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Foto: © Dirk Ostermeier
Foto: © Dirk Ostermeier

Der Restauranttest der Woche

L’Arôme

In seinem neuen Restaurant am Schauspiel serviert Hai Hoang Minh asiatisch-französische Fusionküche, die den Namen verdient.
Es ist immer so eine Sache mit der Erwartungshaltung. Schon beim Namen eines Restaurants läuft im Kopf ein kleiner Film ab. Was sehen sie, wenn Sie L’Arôme hören? Silberne Cloches, unter denen klassische französische Haute Cuisine auf sie wartet? Nicht hier. Ist auch eher unwahrscheinlich, wenn der Inhaber und Küchenchef Hai Hoang Minh heißt. Zuletzt kochte er in der Frankfurter Botschaft. Seine Lehrjahre verbrachte Hoang im Sternetempel Lafleur, wo er unter Alfred Friedrich die Kunst klassisch-französischer Haute Cuisine erlernte. Diese Kunst verbindet er gekonnt mit Aromen und Produkten aus seiner südostasiatischen Heimat zu einer spannenden Fusion Cuisine, die aber eindeutig asiatisch und höchstens französisch inspiriert ist. Die Namensgebung wird diesem kulinarischen Konzept nicht wirklich gerecht. Fine Dining ist der Anspruch – und der Küchenchef löst ihn ein mit einem vegetarischen (ab 86€) und einem nicht-vegetarischen (ab 99€) Vier-Gänge-Menü. Auf diesem Niveau darf man sorgsam arrangierte Teller erwarten. Was man hier bekommt, geht teilweise darüber hinaus. Besonders das Dessert, eine wahrhaft internationale Komposition aus Gewürzmango, japanischem Cheesecake, Basilikumsorbet und Salzkaramell ist Instagram-taugliches Food-Ikebana mit einem großartigen Aromenspiel. Die vegetarische Variante kann nicht immer mithalten: Wenn bei der Samtsuppe aus geröstetem Reis mit gebeizten Eigelb die Boudin Noir als Einlage zu Gunsten von geräuchertem Tofu rausfliegt, dann ist das im Sinne der Gesamtkomposition kein adäquater Ersatz. Das Saiblingfilet mit einer Auflage aus geräuchertem japanischem Aal ist hingegen kreative, mutige Fusion at its best, und mit der geflämmten Holzkohle-Makrele ein Umami-Gaumenkitzel, der zeigt, wie spannend es sein kann, verschiedene Küchenstile zusammenzubringen. Neu und gut ist auch das Angebot an alle Weinfreunde, die noch Pullen im Keller haben, die sie nicht zu Selbstgekochtem genießen wollen. Die erfahrene Restaurantleiterin fordert sie auf, die eigenen Flaschen ins Restaurant mitzubringen und wird dann nach kurzer Verkostung ein wohlwollendes Korkgeld festlegen. Eine herrliche Idee. Wir freuen uns, dass auch in diesen Tagen der Mut und die Innovationskraft der Gastronomen ungebrochen ist und auch auf Top-Niveau neue Angebote entstehen. Gerade Gäste, die schon überall waren, werden an Hoangs Kreationen große Freude haben.

L‘Arôme, asiatisch-europäisch, Innenstadt, Neue Mainzer Straße 20, Tel. 069/30079501, Di–Sa 18–22 Uhr, Mo/ So Ruhetage
 
31. Oktober 2022, 12.46 Uhr
Peter Eckard
 
 
Fotogalerie:
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