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Foto: © Dirk Ostermeier
Foto: © Dirk Ostermeier

Der Restauranttest der Woche

bellasLOKAL

Unkompliziert und präzise. In ihrem ersten eigenen Restaurant in einer rund 200 Jahre alten Gaststätte in Bad Soden Altenhain serviert Isabelle Pering produktorientierte moderne deutsche Küche auf Spitzenniveau.
Mutig! Das ist das Erste, was einem zur Wahl des Standortes von Bellas Lokal einfällt. Nicht gerade klein und dennoch leicht zu übersehen, hat Isabelle Pering im März und ohne viel Aufhebens bellasLOKAL in den ehemaligen Räumlichkeiten des Gasthaus Zur Krone in Altenhain, einem kleinen Stadtteil von Bad Soden, eröffnet. Anstelle von gutbürgerlicher Küche mit Haxe, Kraut und Püree in der rustikalen Traditionsgaststätte servieren Pering und ihr kleines Team im nun modern-schlicht eingerichteten Restaurant mit offenem Fachwerk, weißen Wänden und skandinavischem Flair produktorientierte, originell-ambitionierte Küche mit kleiner Karte und einer pointierten Auswahl naturnah produzierter Weine. Nun ist Mut nicht mit Leichtsinn zu verwechseln. Auch wenn ihr Küchenstil – und die Portionsgrößen – nicht zwingend den Geschmack der ehemaligen Stammkundschaft des über vier Generationen geführten Gasthaus Zur Krone entsprechen mögen, trifft Pering, die zuvor unter anderem im Opus V in Mannheim, dem The Table in Hamburg und im Frankfurter Gustav in der Küche stand, gekonnt den aktuellen Foodie-Nerv. Bereits die auf die Angabe der Primärzutaten reduzierte Speisekarte spiegelt die Konzentration der Küche auf die Eigenschaften der hervorragenden, größtenteils regional und vornehmlich in Bio-Qualität bezogenen Produkte wider. So verbirgt sich etwa hinter der Vorspeise „Stör – Spinat – Pastinake“ ein ausgewogenes Spiel von Aromen und Konsistenzen, bei dem zart gegarter, nur dezent gesalzener Stör, knusprig ausgebackene, süß-salzige Pastinaken-Chips und ein unverschämt cremiges, kräftig abgeschmecktes Spinatpüree aufeinandertreffen. Das ist stimmig und von genialer Einfachheit geprägt, die von Kreativität, Produktkenntnis und handwerklicher Präzision zeugt. Dass Pering ihr Handwerk versteht, stellen auch die Hauptspeisen wie etwa die vergleichsweise klassischen „Ravioli – Karotte – Nussbutter“ makellos unter Beweis: Die hausgemachten Ravioli mit rustikaler Spinat-Ricotta-Füllung, angerichtet auf süßlich-zart gegarten Karottenhobeln und serviert mit karamellig-nussiger Beurre blanc, haben genau den richtigen Biss, während Karottensprossen und etwas -grün für Farbtupfer und würzige Frische sorgen. Krönender Abschluss für einen Abend mit einem herzlich-zugewandten Service und hervorragender Küche, die stilsicher zwischen Innovation und Bodenständigkeit oszilliert, sind die Desserts. Bestes Beispiel ist zum einen Perings Version eines Käse-Dessertgangs in Gestalt einer Stulle hausgebackenen Sauerteigbrotes mit krosser Kruste und angenehm dichter, saftiger Krume, garniert mit selbstgemachtem Frischkäse, kernigem Rapsöl und diversen Kräutern, Blüten und Kresse. Zum anderen sind da Perings wechselnde Macarons mit gekonnt kontrastreichen Toppings wie der spannenden Kombination von süßer Vanille-Creme mit salzig-sauer gepickeltem Rhabarber. Beides wunderschön anzusehen, kraftvoll im Geschmack und auch ein bisschen mutig. Aber so viel Mut muss sein.

bellasLOKAL, Bad Soden, Langstraße 15, Tel. 06174/9529141, Do-Mo ab 18 Uhr, Di/Mi Ruhetage
 
30. Mai 2022, 00.06 Uhr
Jakob Knulp
 
 
Fotogalerie:
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