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Diese Milch machts viel zu lang

Neues aus dem Supermarktregal

Sie erinnern sich an die Debatte um länger haltbare Milch? Vor etwa einem Jahr ging das Thema durch die Medien, Verbraucher vermissten "ihre" Frischmilch. Heute ist diese noch schwerer zu finden.
Dienstag Nachmittag in einem großen Rewe-Markt. Hier hält man auf Regionalität und brüstet sich gern mit einem breiteren Angebot an Bio-Produkten als üblich, doch am Milchregal zeigt sich, wie es um die Einkaufspolitik in der Praxis bestellt ist. Frischmilch gibt es ausschließlich in der Biovariante, doch die ist schon längst ausverkauft. Proppenvoll sind hingegen die angrenzenden Flächen, wo ausschließlich Produkte mit dem unterdessen oft verschämt klein geschriebenen Aufdruck "länger haltbar" auf Käufer warten.

Das Regal ist noch gut besetzt, doch schon wird nachgefüllt, viele unterschiedliche Erzeuger liefern teilweise von weit her und selbst Milch vom politischen Rechtsaußen Weihenstephan ist zu haben. Aber nicht mal die als Frischmilch. Das Biomilchregal bleibt unterdessen leer, wie an vielen weiteren Nachmittagen auch. Da muss man schon sehr früh kommen, um jene "normale" Milch zu bekommen, die vor kurzem noch alltäglich war. Oder man kauft einfach 50 Meter weiter bei der Bio-Konkurrenz ein, denn hier gibt es zum gleichen Preis gute Vollmilch in "kürzer haltbar".

Immerhin gibt es bei Rewe für eine gewisse Zeit echte Frischmilch – die meisten Supermärkte und Discounter haben diese hingegen generell abgeschafft oder arbeiten mit demselben Trick: Zu kleine Menge einkaufen, Gewissen reinwaschen und dann die Großkontingente an länger haltbarer Ware abverkaufen, denn der Kunde geht eh nicht mit leeren Händen nach Hause.

Der einzige Weg, diesen Zustand zu ändern, führt über die Theke: konsequenter Boykott ist das einzige, was Großanbieter verstehen und oft liegt das Gute ganz nah, vielleicht in Form eines Biosupermarktes, der reichlich frische Ware feilbietet. Oder reden Sie doch mal mit Ihrem Marktleiter, denn der macht schließlich die Bestellung. Bleiben Sie in jedem Falle wählerisch und lassen Sie minderwertige Ware liegen – gerade bei Milch lohnt es sich!
 
20. Juni 2011, 06.17 Uhr
Bastian Fiebig
 
 
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