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Festschmaus im Badezuber
 
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Festschmaus im Badezuber
Foto: Maria Greiner
Foto: Maria Greiner
Erlebnisurlaub in der Altmark? Kein Witz, denn hier gibt es einen wahren Schatz zu entdecken. Ob beim Nächtigen im Kaiser-Karl-Gemach oder beim Futtern im Badezuber: die Stadt Tangermünde mit 1000-jähriger Geschichte entführt ihre Gäste ins Mittelalter!

Tangermünde – wo liegt das denn? Eine nicht gerade selten gestellte Frage die man niemandem verübeln kann, denn die gesamte Region Altmark steht nicht gerade weit oben auf der Urlaubs-Beliebtheitsskala der Deutschen. Eine Reise ist sie jedoch allemal wert. Wer die fast 500 km Entfernung von Frankfurt am Main aus hinter sich gebracht hat, kann den Besuch gleich mit einem Abstecher in die Hauptstadt verbinden oder einfach nur die Natur und die zahlreichen kleinen Städtchen der Altmark genießen. In Tangermünde, direkt an der Elbe gelegen, gibt es dabei Besonders viel zu entdecken. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein: Die 1000-jährige Geschichte, zahlreiche Backstein- und Fachwerkbauten, eine fast geschlossene, teilweise gewaltige Stadtmauer mit wehrhaften Toren sowie die imposante Burganlage verleihen der Kleinstadt einzigartige Atmosphäre. Um den Reiz der Stadt in vollen Zügen zu erleben, kleiden sich auch viele Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants in historische Gewänder.


Das Erlebnishotel Exempel Schlafstuben bietet dabei besonders interessante, geradezu außergewöhnliche Zimmer an. Ob der Königin Luise Salon, des Mannes Maleratelier oder der Stall der Kuh, welche ihren Schwanz in Bier badete: alle Räume sind thematisch ausgerichtet und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Vor mittelalterlicher Rustikalität muss man jedoch keine Angst haben: Auch wenn die Einrichtung historisch anmutet sind die Annehmlichkeiten der modernen Zeit wie fließend Wasser und Strom ebenfalls vorhanden. Zu einer wahrlich kaiserlichen Übernachtung lädt das Kaiser-Karl-Gemach ein. Ein massives Himmelbett aus Holz, der kleine Badezuber mitten im Raum und die Toilette als Thron getarnt, den man über ein paar Stufen erreicht und der nur durch einen Vorhang vom restlichen Raum getrennt ist, stimmen den Gast ein. Kleine Utensilien wie Kelch, Krone und ein Gewand – perfekte Accessoires für ein effektvolles Erinnerungsbild – vervollständigen die Einrichtung. Und das war noch nicht alles: Ein aus Stein geformter Waschtisch leitet das Wasser über eine kleine Rampe auf den Badezimmerboden, wo es dann abfließen kann. Bevor es jedoch an den kaiserlichen Schlaf geht, muss selbstverständlich noch standesgemäß Gespeist werden. Und wo tut man das in Tangermünde? In der Zecherei St. Nikolai!


Das Restaurant befindet sich in einem über 800 Jahre alten Kirchengemäuer und nur wenige Gehminuten vom Hotel entfernt. Meterdicke Wände, Kerzenbeleuchtung, Bleiglasfenster, Chorgestühl, Kanzel, Beichtstuhl und Kamin bilden den perfekten Rahmen, um in mittelalterlichem Ambiente zu genießen. Neben üppig eingedeckten Tischen, reichlich Gesöff und Fraß, Musik von Sackpfeife, Laute und Trommel gibt es noch eine intime Alternative: ein Bad im Badezuber mit Festschmaus (39,90 € pro Person exklusive Getränke). Hinter einer dicken, quietschenden Holztür kann man dem Gelage im Restaurant entfliehen, und wenn man sich langsam an das Schummerlicht der Kerzen gewöhnt hat, offenbart sich ein großer Raum mit einem runden Tisch am Eingang – hinter einem Paravent versteckt sich dann der Holzzuber. Ein schweres Holzbrett liegt quer über dem Badebecken, auf dem Trinkkelch und Dolch schon andeuten, was die in mittelalterlicher Kluft bekleideten Mägde und Knappen gleich servieren werden. Doch bevor der Festschmaus beginnt, liegt für jeden Gast (maximal sechs Personen) ein Leinenhemd bereit. Angemessen gekleidet steigt ein jeder dann in den dampfenden Zuber, denn das Wasser ist wohlig warm temperiert, und nimmt auf einem der Holzhocker, die direkt im Badezuber stehen Platz. Voller Spannung lässt man den Blick nochmal durch den Raum schweifen und stellt fest, dass vor dem Fenster zahlreiche Leinenhemdchen, die neben einander aufgehängt wurden, einen perfekten Sichtschutz nach außen bilden und an den Wänden große Bilder hängen, die das mittelalterliche Schauspiel eines kaiserlichen Bades im Zuber darstellen. Durch die Wärme verlangt die Kehle recht schnell nach Abkühlung, schnell stehen Krüge mit Tangermünder Kuhschwanzbier bereit. Da es früher üblich war, dass jede Gemeinde ihr eigenes Bier in den Gemäuern braute, entnahmen die Braumeister der Stadt das Wasser für den Gerstensaft aus dem Tangerfluss. Um genug Wasser für das Brauen zu bekommen, versuchte man die Kühe von ihren Trinkstellen zu vertreiben, doch da dies nicht immer gelang und ab und zu doch eine Kuh im Fluss stand (und somit auch der Kuhschwanz), bekam das Bier seinen Namen. Heute ist das mild-malzige Schwarzbier Kult und auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Dann wird endlich aufgetafelt: Ein großer Teller mit knusprigem halben Hähnchen, saftigem Kassler- und Schweinebraten sowie allerlei frische Beilagen wie Möhren, deftige Bohnen und Kartoffeln, alles natürlich reichlich – bodenständige Küche, frisch und von hervorragender Qualität. Mit Dolch und Gabel bewaffnet kann nun hemmungslos geschlemmt werden, während die Beine im warmen Badezuberwasser baumeln. Das üppige bleibt meist noch Platz für das Schmiedefeuer, ein „übler Kräuterlikör“, so steht es jedenfalls in der Karte, der brennend serviert wird. Auch wenn das Feuer vorher ausgeblasen wird brennt dieser im Hals beim Trinken immer noch nach, also dient Kuhschwanzbier wiederum als Gaumenlöscher. Zum Schluss verschwinden Holzschemel und Brett, so dass die gesättigten Gäste ganz und gar in den Badezuber eintauchen können, um anschließend endlich ins fürstliche Bett des Kaiser-Karls-Gemaches zu fallen.


Exempel Schlafstube, Lange Str. 24, 39590 Tangermünde, www.exempel-schlafstuben.de


Zecherei St. Nikolai, Langer Str. 1, 39590 Tangermünde

31. Dezember 2012
Maria Greiner
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