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Deutsches Museum für Kochkunst und Tafelkultur
 

Auf und Zu

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„Zwischen Heimatmuseum und MAK“

Foto: vak
Foto: vak
Das ehemalige Kochkunstmuseum machte Frankfurt zum „Mekka für Feinschmecker“. Daran will der Verein für „Deutsche Tafelkultur“ mit seinem neuen Museum in der Innenstadt erinnern. Die erste Ausstellung steht unter dem Motto "Es ist angerichtet".
"Wahrscheinlich hatte er kein Model zur Hand oder einfach keine Zeit“, sagt Mikael Horstmann über den Pariser Konditor Jean Jacques Gautenier, der die Bethmännchen erfunden haben soll. Den Marzipanteig einfach als kleine Kugel zu formen sei weitaus weniger zeitaufwendig als den Teig in die typische Brentenform zu drücken. Der Kurator der Ausstellung zweifelt auch daran, dass Gautenier mit den drei Mandeln an die drei noch lebenden Söhne der Bethmanns erinnern wollte: „Beim Backen geht es auch um Symmetrie und drei Mandelhälften sind nun mal symmetrischer als vier.“
In drei Vitrinen liegen Ausstellungsstücke zur Geschichte des Frankfurter Marzipans. Darunter eines der ersten Kochbücher, das je in Frankfurt gedruckt wurde sowie diverse Model, mit denen Brenten ihre typische Form erhalten. Diese hat Catherine Jamin von der Konditorei und Confiserie Georg Jamin in Sachsenhausen dem Deutschen Museum für Kochkunst und Tafelkultur zur Verfügung gestellt.

Insgesamt widmen sich in den neu eröffneten Räumen im Holzgraben 4 fünf Stationen dem Thema „Es ist angerichtet“: die Geschichte des Frankfurter Marzipans, die Kunst des Weinservierens, Menükarten aus der Sammlung von Wolfgang Gros, sparsam kochen und der gedeckte Tisch.
Seit rund 30 Jahren setzt sich der Verein „Deutsche Tafelkultur“ dafür ein, das ehemalige Kochkunstmuseum als Deutsches Museum für Kochkunst und Tafelwesen wieder einzurichten. Das Museum wurde am 19. Januar 1909 am Mainufer eröffnet. Der Kaufmann und Gründer des Museums Matthäus Carl Banzer (1867-1945) bescherte Frankfurt damit nicht nur irgendein Museum: Der Bestand wurde mit dem in Paris verglichen und die Stadt wurde lange Zeit als „Mekka für Feinschmecker“ gehandelt. Im Zweiten Weltkrieg gingen die große Sammlung an Menü- und Speisekarten, die Bibliothek sowie alle weiteren Ausstellungsstücke jedoch verloren und das Gebäude in der Windmühlstraße 1 wurde zerstört.

Einer der Gründungsmitglieder des Vereins, Knut Günther, hatte schon vor Jahren angekündigt, dass der „Deutsche Tafelkultur e.V.“ und die Tafelkulturstiftung planen, den wieder errichten neobarocken Bau am Mainufer zu beziehen. Das Museum im Holzgraben sei daher nur eine Zwischenlösung. Bis zum Umzug ans Mainufer werde es aber noch lange dauern sagt Horstmann: „Es ist ein kleines Museum und wir werden eine ganze Weile klein bleiben.“

Aufgrund der Größe zeige das Museum auch nur einen geringen Prozentsatz der kompletten Sammlung, sagt Stiftungsvorstand Peter Julius. Ein Großteil des Bestandes der Tafelkulturstiftung wurde 2008 in die Obhut der Johann Christian Senckenberg Bibliothek der Goethe-Universität übergeben. Darunter 12000 Bände über das Thema Tafelkultur, rund 20000 Archivalien und rund 16000 Menükarten. Horstmann, der seit vier Jahren ehrenamtlich für den Verein tätig ist, sagt, dass die Sammlung dort auch besser aufgehoben sei: „Immerhin ist sie in der Bibliothek jedem zugänglich.“
Das Wissen über Tafelkultur vielen Menschen bereit zu stellen, ist dem Verein seit jeher ein besonders Anliegen. Aus diesem Grund setzt er sich seit Jahren für eine Professur für „Tafelkultur und Gastronomie in den Europäischen Landschaften“ an der Goethe-Uni ein.

Vorträge sollen auch in dem Museum realisiert werden. „Tafelkultur muss man erleben“, sagt Vize-Präsident Eric Beuerle de Castro. Aus diesem Grund seien auch Weinproben oder Abende mit Sterneköchen geplant. Noch bis Frühjahr werde die Ausstellung „Es ist angerichtet“ zu sehen sein. Ab dann werde der Fokus auf dem Thema „Kräutern“ liegen, außerdem soll die Geschichte des Kochkunstmuseums dauerhaft eingerichtet werden. Auch die Idee Gastausstellungen zu zeigen, können sich die Initiatoren vorstellen. „Wir werden den Bezug zu Frankfurt immer wieder aufgreifen“, sagt Horstmann. „Gerade beim Thema Kräutern bietet sich das ja an.“ Dennoch werde die Region nicht im Vordergrund stehen. „Wir positionieren uns zwischen Heimatmuseum und MAK“, sagt der Kurator.

Zur Eröffnung am Mittwoch, den 25. November, sowie am Eröffnungswochenende ist der Eintritt frei. Was es danach kosten werde, darüber sei sich der Verein noch nicht einig, sagt Horstmann, die Kosten würden fünf Euro aber nicht übersteigen.

(Foto v.l.n.r.: Mikael Horstmann (Kurator), Peter Julius (Vorstand der Tafelkulturstiftung), Eric Beuerle de Castro (stellvertretender Vorsitzender))

Deutsches Museum für Kochkunst und Tafelkultur, City, Zeil 83/Holzgraben 4, Sa 13–17 und So 11–17 Uhr
24. November 2015
vak
 
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