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  Foto: Margaux Adam
Hanoi
Die Mainzer Neustadt lässt sich ohne Übertreibung als das In-Viertel der Rheinland-Pfälzischen Landeshauptstadt bezeichnen. Kleine Start-up-Läden finden hier in den letzten Jahren neben Vintageshops, Unverpackt-Läden und einer Reihe von Cafés und Restaurants mit unkonventionellem Konzept ein Zuhause. Gleichzeitig sind aber durch die Gentrifizierung des Viertels die Mietpreise enorm gestiegen und der Wohnraum wird knapper. Da die Baustruktur im Zweiten Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört wurde, überwiegen heute eher unschicke 60er Jahre-Bauten. Teilweise gibt es aber auch noch rar gesäte Villen aus der Jahrhundertwende mit pompöser Außenfassade. Inmitten dieses Getümmels befindet sich ein Refugium in einem ruhigen Teil der Leibnizstraße, in dem die Zeit stehen geblieben scheint: das Hanoi. Hier kommt allabendlich der Querschnitt der neustädtischen Anwohner zusammen: Zu biertrinkenden Studenten gesellen sich Familien mit Kinderwagen und ältere Stammkunden. Dabei kann keinesfalls das Ambiente springender Punkt für den Besuch sein. Die Außenfassade im griechischen Stil mit weiß getünchten Säulen lässt noch den Vorgänger erahnen und wurde nie verändert. Genauso das rustikale Interieur mit zusammengewürfeltem Mobiliar und Papiertischdecken. Der Grund für die beachtliche Gästeschar ist das umfangreiche Angebot an traditionell unverfälschter Küche aus der vietnamesischen Hauptstadt zu unschlagbaren Preisen. Im Fokus stehen hier die Authentizität und Einfachheit der Gerichte. Die Abendkarte umfasst stolze 76 Hauptgänge und 33 Vorspeisen und ist in Hühner-, Rind-, Enten-, Schweinefleisch- sowie Meeresfrüchte-Gerichte aufgeteilt. Für Vegetarier ein Pluspunkt: Die Auswahl an vegetarischen Gerichten umfasst 22 Posten und ist extrem vielseitig. Von Suppen, Salaten über gebratenes Gemüse mit Tofu bis zu verschiedenen Currys wird man hier definitiv fündig. Das seit Jahren heiß diskutierte Parkplatzproblem der Neustadt wird auch im Hanoi ersichtlich: Der kleine Außenbereich des Vietnamesen ist ringsherum zugeparkt. Lediglich die eingetopften Bambuspflanzen umsäumen die Terrasse beschützend vor der motorisierten Außenwelt. Wir bestellen einmal die Karte rauf und runter. Highlight ist definitiv die Spezialität des Hauses, die lackierte Ente. Sie besteht aus einer aufgeschnittenen Entenbrust und zwei Entenkeulen auf einem Gemüsebett mit zweierlei Saucen. Knusprig und zart zugleich geht Ente zum seit Jahren nicht erhöhten Preis von 12,90 Euro nicht besser. Toll sind auch die Sommerrollen vorweg, die man sich selbst am Tisch zubereiten kann. Dafür kommt eine große Schüssel mit Wasser in die Tischmitte, in der man das Reispapier einweicht und mit Reisnudeln, frischen Kräutern, perfekt gegartem Tintenfisch, Sojakeimlingen, aromatischen Garnelen und Rindfleisch befüllt. Einziger Wermutstropfen: Das Rindfleisch ist zäh, eine Tatsache, die jedoch angesichts der überaus guten Qualität der anderen Zutaten nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Die Weinauswahl ist zwar überschaubar, überzeugt jedoch geschmacklich: Der Riesling ist ungewohnt fruchtig und der Grauburgunder herrlich mineralisch. Unbedingt probieren sollte man hier die große Auswahl an kleinen Häppchen wie Hühnerfleischsalat mit Weißkohl, in Bauchspeck eingerollte Garnelen und die cremige Reissuppe in Kokosmilch mit verschiedenen Einlagen.
Margaux Adam
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Location Facts
Adresse: Leibnizstraße 46, 55118 Mainz Mainz - Neustadt
Telefon: 06131/6932395
Öffnungszeiten: Mo–Fr 11.30–15 und 17.30–23.30 Uhr, Sa/So 17.30–23.30 Uhr
Parken:
RMV: Mainz Gabelsbergerstraße
Küche:
 
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