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Foto: René Postel (l.) und Thierry Felden (r.) ©Redaktion
Foto: René Postel (l.) und Thierry Felden (r.) ©Redaktion

Alles neu im Trares

Gastro-Rochade im Nordend

Das Trares im Nordend hat einen neuen Eigentümer und Betreiber: Thierry Felden hat das Restaurant von Christopher Crell im März übernommen. Nach langem Umbau wurde am 16. Juni unter altbekanntem Namen mit neuem Team und neuem Konzept wiedereröffnet.
Lange waren im Trares in der Luisenstraße im Nordend die Lichter aus. Dann wurde umgebaut und schließlich am 16. Juni ohne viel Aufhebens wiedereröffnet – allerdings ohne Trares-Gründer und TV-Koch Christopher Crell. Der ist vor Kurzem nach Portugal ausgewandert. Aber nicht, ohne davor noch das 2015 zusammen mit Geschäftspartner Christian Weber eröffnete Trares in gute Hände zu übergeben. Seit März 2020 ist nun Thierry Felden neuer Eigentümer und Betreiber, Restaurantleiter und Sommelier in Personalunion. Der gebürtige Franzose ist kein Unbekannter in der Frankfurter Gastronszene: Nach lehrreichen sieben Jahren in Erno’s Bistro als damals erste Station in der Mainmetropole machte sich Felden in den letzten 13 Jahren als Restaurantleiter und Sommelier verschiedener Frankfurter Top-Adressen einen Namen. Dazu gehören Mario Lohningers Micro im damaligen Cocoon Club, das Lohninger in Sachsenhausen sowie die Villa Merton (damals mit zwei Sternen und Matthias Schmidt in der Küche) und zuletzt die Frankfurter Botschaft.

Das alte und das neue Trares

Den Wunsch, ein eigenes Restaurant zu führen, hatte Felden schon lange: „Ich bin seit einiger Zeit auf der Suchen nach etwas passendem gewesen.“ Jetzt kam die Gelegenheit: Crell kannte Felden, Felden kannte Crell, und so kam Anfang des Jahres eins zum anderen. „Ich kenne das Trares gut“, sagt Felden und lacht: „Als Crell damals das Trares aufgemacht hat, hatte ich mich sogar als Restaurantleiter beworben.“ Statt direkt ins Trares ging es für Felden dann 2016 in die Frankfurter Botschaft, wo er später auch seinen jetzigen Küchenchef René Postel kennenlernte. Postel, der zunächst Sous- und zuletzt Küchenchef in der Frankfurter Bootschaft war, hat sein Handwerk unter anderem im SchauMahl in Offenbach und bei Alfred Friedrich (Zur Golden Kron) erlernt.

Eigentlich, so Felden und Postel, bleibe vom alten Trares nur der Name, der im Übrigen auf die über neunzigjährige Hauseigentümerin zurückgeht. Vom Küchenstil bis zum Gastraum, vom Service bis in den Weinkeller sei alles neu und anders. Abgesehen vom ebenfalls unverändert Grundriss des Restaurants haben Felden und sein Team dem Trares mit neuen Holzelementen im Außenbereich, aufgearbeitetem Mobiliar, neuem Licht-Design und vielen Details frisches Leben eingehaucht. Besonders freut sich Felden über den umgestalteten Innenhof, der über eine vollständig verschiebbare große Glasfront mit dem hinteren Teil des Gastraums verbunden ist: „Der Hinterhof ist in der Vergangenheit kaum genutzt worden. Dabei kann man hier wunderschön sitzen“, schwärmt Felden.




Nicht nur der Innenhof, auch die Terrasse zur Luisenstraße wurde umgestaltet. ©Redaktion


Klassisch Konkret


Und der Küchenstil? „Wir sind insgesamt ein gutes Stück klassischer als unsere Vorgänger“, so Felden. „Unser Küchenstil ist in erster Linie produktbetont,“ fügt Postel hinzu und erklärt: „Am Anfang steht immer das Produkt. Nach dem richten wir uns. Kommt beispielsweise ein säurebetonter Granny Smith rein, dann machen wir einen Fisch dazu. Kommt ein Boskop, der wie ein Apfel aus Omas Garten schmeckt, dann wird es eher eine Gänseleber. Am Ende schreibt das Produkt ein Stück weit die Karte mit.“ Dieser Küchenstil sei vor allem durch seine Zeit bei Alfred Friedrich geprägt. Von ihm habe er gelernt, „konkreter zu kochen. Im dem Sinne, dass nur wenige, dafür ausgewählte Produkte auf dem Teller kommen, aus denen man ohne große Entfremdung versucht, das Beste rauszuholen.“

Simplement bon - einfach gut, fasst Felden zusammen. Das sei das Motto im neuen Trares. Schließlich sei gerade das Einfache küchentechnisch gesehen die größte Herausforderung. Entsprechend konzentriert ist die Karte mit vier Vorspeisen, zwei Süppchen, fünf Hauptspeisen und zwei Desserts. Bestellt werden kann à la carte oder als Menü (3-5 Gänge, vegetarische Menüs 3-4 Gänge). Auf Allergien oder besondere Wünsche wie etwa ein veganes Menü gehen Postel und sein Küchenteam gerne nach Voranmeldung ein. Deutlich umfangreicher als die Speisekarte ist die Wein-, Schaumwein- und Champagnerkarte mit über siebzig Positionen und zehn offenen Weinen – allesamt aus Europa. „Natürlich gibt es auch aus Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland gute Weine. Bei meiner Auswahl für das Trares“, erklärt Felden, „bleibe ich jedoch in Europa.“

Man kennt sich


Noch sei alles etwas ungewohnt, so Felden: „Nach den vielen Monaten Stillstand müssen wir uns erst einmal wieder einarbeiten. Außerdem ist alles neu. Das Lokal ist neu. Die Wege sind neu. Die Abläufe zwischen Küche und Service, das muss alles noch koordiniert werden.“ Bei Null müssten sie jedoch nicht anfangen. „Wir haben schon alle miteinander gearbeitet.“ So kennen sich nicht nur Felden und Postel aus ihrer gemeinsamen Zeit in der Frankfurter Botschaft. Auch die beiden anderen Mitarbeiter:innen im Service gehörten schon einmal zum Feldens Service-Team. Einzig der neue Souschef, Max Torro, hat keine gastronomischen Wurzeln im Frankfurter Westhafen. Ihn kennt Felden aus seiner Zeit in Erno’s Bistro. Torro war damals noch Azubi.

Wer sich übrigens fragt, wer denn jetzt, wo Postel weg ist, in der Frankfurter Botschaft am Herd steht, kann beruhigt sein: Steve Jaskola, Crells ehemaliger Küchenchef im Trares, übernimmt im Westhafen das Ruder. Eine klassische Koch-Rochade.

Trares, Nordend, Luisenstraße 7, Tel. 069/94943878, Di-Sa 18-23 Uhr, So/Mo Ruhetage
 
6. Juli 2021, 13.23 Uhr
srs
 
 
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