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  Foto: Herzberger
Essen beim Erzeuger
Forellengut Herzberger
Ihr wollt den Titel meines nächsten Erfolgsromans wissen? Bitte sehr: „Die Rettung der Vergangenheit.“ In einer der vielen beeindruckenden Szenen verschlägt es den gereiften Helden in den Taunus. Er gerät auf eine ins Unendliche sich dehnende Straße und ahnt: „Hier war ich einst.“ Als er die schneeverwehte Bahn zum Forellengut hinabsteigt, Eis steht im Teich, tauchen Szenen aus der Kindheit auf: Bald ist Weihnachten, der Vater geht Fische holen. Moment. Was? Wie? Winter? Wir haben Mitte Mai, als der Besuch stattfindet! Aber so ist das über Oberursel: Die Zeiten verschwimmen und mit einem Mal sitzt man wieder in der Stube mit den Sprossenfenstern und die ausgestopften Karpfen grinsen wie ehedem. Als er einen irdenen Bocksbeutel-Silvaner vom Weingut Zur Schwane bestellt, beiseite ein raffiniert ausgewählter Fisch-Wein, hört er es neben sich flüstern: „Willst Du mir nicht auch etwas einschenken?“ Tatsächlich, es ist sein Opa, den er nur von verblassten Fotos kennt, aber niemals lebendig erleben durfte! Der Gute hat eine warmgeräucherte Forelle vor sich liegen, der Duft verwirbelt Bilder von Morgenfleiß und Abendfrieden, die Salzkartoffeln sind wie zu allen Zeiten fein petersilisiert, und dem Salat frommt eine durchsichtige Sauce (keine Vinaigrette!), süß-sauer, wie einst bei Tante Traudel, die schräg gegenüber Platz genommen hat. Sie löffelt eine Schlesische Fischsuppe mit Rogen, schön heiß und von vergnügter Hand serviert. „Tante Traudel!“, beginnt er. „Bist Du nicht schon …“ Doch da verschliert sie in den Rauten ihres geliebten Apfelweins. „Ist das ein Wetter!“, schüttelt Onkel Adi den Kopf, nimmt Forelle Blau, die sich überzart und übersaftig auf seinem Teller räkelt, kippt Glühkirsch und RöPi und klopft unserem Protagonisten onkelhaft in den Nacken. Ein Held lernt sich fügen, doch etwas Widerstandsgeist bleibt ihm eigen, und so ordert er Nieren im Fischrestaurant. Die dünsten auf einem dieser dreigeteilten Teller, Mode vor 40 Jahren, sensibel gewürzt und von morbidester Textur. Die Bratkartoffeln aber könnten röscher nicht sein. Erst beim Espresso ahnt der Protagonist, dass er der Gegenwart nicht entkommen war, denn so was Kräftiges gab es damals nicht. Eins jedoch wusste er gewiss: Wann immer es ihn drängte, mit den Ahnen in Kontakt zu treten, musste er sich nur zu den Herzbergers aufmachen, ins märchenumduftete Forellengut. Und es war alles wieder gut, alles, alles, Lieb und Leid und Welt und Traum …
Johannes Hucke
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Location Facts
Adresse: Forellengut 1, 61440 Oberursel (Taunus) Oberursel - Oberstedten
Telefon: 06172/35119
Home: www.forellengut-herzberger.de
Öffnungszeiten: Mo–Fr Ruhetage, Sa/So 11–18 Uhr
Parken: eigene
RMV: Oberursel Portstraße
Küche: Essen beim Erzeuger
 
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