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Schnaps und Satire im Henscheid

So gehört es sich für eine Kneipe – Verzeihung, ein Satire-Lokal – , das den Begriff „Schnaps“ im Untertitel trägt: Feuchtfröhlich wurde jetzt die Eröffnung des Henscheids gefeiert. Mit dabei: der Namensgeber selbst und Oliver Maria Schmitt.
Nachts um halb vier im Henscheid. Leo Fischer, Redakteur und ehemaliger Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ sieht schon etwas mitgenommen aus. Lautstark bemüht er sich, zu Protokoll zu geben: „Ich trinke nie Alkohol!“ Das lassen wir jetzt mal so stehen.
Einige Stunden zuvor sind alle Besucher des Lokals in der Mainkurstraße wirklich noch nüchtern. Bernd, dem die schweißtreibende Aufgabe zufällt, an diesem Eröffnungsabend an der Theke zu arbeiten, hat vorgesorgt: Sein Pall-Mall-Schachtel fasst stolze vierzig Zigaretten und er hat davon gleich zwei Päckchen eingepackt. Der Abend wird lang. Oliver Maria Schmitt, Ehrenvorsitzender der PARTEI, wuselt in einem nicht ganz dezenten, roten Anzug durch den Laden und auch der Namensgeber Eckhard Henscheid steht bereits zur Stelle. Andreas Kramer, dem zusammen mit Christa Brill das Satire-Lokal gehört, verrät, wie das ehemalige Klabunt zu seinem neuen Namen kam: „Lange Zeit war in der Schwebe, wann das Klabunt zumachen würde und so hätte es passieren können, dass wir das Henscheid zeitgleich eröffnen. Klabunt 2 klänge doof, wir sind ja kein Franchise-Unternehmen. Also sind wir auf Eckhard Henscheid gekommen, der wirklich viel für uns gemacht hat.“
Herr Henscheid und Oliver Maria Schmitt, in Fachkreisen nur „Oms“ genannt, sollen laut Plan feierlich das Schild mit dem neuen Namen enthüllen. Zuviel Gaffatape macht dem aber ein Strich durch die Rechnung und so muss das schwarze Tuch in mehreren Anläufen und Buchstaben um Buchstaben enthüllenden Fetzen abgerissen werden. Kramer sieht’s gelassen: „Ist doch eine nette Showeinlage.“ Nach einer Dankesrede des Meisters selbst, der zugibt, ihn habe „eine gewisse Rührung“ überlaufen, halten Oms und Henscheid, der die Kellnersatire „Die Wurstzurückgehlasserin“ geschrieben hat, eine Lesung für die zahlreichen Gäste. Danach fließen Schlappeseppel und Schnappes, auch die Polizei schaut zwecks nachbarschaftlicher Ermahnungsdienste gleich zwei Mal vorbei.
Viele freuen sich, das Klabunt in fast altbekannter Form zurückzuhaben. Die unzähligen Cartoons an den Wänden liefern den passenden Wiedererkennungswert. „Das Klabunt hat mir viel gegeben“, verrät Autor Stefan Geyer. „Als ich im Jahre 2000 aus Berlin nach Frankfurt kam, hab ich Dank des Klabunts großartige Leute kennengelernt.“ Hans Berger, der vor zwei Jahren die Leitung im Weida um die Ecke übernahm, sitzt neben an ihm an der Theke. „Die Eröffnung war wie erwartet – chaotisch und gut“, lässt er den Abend Revue passieren.
Für das Henscheid stehen aber noch viele Veränderungen an. Gerade wird mit Europaletten der Boden im zukünftigen Garten, der auf die Ringelstraße geht, geebnet, bald sollen die Tische folgen. Auch an der Speisekarte wird schwer gewerkelt. „Eine gute, schaurige Karte“, verspricht Andreas Kramer. Dafür hat er sich überall umgehört, Archive gewälzt und in Stadtchroniken nachgelesen. „Es gibt sensationell depperte Namen, die bestens in unsere Kategorie ‚Schrecklicher Namen – königlicher Genuss‘ passen.“ Ein Beispiel verrät er: „In Nordhessen heißt ein Gericht doch ernsthaft ‚Röhrenklump‘!“ Diese Variante eines Kartoffelauflaufs wird sich bald auf der Speisekarte finden. Auch die beliebte Hessische Pizza („die hat wenig zu tun mit den Mafiatorten!“), die bereits eine große Fangemeinde hat, kommt wieder auf den Tisch. Der „legendäre“ Roggen-Dinkel-Fladen („klingt furchtbar, schmeckt furchtbar gut“) wird mit allerlei Belägen der regionalen Küche verfeinert: Blutwurst, Leberwurst, Sauerkraut… auch vegetarische Varianten soll es geben. „Mit der Hessischen Pizza lässt es sich wunderbar experimentierten“, frohlockt Kramer. Schon jetzt gibt es einige altbekannte Klassiker wie das Apfel-Quitten-Rahmschnitzel oder hausgestampftes Püree mit Apfel-Zwiebel-Schlonz im Henscheid. In spätestens zwei Wochen ist nicht nur der Garten fertig, sondern soll auch die richtige Karte stehen. Ab September gehen dann altbewährten Lesungen und Titanic-Veranstaltungen los.

Henscheid, Bornheim, Mainkurstraße 27, So-Do 18-2, Fr/Sa 18-3 Uhr
7. Juli 2014
Isabella Caldart
 
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