte April lief ihre Aktion auf der Plattform startnext.com. Nach 49 Tagen, 99 Fans und 69 Unterstützern erfüllte sich ihr Traum: Mahn konnte sich auch dank der 8343 Euro ihrer Unterstützer einen Truck kaufen. Dann ging alles ziemlich schnell: Im Juni fand sie ihren Imbisswagen, ließ ihn wochenlang nach ihren Wünschen umbauen und verkaufte im Juli beim „Food Truck Friday“ vor der Jahrhunderthalle in Höchst erstmals ihr Essen. Der Truck war erst in der Nacht zuvor fertiggeworden, noch am frühen Morgen hatte Mahn mit ihrem Mann die passende Beleuchtung angebracht. „Seit diesem ersten Tag bin ich entspannt, was Chaos angeht“, lacht sie heute, denn ihr erster Verkaufstag endete ähnlich stressig: Der Truck ging kaputt und sie musste zwei Stunden auf fachmännische Hilfe für ihr Auto warten. Ihren Einstieg beim monatlichen „Food Truck Friday“ möchte sie aber auf keinen Fall missen. Da die Leute dort bereits das Konzept kennen, seien sie sehr entspannt und aufgeschlossen. Aufgrund der vielen anderen Trucks sei der Einstand auch eine gute Möglichkeit gewesen, das Potenzial des eigenen Angebotes zu testen.

Westafrican-Fusion

Frisch und gesund soll ihr Essen sein, das ist Mirrianne Mahn besonders wichtig. Sie kocht ausschließlich mit authentischen afrikanischen Zutaten, stellt sie aber nach eigenen Rezepten zusammen. „Westafrican Fusion“ nennt die Unternehmerin ihren Stil. Da die kamerunische Küche sehr scharf sei, habe sie das Essen an den europäischen Magen angepasst. Im Mittelpunkt der Gerichte stehen meistens Kochbananen, Süßkartoffeln und Yams, die sie allesamt fairtrade über einen Händler kauft. Die anderen Zutaten besorgt Mahn frisch auf dem Markt und richtet sich nach dem saisonalen Angebot. „Ich kann mitnehmen, was mir spontan ins Auge fällt und das Gemüse in meine Rezepte einbauen“, erzählt sie.

Seit sie im Juli mit ihrem Truck losgefahren ist, haben sich schon zahlreiche ihrer Crowdfunding-Unterstützer ihr Essen schmecken lassen. Besonders beliebt: Die gebratenen Kochbananen mit Erdnusshähnchen, wofür sie das Fleisch in Erdnusspaste mariniert. Auch ihre Avocado-Thunfischpaste mit Pfannkuchen komme gut an. „Das klingt etwas seltsam und viele sind da erst skeptisch, aber wenn sie die Zusammenstellung einmal probiert haben, merken sie, dass es schmeckt“, berichtet Mahn stolz.

Im Gallus zuhause

Die junge Unternehmerin ist begeistert, wie viele Menschen und Locations sie durch ihren Job bereits kennenlernen konnte. Fest in ihrem Terminkalender verankert, ist der Standort vorm korrekt in der Mainzer Landstraße. Jeden Dienstag fährt sie den Hinterhof im Gallus an, um ihr Essen anzubieten. Für die junge Frau ist diese Location eine besondere. “Ich wohne seit sechs Jahren im Gallus und habe mich in den Stadtteil verliebt. Hier gehe ich nicht mehr so schnell weg“, erklärt sie mit einem Schmunzeln. Auch Eschborn und das Europaviertel besucht Mahn mit ihrem Truck regelmäßig. Circa zwei Mal in der Woche ist sie mit „WTF?“ unterwegs, dazu kommen Aufträge für Caterings oder Geburtstagsfeiern. Viel freie Zeit hat Mahn im Moment nicht. „Es ist viel anstrengender als erwartet“, gibt sie zu und ergänzt lachend: „Es macht aber auch viel mehr Spaß als erwartet“.

Mit den Kollegen der anderen Food Trucks sei mittlerweile eine richtige Community entstanden, die sich hilft und unterstützt. Mahn erzählt begeistert davon, dass sich die Kleinunternehmer gegenseitig für Aufträge empfehlen und auch kurzfristig für einen anderen Food Trucker einspringen. „Und wenn an meinem Truck irgendetwas kaputtgeht, gibt’s bestimmt einen Kollegen, der das Problem schon kennt“, weist sie auf den praktischen Nutzen hin.

Vom Erfolg überwältigt

Trotz des Erfolgs wünscht sich Mirrianne Mahn im Moment etwas Zeit zur Besinnung. Als sie das Projekt gemeinsam mit ihrem Mann aufgebaut hat, habe keiner erwartet, wieviel Platz es einnehmen werde. „Es ist zu einem Teil von uns geworden“, sagt sie und verrät gleich danach ein amüsantes Detail – denn ihr rollender Arbeitsplatz hat sogar einen eigenen Spitznamen. „Trucky McTruckface“ nennt nicht nur ihr kleiner Sohn das Fahrzeug liebevoll.
In Zukunft plane sie aber, etwas kürzer zu treten, ursprünglich habe sie ja eine „familienfreundliche Selbstständigkeit in Teilzeit“ geplant, erzählt sie mit ihrem markanten Lachen. Deshalb überlege sie auch, sich für den Verkauf in ihrem Food Truck Hilfe zu suchen, denn bisher kümmert sich die junge Unternehmerin alleine ums Einkaufen, Kochen und Verkaufen ihres Angebots. Vielleicht wird sie Ende des Jahres mit ihrem Truck noch einen Weihnachtsmarkt ansteuern, aber ansonsten sollen in der Adventszeit ihre beiden Kinder im Mittelpunkt stehen. Trotz des stressigen Alltags würde sich Mahn aber immer wieder für „WTF?“ entscheiden und versuchen, ihr Projekt mithilfe des Crowdfundings zu verwirklichen. „Das hat mich noch mehr motiviert“, sagt sie, „ich zweifle zwar manchmal an meinen Fähigkeiten, aber nicht an meinem Konzept.“ Auch ihre Kunden haben die Frage von „WTF?“ (Want Truck Food?) eindeutig beantwortet: Ja, wir wollen westafrikanisches Essen zum Lunch.

Wie vielseitig das Gallus und seine weiteren Bewohner, neben Mirrianne Mahn sind, lesen Sie in unserem aktuellen Print-Magazin JOURNAL FRANKFURT. In der Titelgeschichte „Wundertüte Gallus“ haben wir weitere Menschen aus dem Gallus porträtiert.
 
19. Oktober 2016, 12.53 Uhr
Nicole Nadine Seliger
 
 
Fotogalerie:
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