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Foto: Guide Michelin
Foto: Guide Michelin

Von hellen und dunklen Sternen

Der Guide Michelin 2018 ist da

Diesmal hielten alle dicht: Erst ab 16 Uhr sickerten am 14. November die ersten neuen Sterne des Guide Michelin durch. Das Rhein-Main-Gebiet schnitt dabei eher schlecht ab. Mit einer erstaunlichen Ausnahme.
Zunächst freuen wir uns mit all jenen, die hoch dekoriert aus der diesjährigen Runde des Gudie Michelin hervorgegangen sind. Da wäre zum Beispiel Nils Henkel zu nennen, der zwar von den meisten als Dreisterner gesehen wurde, aber immerhin derer zwei bekam. der Guide hält ja gern mal den ein- oder anderen an der langen Hand, während man andernorts sehr großzügig für fröhliche Überraschung sorgt. Etwa, indem man Keilings Restaurant in Bad Bentheim ebenfalls zwei Sterne verleiht. Schön für die zwei Protagonisten in der Bad Bentheimer Küche, aber schwer mit dem auf eine Linie zu bringen, was Henkel in Burg Schwarzenstein täglich auf die Teller bringt. Egal: Schön für alle Beteiligten!

Der Tigerpalast hat nun gar keinen Stern mehr. Schlechte Küche? Mitnichten, der Redaktion des Guide waren 12 Tage einfach zu wenig Zeit, um das Restaurant in Ruhe zu testen und da muss man im Tigerpalast halt für ein Jahr auf Dekor verzichten. Am Bewusstsein für die ökonomischen Auswirkungen solcher Bequemlichkeit scheint es im Hause Michelin ein wenig zu mangeln, aber auch das gehört seit Jahren zum Konzept. Das Weinsinn verlor seinen Stern, weil der Umzug ins Bahnhofsviertel ins Haus steht, daran ist nichts zu bemängeln. Bei Juan Amador war seinerzeit der Umzug von Langen nach Mannheim allerdings kein Grund, ihm die Sterne abzuerkennen. Zweierlei Maß? Vielleicht braucht es drei Sterne, um hier Gehör zu finden. Helbig's Gasthaus in der Auberge du Temple ist wohl das offene Konzept mit der Gleichzeitigkeit von Bistro- und Fine Dining-Karte zum Verhängnis geworden. Da haben die Tester vielleicht nicht ganz aufgepasst?

Richtig lustig wird es in Sachen Atelier Wilma, denn hier hat ja ebenfalls der Küchenchef gewechselt. Allerdings so kurzfristig, dass es den Testern des Guide nicht mehr möglich war, den Stern zu entziehen, den sie Michael Riemenschneider und niemandem sonst erneut verliehen haben. Ob sein Nachfolger wohl an die "großartigen Leistungen" des Vorgängers anknüpfen kann? Vermutlich ist der Stern nächstes Jahr weg, denn dann fehlt der Anlass: Ein einmal vergebener Stern wird bei Michelin grundsätzlich nicht sofort wieder entzogen, das wäre ja eine Art Schuldeingeständnis – es sei denn, der Küchenchef wechselt. So kann die Redaktion nächstes Jahr theoretisch endlich das tun, was dieses Jahr erste Sternepflicht gewesen wäre. Der Nachfolger von Riemenschneider kann einem jetzt schon leid tun.

Logisch: Die Villa Rothschild hat nun keinen Stern mehr der Lammershof ebenfalls. traurig: Patrik Bittner und Michael Kammermeier werden wohl oder übel das Restaurant wechseln müssen, um die längst verdiente Anerkennung für ihre Leistungen zu bekommen. Lobenswert: Der Stern leuchtet weiter über dem Seven Swans, was insofern bedeutsam ist, als das es in Deutschland sehr, sehr wenige rein vegetarisch ausgerichtete Restaurants mit dieser Auszeichnung gibt. Was die nun noch Wert ist, müssen allerdings die Gäste entscheiden. Ich für meinen Teil würde sagen: Der Guide ist Geschichte, denn mit der Entscheidung, dem Atelier Wilma den Stern zu lassen, betritt man vielleicht kein Neuland, vielmehr menschelt es nun allzu sehr im zuvor unantastbaren und gnadenlos objektiven Team des Guide Michelin. Schade eigentlich.
 
14. November 2017, 22.25 Uhr
Bastian Fiebig
 
 
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