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Zeil Kitchen verzichtet auf tierische Produkte
 

Neues aus der Szene

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Nir Rosenfeld will Frankfurt vegan machen

Foto: Harald Schröder
Foto: Harald Schröder
Seit neun Jahren existiert das Zeil Kitchen. Ab sofort wird hier alles auf pflanzlicher Basis zubereitet. Mit selben Namen und überarbeiteter Speisekarte eröffnet es heute als erstes 100% veganes Restaurant mitten auf der Zeil.
Zwischen Peek & Cloppenburg und Karstadt betreibt Nir Rosenfeld seit 2010 das Zeil Kitchen. Wir treffen uns vor Ort. Ich trinke einen Cappuccino ohne Kuhmilch. Geschmacklich ist dieser kaum zu unterscheiden. Ich setze mich ihm gegenüber und sehe auf seinem rechten Unterarm einen großen, kursiven Schriftzug tätowiert: „Earthling“. Das bedeute so viel wie „Bewohner dieses Planeten“, sagt er. Diesen zu schützen, hat er sich zum Ziel gemacht. „Wir müssen unsere Lebens- und Ernährungsweise ändern, ansonsten droht uns in 10-20 Jahren eine humane Katastrophe“, sagt Nir. Deutschland gehört zu den größten Schweinefleischproduzenten weltweit und steht gleichzeitig an der oberen Spitze, wenn es um das Thema Umweltfragen geht. Ist das nicht paradox?

Nir Rosenfeld möchte das ändern. Sein Team besteht aus über 30 Mitarbeitern. Darunter kaum Veganer. Auch ohne tierische Produkte wollen sie gutes Essen anbieten. Dabei wird er von Alua Catering unterstützt. Ein junges Unternehmen, das sich auf vegane Küche spezialisiert hat. Schätzungsweise leben rund zwei Prozent der Frankfurter vegan. Vegane Essensmöglichkeiten gibt es hier aber kaum eine Handvoll. Nir möchte, dass Menschen keine Ausreden mehr haben, warum sie zur nahe gelegenen Würstchenbude ausweichen. Er ist bereit für Aufklärung und Überzeugungsarbeit. Im vergangenen Jahr habe er mit rund 500 Menschen gesprochen, sagt er. 20 davon lebten jetzt vegan. Für ihn eine tolle Bilanz.

Der Frankfurter Gastronom ernährt sich seit anderthalb Jahren vegan. Zuerst begann er sich vegetarisch, dann vegan zu ernähren. Grund dafür war ein 70-minütiges Youtube-Video von Gary Yourofsky, ein amerikanischer Tieraktivist. Für Nir, dem das Wohl der Umwelt und vor allem der Tiere immer wichtig war, stand sofort fest, dass er fortan kein Geld mehr mit Tieren verdienen möchte. Ganz im Sinne des Veganismus, besuchen er und seine Familie auch keine Bauernhöfe oder Zoos und tragen keine tierischen Kleidungsstücke. „Nur die vegane Ernährung reicht eben nicht aus, um den Tieren zu helfen“, moniert er.

Die neue Speisekarte im Zeil Kitchen bietet eine große Auswahl an internationaler Küche. Ein Großteil der Karte bleibt wie zuvor. Neben Spaghetti, Wok Gemüse und Ofenkartoffel darf der Beyond Burger mit Pommes und Krautsalat für 10,40€ nicht fehlen. „Beyond Meat“ ist ein kalifornischer Hersteller pflanzlicher Fleischersatzprodukte. „Durch die Umstellung von tierischem auf pflanzliches Fleisch können wir wachsende Probleme im Zusammenhang mit der Viehproduktion und -konsum positiv und signifikant beeinflussen“, sagt der Hersteller.

Seit Monaten ist es Nir Rosenfelds Anliegen, seine Erfahrung mit pflanzlicher Kost weiterzugeben. Große Unterstützung erhält der 48-Jährige von der veganen Community in und um Frankfurt. Er plädiert für mehr vegane Gastronomie. „Ich habe keine Angst vor Konkurrenz. Ich will den Tieren helfen. Ich will Nachahmung.“ 2019 plant er, noch zwei weitere vegane Restaurants zu eröffnen. Er möchte jede Möglichkeit nutzen, den Tieren zu helfen und darüber hinaus in Politik, Pharma- und Nahrungsmittelindustrie Anstöße zur Veränderung geben. Er gibt zu: „Ein nicht-Veganer kann so viel Engagement vielleicht nicht vollkommen verstehen.“

Zeil Kitchen, City, Zeil 92, Mo-Sa: 9-23, So: 12-22 Uhr, www.zeil-kitchen.de, Tel.: 21655665
24. Januar 2019
Sheera Plawner
 
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