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Margarete Zülch von Café Wacker verstorben
 
Neues aus der Szene
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Der Abschied einer Grande Dame
Foto: Salome Roessler
Foto: Salome Roessler
Mit 18 Jahren stieg Margarete Zülch in das Kaffeegeschäft ein und hat die Kaffeerösterei Wacker durch die Jahre mit Herz und viel Wissen geführt. Am letzten Montag ist die Tochter von Geschäftsgründerin Luise Wacker verstorben. Ein großer Verlust für die Familie und das Traditionsgeschäft, das auch weiter in Familienhand bleibt.
Drei Jahre ist es her, da feierte die Kaffeerösterei Wacker 100-jähriges Jubiläum und Margarete Zülch war mit Leib und Seele dabei. Jetzt ist die Grande Dame im Alter von 95 Jahren verstorben. Bis zuletzt hatte sie ihren Kindern und Enkeln mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Mehr als ein Drittel ihres Lebens ist die Rösterei und ihre Familie ihr Lebensinhalt gewesen. Mit 18 Jahren, Anfang der Vierzigerjahre, stieg sie in das von ihrer Mutter gegründete Unternehmen ein. Die aus Biberach stammende Mutter, Luise Wacker, war Anfang des letzten Jahrhunderts für ihre Ausbildung zur Kauffrau nach Frankfurt gekommen und hatte eines Tages am Kornmarkt ein leeres Ladenlokal entdeckt. Kurzerhand richtete die junge Frau das Feinkost-Geschäft ein, stellte eine Röstmaschine ins Schaufenster und eröffnete ihren ersten Laden.

Seit damals ist das Café Wacker ein erfolgreiches Familienunternehmen. Durch harte Zeiten wie den ersten und zweiten Weltkrieg erschüttert und geprägt, ließen sich Luise Wacker aber auch Margarete Zülch nicht beirren und eröffneten nach der schweren Zerstörung den Laden am Kornmarkt 9 neu. Mitte der Siebzigerjahre übernahm Margarete Zülch zur Gänze das Geschäft und später stiegen dann auch ihre Tochter Angelika und der Sohn Hans mit ein.

Noch in hohem Alter, berichtet ihre Enkelin Nicole Busold, die zusammen mit ihrem Cousin Nikolas auch im Familienunternehmen arbeitet, mischte die Oma tatkräftig mit. Vom Wohnzimmer aus hielt die ältere Dame die Fäden in der Hand, kümmerte sich um die Buchhandlung und beriet bei jedem Problem. „Sie hat uns unglaublich viel beigebracht, sei es über Kaffee oder aber auch im Umgang mit Menschen!“ Margarete Zülch erzählte den Kindern und Enkeln von den Entbehrungen des Krieges und der Grausamkeit, warnte davor, dieselben Fehler noch einmal zu begehen, pochte auf das Miteinander der Menschen. Sie riet ihnen, auf Reisen zu gehen, alles zu lernen und in sich aufzusaugen. „Sie hat uns Wurzeln gegeben, aber gleichzeitig auch Flügel“, sagt die Enkelin, „sie hat uns schwimmen und kochen beigebracht, fuhr mit uns in den Urlaub und lehrte uns alles über Kaffee. Ohne sie würde ich und die ganze Familie nicht da stehen, wo wir heute sind, sei es mit dem Unternehmen oder auch privat.“ Margarete Zülch war eine tatkräftige, herzliche Frau, deren Credo sie wohl recht gut beschrieb: „Ärmel hochkrempeln und weitermachen.“ Bis zuletzt hatte die Kaffeerösterei, der Austausch mit Kunden und der Familie sie fit gehalten. „Für sie ist es eine Erlösung, für uns ein herber Verlust“, sagt Nicole Busold, die ihre Oma nie für das vergessen wird, was sie war: eine liebe Oma und eine taffe Geschäftsfrau.
13. März 2017
kat
 
 
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