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  Foto: Bidlabu
Frankfurt feine Küche, Dinner for two, Foodie-to-do-Liste
Bidlabu
Trotz der prominenten Lage ist Frankfurts vielleicht coolster Hinterhof noch reichlich unbekannt. Eingeklemmt zwischen den opulenten Prachtmeilen Goethestraße und Fressgass‘ (aka Große Bockenheimer Straße) wird dieses, für Autos nicht befahrbare, kleine Gässlein gerne mal übersehen. Dieses Schattendasein hat zu einem gewissen Vakuum geführt. Obwohl die Boulevards links und rechts stets voll mit Menschen sind, bleibt die Kleine Bockenheimer ruhig und entspannt. Diese Leere wiederum hat es dem Bidlabu, dem ewigen Geheimtipp unter Frankfurts Fine-Dining-Lokalen, ermöglicht, die halbe Gasse voll mit Tischen zu stellen. So können Gäste hier in wunderbar urban-romantischem Hinterhof-Ambiente dinieren. Es gibt in der Regel zwei Menüs, eines mit und eines ohne Fisch und Fleisch. Die Menüs sind nicht komplett unterschiedlich, da es auch im „normalen“ Menü reichlich Gänge ohne Tier gibt. Die vier bis sieben Gänge „mit“ kosten bei unserem Besuch 60 bis 90 Euro, Vegetarier bekommen vier bis sechs Gänge für 50 bis 70. Das ist nicht wenig Geld, man darf angesichts der gebotenen Kochkunst aber trotzdem von einem Schnäppchen sprechen. Das beginnt direkt beim Gruß aus der Küche, einem Pilzsalat mit Selleriecreme und Frankfurter Kräutern. Man hat ja so gewisse Vorstellungen, wie ein Pilzsalat, eine Sellerie oder die Kräuter der Grünen Soße schmecken. Vergessen Sie das schnell, denn dieser kleine Starter macht bereits klar: Chefkoch André Rickert spielt auf einem eigenen Level, bricht alle Erwartungen und doch denkt man sich beim ersten Bissen: „Ach ja, stimmt, ich lag völlig falsch, SO muss Pilzsalat eigentlich schmecken.“ Bestellen Sie die Gelbflossenmakrele als Starter mit Gurke, Sesam und Avocado. Der rohe Fisch ist in einem scharfen Dressing mit Zwiebelwürfelchen nach Art einer Ceviche angemacht, dazu Kleckse Avocado-Creme und reichlich Blütendeko. „Alles klar“, denkt der erfahrene Genießer, ein Gericht für Foodblogger und Instagramer, die auf Trends Wert legen – man kennt das ja. Von wegen! Spannende Details wie der klassisch gehobelte Gurkensalat als aromatisches Bett machen aus dem vermeintlichen Me-Too-Teller eine ungewöhnliche Kreation. Eine ähnliche Vinaigrette hilft auch dem vegetarischen Starter, einer knackigen Scheibe Romana-Salat, auf die Sprünge. Optisch wie kulinarisch ein Hochgenuss ist auch die Gazpacho. Der Suppenteller wird zuerst trocken serviert, wir schauen auf einen wunderschönen Kreis Tomate, Melone, Feta. Erst am Tisch werden diese Einlagen mit der frisch-fruchtigen Suppe übergegossen. Da lacht zuerst das Auge, dann der Gaumen – und zwar bei jedem Löffel neu, so abwechslungsreich schmecken die Einlagen. In beiden Menüs folgen nun Pfifferlinge mit Bio-Eigelb, Nussbutter und Fenchel. Gemeinsam mit dem Gruß aus der Küche bilden die Pilze so einen handlichen Rahmen um die Vorspeisen. Die Hauptspeise im fleischfreien Menü besteht aus handgemachten Ravioli mit Aubergine, Ratatouille und Safran. Die Vegetarierin am Tisch ist begeistert, denn das ist ein würdiger Hauptdarsteller für ein großes Menü und definitiv kein Verlegenheits-Teller. Das andere Menü bietet stattdessen die klassische Folge aus Fisch und Fleisch. Zuerst kommt ein Rotbarsch: Das feste, leicht nussige Fleisch ist auf den Punkt gegart und wird gerahmt von sehr klein gewürfeltem Ratatouille, Safran und Fenchel. Die Hauptspeise für den Fleischesser ist Kalb, zwei kleine Stücke, einmal gebraten und einmal geschmort. Dazu klassisches Erbsenpüree, etwas Mangold, etwas Estragon, fertig. Dazu serviert Sommelier Dietmar Fritz Spätburgunder Windspiel von Tomislav Markovic mit einem Twist: Die kalte Trinktemperatur passt nicht nur zu den sommerlichen Temperaturen, sondern raubt dem Wein geschickt ein paar Tannine. Zum großen Finale gibt es schließlich zwei Optionen. Käse-Fans greifen zum Fourme d’Ambert, Edelschimmelkäse aus der Auvergne. Naschkatzen bekommen stattdessen frische Kirschen mit Milcheis, Schokolade und zwei crunchigen Buchweizenplatten. Die Zusammenstellung der Aromen erinnert an Backwaren aus Reformhäusern, nur einen ordentlichen Schlag raffinierter. Machen wir uns nichts vor, das Jahr 2020 ist ein Schicksalsjahr für die Gastronomie. Das Bidlabu zeigt mit perfektem Handwerk und ökonomisch klugen Entscheidungen (Pilze und Ratatouille hatten mehrere Auftritte zwischen beiden Menüs) sowohl einen würdevollen als auch ungemein sinnlichen Weg durch die Krise.
Jan Paul Stich
Kritik aus dem aktuellen FRANKFURT GEHT AUS! – Heft jetzt bestellen >>
Location Facts
Adresse: Kleine Bockenheimer Straße 14, 60313 Frankfurt am Main Frankfurt - Innenstadt
Telefon: 069/95648784
Kreditkarten: AE/DI/JCB/MC/VI/ec-cash
Mail: info@bidlabu.de
Home: www.bidlabu.de
Öffnungszeiten: Mo–Sa 18–22 Uhr, Fr/Sa 12–14.30 Uhr, So 17–22 Uhr
Parken:
RMV: Alte Oper
Küche: Frankfurt feine Küche,
Dinner for two,
Foodie-to-do-Liste
 
FRANKFURT GEHT AUS! 2021
Alles neu, alles anders, alles noch besser!
Stürmische Zeiten bringen Bewegung – auch bei Frankfurts beliebten Restaurant-Führer FRANKFURT GEHT AUS! . Unsere Redaktion hat die überraschende Corona-Zwangspause im Frühjahr zum Anlass genommen, ein neues, spannendes Konzept zu entwickeln und für Sie umzusetzen. Da während unserer üblichen Testphase alle Restaurants geschlossen hatten, haben wir alle Tests in FFM - und auch in Rhein-Main - in den Herbst verlegt und präsentieren erstmals beide Hefte in einer Ausgabe.

WAS IST NEU?

>> Noch mehr Restaurants: Statt der gewohnten 300 erwarten Sie in diesem Jahr 450, auf Topf und Teller geprüfte Restaurants aus Frankfurt UND zusätzlich aus Rhein-Main.

>> Noch dicker: Vorgestellt auf 270 Seiten, im komplett neuen Look und mit vielfältigen, spannenden und neuen Themenwelten, die unseren erfolgreichsten Titel noch besser machen.

>> Noch leserfreundlicher: Völlig neues Heftdesign mit 17 Genusswelten voller kulinarischer Überraschungen von Haute Cuisine über Raus ins Grüne bis Fast & – so sinnlich war der wichtigste Restaurantführer der Region noch nie!

REDAKTIONELLE HIGHLIGHTS

>> Hier essen die Chefs: Wie verraten Ihnen die persönlichen Restauranttipps der Spitzenköche, wenn’s mal wieder was Besonderes sein muss.

>> Foodporn 3.0: Wir zeigen Ihnen die schönsten Teller der Spitzenköche aus Frankfurt und Rhein-Main in einer tollen Fotostrecken à la Instagram.

Die Foodie-To-Do-Liste: Versammelt die wichtigsten Pflichtstationen für alle Genussfreunde im nächsten Jahr.

SIE HABEN DIE QUAL DER WAHL!
FRANKFURT GEHT AUS! können Sie in diesem Jahr auf 3 unterschiedlichen Wegen beziehen:

>> Als Printausgabe für nur 6,80 €

>> Als App für 6,99 € im App-Store oder bei Google Play

>> Als praktisches Abo für nur 6,80 € in diesem Jahr – und nur für kurze Zeit – mit kostenloser FRANKFURT GEHT AUS-App als Prämie