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Foto: © Alexander Hardy
Foto: © Alexander Hardy

Der Restauranttest der Woche

Ommia

Brandneu im Westhafen: Das Ommia. Hinter dem Namen steckt ein so kunterbuntes wie elegantes Restaurant mit panasiatischer Küche und verschiedenen Partykonzepten.
Ist das Hongkong? Nein, klare Sache, wir sind in Frankfurt. Und dennoch passt der Vergleich zumindest bei zugekniffenen Augen, denn die einsame Lage am Ende des Westhafenareals ist „Industrial“, der Blick auf den Fluss, das nebenan liegende Druckwasserwerk und die Main-Neckar-Brücke passt ins Bild – und macht man die Augen im Ommia dann weit auf, ertrinkt man auf zwei geräumigen Etagen förmlich in bunten, schillernden Farben und jeder Menge Bling-Bling. Klingt oberflächlich, ist es aber nicht: Die Mischung aus 90ern und Zeitgeist macht Spaß, nur Foodporn ist kein Vergnügen, da die Kamera aufgrund der Beleuchtung alle Speisen in Rot abbildet. Dabei ist die Lichtstimmung alles andere als schummerig.

Wir werden von einer jungen Servicedame an unseren Platz am Fenster geleitet und mit Karten versorgt. In der Raummitte befindet sich ein besonders großer länglicher Tisch, der eindeutig temporär geplant ist – nach dem Essen geht hier mit DJ von Mittwoch bis Samstag die Post ab. Die Weinauswahl ist überschaubar, aber passend zusammengestellt und gar nicht mal so teuer kalkuliert, es gibt eine große Auswahl an Longdrinks und Cocktails, und kulinarisch nimmt der anfangs zitierte Vergleich Gestalt an: Südchina trifft Japan trifft Europa, und das auf hohem Niveau. Auf die opulente Sushi-Auswahl folgen Kürbiscreme- und Grüne-Soße-Suppe, der Hähnchenbrust-Salat darf natürlich nicht fehlen, die Royal Duck Blinis verweisen dann schon in Richtung China, und wer es richtig krachen lassen möchte, bestellt eine Woche im Voraus das Peking-Ente-Menü für 80 Euro pro Nase, das hier in fünf Gängen zelebriert wird.

So viel Zeit haben wir nicht, aber die feine Rinderzunge mit Reisessig in Szechuan-Pfeffer-Öl mit in Streifen geschnittenem Gemüse anbei sieht nicht nur wunderschön aus, sondern schmeckt auch so. Fein passt auch zur Lachsvariation, denn der kommt hier in hauchzartem Knuspermantel beinahe schwerelos auf den Teller, ergänzt um präzise austariertes Lachstatar. Das ansprechend im Blatt servierte Szechuan-Chicken ist ein schönes Beispiel für die chinesische Kunst des Würzens, denn hier stellt sich kein Gaumenbrand, sondern pure Harmonie ein. Mit dem perfekt gebratenen Steak Omami, Filet mit aromatischer Gänseleber und geraspeltem Eigelb, sitzen wir dann wieder im Westen und fragen uns, weshalb zu beiden Hauptspeisen eine ordentliche Portion (sehr gut gemachter) Reis serviert wird, obwohl es keinerlei Sauce gibt. Als Reminiszenz an fernöstliche Essgewohnheiten ist das nachvollziehbar (man denke an Franzosen und ihr Baguette), kulinarisch ergibt das hier aber keinen Sinn. Die King brûlée kommt dann mit fester Zuckerkruste und einer geheimnisvollen Frucht. Das Ratespiel verliere ich, aber hätten Sie erwartet, dass die Küche Durian verwendet, um Vanillearoma und Fruchtigkeit in die Creme zu zaubern? Überraschend – und gut!
Web: ommia.de/
 
22. November 2021, 10.07 Uhr
Alexander Hardy
 
 
Fotogalerie:
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