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Foto: © Sebastian Schellhaas
Foto: © Sebastian Schellhaas

Der Restauranttest der Woche

Flowdeli

Hungrig im Museum? Das gastronomische Angebot in Museen ist oft teuer und nur selten von kulinarischem Wert. Mit milch-koscherer, international inspirierter Küche aus regionalen Zutaten zeigt Flowdeli im neuen Lichtbau des Jüdischen Museums, dass es auch anders geht.
Das Flowdeli ist das erste milch-koschere Restaurant in einem Jüdischen Museum in Deutschland. Was genau milch-koscher heißt, erklären Schaubilder auf den Selbstbedienungstabletts. Demzufolge sind alle Gerichte und Getränke auf der Karte fleischfrei, aber nicht unbedingt vegan, sondern können Ei, Fisch oder Milchprodukte beinhalten. Im Detail sind die Regeln koscherer Küche natürlich komplexer. Davon bekommt man als Gast im während der Öffnungszeiten des Museums eintrittsfrei zugänglichen Flowdeli wenig mit. Ruhig geht es zu in dem hellen, holzgetäfelten Gastraum, obwohl die große Terrasse hinter der Glasfront zur Mittagszeit bereits voll besetzt ist. Das Deli-Konzept spielt hierfür eine entscheidende Rolle, denn alle Speisen sind abgepackt und müssen von den zwei Servicekräften nur noch kalt oder aufgewärmt samt Besteck und formschöner Teller auf die Selbstbedienungstabletts gestellt werden. Getränke einschenken. Abrechnen. Fertig. Klingt nach Kantine? Ja und nein. Systematisch und unkompliziert, ja. Aber da hören die Parallelen auch schon auf. Vor allem was die Qualität anbelangt. Alles wird täglich frisch aus regionalen Zutaten zubereitet und anschließend in Einweggläser oder recyclebares Papier verpackt. Kulinarisch orientiert sich die Küche an jüdischen Traditionen aus Osteuropa, Israel, Nordafrika und den USA. Dabei reicht das Angebot von belegten Bagels, Salaten, kleineren Gerichten wie „Gefilte Fisch“, Borschtsch und Pasta mit Pilzpastrami bis hin zu Kuchen und himmlisch cremigen Desserts auf Halva-Basis. Alles ist gefällig portioniert und abgeschmeckt: Das Shakshuka ist fruchtig, das briocheartige Chala (Shabbat-Brot) kross geröstet und die vorpochierten Eier fast noch wachsig. Eine runde, aber auch glatte Sache, die andernorts vielleicht mit pikanten Noten und einen beherzteren Einsatz von Kreuzkümmel und Co mehr Profil und Charakter hätte – was gewiss nicht allen gleichermaßen taugt. Ähnliches gilt für den Süßkartoffelsalat mit angebratener Zucchini, Lauchzwiebeln, Walnüssen und aufgeschlagenem Fetakäse. Das funktioniert einwandfrei auch ohne Aha-Effekt. Ebenso der absolut passable LOX Bagel mit pochiertem Lachs, Kresse, Labaneh und einem für unseren Geschmack zu schwachem Hauch von „orientalischen Käutern“, die an die sonst würzige Tiefe von Zatar erinnern lassen – was streng genommen auch nicht jedermanns Geschmack trifft. In der Summe hat das Team von Flowdeli den schwierigen Spagat gemeistert, individuelle und vielfältige Küche in solider Qualität aromatisch so abzustimmen, dass geschmacklich am Ende jede und jeder gleichermaßen abgeholt wird. Kulinarisch ist das vielleicht kein großer Wurf, aber definitiv ein Vorbild dafür, was Museumgastronomie sein kann.

Flowdeli, im Jüdischen Museum, Innenstadt, Bertha-Pappenheim-Platz 1, Tel. 069/27220660, Di-So 10-18 Uhr, Mo Ruhetag
 
12. Juli 2021, 09.22 Uhr
Sebastian Schellhaas
 
 
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