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Bong Appetit Kochen mit Can
 
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Bong Appetit Kochen mit Cannabis
Foto: Edel Verlag
Foto: Edel Verlag
Musikmanager Sascha Basler tütet nicht nur Plattendeals ein, sondern arbeitet auch an seinem zweiten Standbein als Cannabis-Koch. Auf knapp 300 Seiten präsentiert er in Bong Appetit Grundlagen, eine große Rezeptvielfalt und interessantes Hintergrundwissen.

Die Debatte um die Legalisierung von Marihuana ist so aktuell wie nie. Parteien wie Die Grünen und FDP haben sich klar für die Cannabis-Freigabe ausgesprochen und dies sogar in ihren Wahlprogrammen festgehalten. Und selbst Teile der CDU haben eine kontrollierte Freigabe befürwortet.



In diesen Zeiten, der immer weiter fortschreitenden Legalisierungswelle, hat Sascha Basler ein Kiffer-Kochbuch – so könnte man es nennen – geschrieben. Er machte eigentlich als Musikmanager Plattendeals mit Nina Hagen, Westbam, Marusha, gilt sogar als der Entdecker von Rammstein. Mit seinem Werk Bong Appetit ist er nun auch Deutschlands erster Cannabis-Koch. Der Trend ums Kochen mit der Pflanze stammt aus Amerika: Von Los Angeles und San Francisco aus schwappt die Welle der Kifferküche nun auch nach Deutschland.



Basler führt in sein Werk ein, indem er auf den positiven Nutzen der Pflanze eingeht: Cannabis werde beim Kochen nicht allein wegen der berauschenden Wirkung eingesetzt, sondern diene auch, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, als Medizin. Neben dem Wirkstoff THC enthält die Pflanze auch Cannabinoide, die nachweislich Krankheiten wie Krebs bekämpfen, die Chemotherapie unterstützen und auch die Symptome des Tourettesyndroms oder Parkinson lindern. Basler stellt klar, dass sein Buch dem Leser nicht primär als Anleitung für die Einnahme von Cannabis zu Rauschzwecken dienen soll, sondern die Möglichkeiten aufzeigt, den Stoff oral aufzunehmen, ohne rauchen zu müssen. Wichtig ist ihm auch, darauf hinzuweisen, dass bei der Dosierung Vorsicht und Achtsamkeit unabdingbar sind, denn jede Pflanze hat andere Eigenschaften: Es gibt Pflanzen, die einen erhöhten THC-Anteil aufweisen. Da reichen dann bei der Verwendung von Cannabisöl oder –butter nur wenige Tropfen. Bei einer Pflanze mit geringem THC-Anteil und hohen Cannabinoiden verhalte es sich komplett konträr.



Als nächstes handelt Basler die Grundlagen der Cannabis-Küche ab. Um damit kochen zu können, muss es extrahiert werden. Durch die Zugabe von Hitze und das Binden durch Alkohol oder Fett wird der Vorgang der Decarboxylierung in Gang gesetzt, durch welchen das im Cannabis enthaltene THCA in THC umgewandelt wird. So werden Butter, Öl, Milch oder Tinktur hergestellt. Nur anhand dieser Grundlagen können die in den weiteren Kapiteln folgenden Rezepte zubereitet werden. Er weist darauf hin, dass alle Canna-Zusätze mit Hilfe eines Käsetuchs unbedingt gefiltert werden sollten. Dadurch werde der Eigengeschmack der Pflanze gemildert und die Gerichte würden geschmacklich harmonischer.



In diesem Kapitel wird klar, dass das Werk kein reines Kiffer-Spaß-Buch ist, denn es wird auf den verantwortungsvollen Umgang mit Cannabis hingewiesen. Basler erklärt, dass die Wirkung schwer einzuschätzen ist. Bei kulinarischer Verwendung setze sie erst nach etwa 30 bis 60 Minuten ein, weshalb gerade bei Gebäck und Desserts nicht zu früh „nachgelegt“ werden sollte. Außerdem beschreibt er die Effekte der verschiedenen Sorten: Während Sative-Pflanzen ein stimmungsaufhellendes „Kopf-High“ bewirken, sind Indica-Pflanzen, die ein „Körper-High“ verursachen, vor allem bei Schlafstörungen empfehlenswert. In dem Kapitel geht Basler auch auf die sichere Aufbewahrung vor Kindern und Minderjährigen ein.



In den nachfolgenden Basic-Rezepten erfolgen Anleitungen zur Herstellung von Cannabis-Butter, -Öl, -Honig, -Tinktur, -Wodka, -Milch und –Sahne. Mit diesen Basics werden die in den folgenden Kapiteln beschriebenen Rezepte zubereitet. Aufgegliedert sind sie in Länderküchen: Italien, Frankreich, deutsche Hausmannskost und Asien. Gelistet sind, unter anderem, verschiedene Pizzavarianten (S. 56),  Rehbratwürste auf karamellisiertem Apfel-Sellerie-Ragout, Crème Fraîche und Calvados (S. 122) sowie Bami Goreng (S. 160). Außerdem findet der Leser im Kapitel Chef’s Choice internationale Varianten, die der Autor besonders mag. Als nächstes werden Menüvorschläge, bestehend aus verschiedenen kapitelübergreifenden Rezepten, vorgestellt. Wer denkt, dass es das schon war, der irrt, denn Baslers Werk kennt auch Fancy Drinks wie Golden Affogato (S. 204), Canna Milk (S. 214) oder Caipi-Champagner-Shooter (S. 224). Abschließend beschreibt der Autor in einem interessanten Kapitel die Historie der „Prohibition von Cannabis“.



Auch wenn die Legalisierung noch nicht durchgesetzt wurde, bietet das Buch eine informative und aufschlussreiche Einführung in die Cannabis-Küche. Worauf zu achten ist bei der Verarbeitung und beim Konsum der Speisen, wird zu Beginn ausführlich abgehandelt. Positiv ist, dass Basler in seinem Werk auch auf den verantwortungsvollen Umgang mit der Pflanze eingeht.



Bong Appetit eignet sich besonders gut als witziges Spaß-Geschenk für die guten Verwandten in Holland. Problematisch ist allerdings, dass die Beschaffung und der Besitz von Cannabis nach wie vor verboten sind und sich die Umsetzung der Rezeptvielfalt somit als recht schwierig erweist, sofern man sich nicht auf illegalem Terrain bewegen möchte.



Bong Appetit Kochen mit Cannabis von Sascha Basler ist im Edel Verlag erschienen und für 24,95 Euro erhältlich.

11. Dezember 2017
kab
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