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Freitagsküche

Ihren absoluten Tiefpunkt muss die Freitagsküche irgendwann um das Jahr 2008 und in Berlin erreicht haben: Das Essen kam per Lieferservice. Ein Pizzabäcker betrat die Dependance in der Hauptstadt und schaffte unzählige Kartons mit heißem Inhalt zu den Tischen. Vielleicht wurden die Pizzen auch auf Tellern umgeschichtet, so genau weiß man das heute nicht mehr. Unglaublich klingen solche Geschichten, weil doch die Freitagsküche alles selbst erkocht und aus Produkten herstellt, die, nun ja, eine gewisse ökologische Verantwortung vertreten. Man muss ein bisschen nachbohren, bis Michael Riedel, Künstler und Mitbegründer der Frankfurter Freitagsküche, mit der Pizza-Story herausrückt. Selbst Thomas Friemel, Theatermann und darüber hinaus der kontinuierlichste Freitagsküchenkoch, guckt ungläubig.

Denn zehn Jahre sind eine lange Zeit. Wer da schon alles mitgegründet, mitorganisiert und mitgekocht hat in dieser Freitagsküche! Im Jahr 2004 in der Oskar-von-Miller-Straße als ein informelles Ding gegründet, einfach weil die Freunde nach diversen Kunstausstellungen noch beieinandersitzen und was essen wollten – so Gregor Maria Schubert, Virginie Dorso, Dennis Lösch, Achim Lengerer, Denise Mawila, Sebastian Klöckner und die oben genannten Michael Riedel und Thomas Friemel.

Rau und ziemlich provisorisch waren die ersten Freitagsküchen-Freitage. Aber es gibt Dinge, die ziehen sich wie Insignien der Beständigkeit, wie eine sinngebende Wiedererkennungsmelodie durch all die Zeit: weiße Tischdecken, Blütenschmuck sowie Brot, Butter und Salz als Grundausstattung stehen bis heute auf den Tischen. Eine weitere unverrückbare Größe dieser Abende ist nicht nur, dass das Essen meistens später als geplant fertig ist, sondern auch das Programm aus Live-Musik, DJ oder Lesung, aber vor allem auch die wechselnden Gastköche. Auch die Autorin hat schon in Töpfen gerührt, des weiteren Künstler, Musiker und Theaterleute. Einer der prominentesten Gastköche war kürzlich der Maler Daniel Richter. Nach Standorten in der Hohenstaufenstraße im alten atelierfrankfurt sitzt die Freitagsküche jetzt in der Mainzer Landstraße 105. Und mit jedem Umzug zog das Publikum mit, erfuhr und belebt auf diese Weise die ungeglätteten Ecken dieser Stadt, für die ja bekanntermaßen die Kunstszene eine besonders feine Nase hat. Die Freitagsküche macht Quartierentwicklung, so kann man das auch sehen.

Denn wer sich mit der Freitagsküche beschäftigt, kann das ganz leicht als Schlemmer- und Partytyp machen, aber auch ein wenig Sozial- und Kunststudium betreiben: So hat schon Gordon Matta-Clark im New York der 1970er das Restaurant „Food“ geführt, um den unsicheren Stand freier Künstler wenigstens zeitweise abzusichern; das große und durchlässige Netz aus Künstlerfreunden formulierte ja auch eine Art alternative Ökonomie. Die Freitagsküche hat das auch: Nicht Gewinn, sondern Erhalt des Projektes sind die Ziele und Etablierung einer anderen, aber sehr reizvollen Gastronomie. Mittlerweile gibt es zwei festangestellte und etwa fünf freie Mitarbeiter, die ihr Einkommen auf diese Weise beziehen.

Zum 21. März also gibt es ein Geburtstagsfest, „an dem wir uns alle selber feiern“, wie Riedel eher bescheiden äußert. Alte Freunde von damals, mittlerweile in Berlin oder sonstwo ansässig, kommen vorbei. Und Gregor Maria Schubert, in seiner eigentlichen Rolle Koordinator des Lichter Filmfestes, versorgt das Publikum mit Musik. Vom Teller.
Adresse: Mainzer Landstraße 105(Hinterhaus), 60329 Frankfurt am Main
Telefon / Vorverkauf: /
Mail: info@freitagskueche.de
Home: http://www.freitagskueche.de
Open: Mo–Do 11.30–15 Uhr, Fr 11.30–14 und 19–24 Uhr
RMV: Platz der Republik: Linie 11/16/21, Bus 32, Platz der Republik: Linie 11/16/21
Behindertengerecht: Nein
 

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