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Döner für alle

Eine Liebeserklärung

Von einigen als ungesundes Fast Food verschmäht, von einer elitär denkenden Minderheit als Unterschichtsessen abgetan, aber von Millionen geliebt – der Döner Kebab ist mehr als einfach nur eine gefüllte Brottasche.
Nicht jeden Tag, auch nicht unbedingt jede Woche, aber ab und zu muss er sein – der Biss in den Döner. Frische Tomaten, knackiger Salat, Kraut und knuspriges, frisch vom Spieß abgeschnittenes Fleisch in einer warmen gerösteten Brottasche, gekrönt durch würzige Knoblauchsauce und scharfes Chili-Gewürz. Seelentröster nach verpatzten Klausuren, Liebling der Mittagspause und die Rettung nach einer durchzechten Nacht.
Kaum zu glauben, dass es Menschen gibt, die den Döner schlecht machen wollen, indem sie ihn dem bösen Fast Food zurechnen, das nur dick macht, aber sonst nichts kann. Zugegeben, der Döner ist nicht gerade das, was man sich unter Trennkost vorstellt. Allerdings hat er deutlich weniger Kalorien als Burger oder Currywurst mit Pommes oder Pizza und zählt damit zu den kalorienärmeren Fast Food-Gerichten. Außerdem ist die gut gefüllte Brottasche so sättigend, dass danach erst mal garantiert nichts mehr reinpasst und die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering ist, dass man gleich die nächste Runde ordert.
Das allein reicht aber nicht, um die andere Gruppe der Döner-Kritiker verstummen zu lassen. Wirklich seltsam muten die Ansichten elitärer "Besseresser" an, die auch in Sachen Essen ausschließlich in Schichten und Schubladen denken und den Döner Kebab herablassend mit Arbeitern, „Assis“ und denen verbinden, die sich in ihren Augen nie in den „wahren“ Gastro-Olymp der Haute Cuisine hochschlemmen und es keinesfalls aus den Tiefen der Fast-Food-Sümpfe schaffen werden. Dabei ist auch der Döner Kebab ein zwar einfaches, aber durchaus raffiniertes Gericht mit langer Tradition.
Ursprungsland des Döner ist die heutige Türkei – wer ihn erfunden hat und wann das genau war, ist allerdings umstritten. Fest steht, dass im 19. Jahrhundert die Köche Hamdi aus Kastamonu und Iskender aus Bursa unabhängig voneinander auf die Idee kamen, geschichtetes Fleisch an einem senkrecht stehenden Spieß zu braten. Der nach dem Koch aus Bursa benannte Iskender Kebab – auf kleingeschnittenem Fladenbrot drapiertes knuspriges Fleisch, das mit Joghurt, gegrillten Tomaten und scharfen grünen Peperoni serviert und mit zerlassener Butter übergossen wird – ist nur eine der vielen Kebab-Variationen, die den Facettenreichtum des beliebten Gerichts unter Beweis stellen.
Der in unseren Augen klassische Döner mit Salat, Tomaten, Gurken, Kraut und Knoblauchsauce ist dagegen bekanntermaßen eine Berliner Erfindung und hat sich von dort aus zu einem der beliebtesten Fast-Food-Gerichte der Deutschen gemausert. Kein Wunder, gibt es den Döner doch wahlweise mit Lamm-, Kalb- oder Putenfleisch oder als vegetarische Variante mit Schafskäse, entweder mit Joghurt- oder Knoblauchsauce, mit oder ohne "scharf". Kritiker stehen ziemlich allein da – Schüler, Banker und Handwerker, Jung und Alt stehen sich gemeinsam vor den Döner-Imbissen die Füße in den Bauch. Ein Leben ohne den Döner Kebab – nicht auszudenken!
 
1. August 2011, 12.00 Uhr
Anke Uhl
 
 
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