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Winzerportrait
 
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Die Wiederauferstehung
Foto: Consorzio Tutela Vini Soave
Foto: Consorzio Tutela Vini Soave
Mit einer beispiellosen Qualitätsoffensive erobert sich einer der ehemals bekanntesten Weißweine Italiens die Pole Position zurück: Der Soave ist wieder da!

Es gab Zeiten, in denen „der“ Soave Inbegriff für italienischen Weißwein war. Doch ähnlich wie bei eigentlich ausgezeichneten Weinen wie Lambrusco, Barbera oder Chianti ließen sich auch die Winzer in der kleinen Stadt östlich von Verona schnell verführen, auf Masse anstelle von Klasse zu setzen und so endete eine erfolgreiche Weinstory bald in Zwei-Liter-Flaschen und dem Ausschank billiger Pizzerien. Die umtriebige Konkurrenz südlich des Gardasees schob sich anschließend nach vorn – heute ist Lugana Inbegriff eines Weintyps, für den eigentlich der Soave stehen könnte. Und bald wieder stehen wird, denn die Winzer des mit hochwertigen DOC und DOCG-Bezeichnungen gesegneten Weinbaugebietes haben unter Führung des Consorzio Tutela Vini Soave die Zeichen der Zeit erkannt, den Ertrag ihrer Rebflächen radikal gesenkt, die Kellereitechnik auf den neusten Stand gebracht und sich gleichzeitig wieder auf traditionelle Tugenden besonnen, um dem Namen Soave wieder den verdienten Glanz zu verleihen. Doch wie soll man sich eigentlich einen typischen Soave vorstellen, der auf eine lange und ruhmreiche Geschichte zurückblicken kann?



 



Der sanfte Riese



 



Vielleicht handelt es sich nur um einen geheimnisvollen Zufall, aber in keinem anderen Fall bringt der Name eines Weines seine önologische Persönlichkeit und seine innerste, elegante, harmonische und vielfältige Identität besser zum Ausdruck als beim Soave. Übersetzt bedeutet der Name tatsächlich zart, sanft, angenehm. Er präsentiert sich von zarter Farbe, mit klarem Duft und rascher, angenehmer Entfaltung im Mund, die auch nach langem Genuss niemals ermüdend wirkt. Ja, der Soave DOC kann durchaus als der italienische Weißwein schlechthin betrachtet werden, der bei der Produktion weder Duft noch Leichtigkeit einbüßt und zudem eine prägnante Säure besitzt, die ihn zum perfekten Sommerwein wie auch zum idealen Begleiter von Meeresfrüchten und Fischgerichten macht.



 



Geschichte und Qualität



 



Die ersten Zeugnisse von Weinbau in der Gegend rund um den Ort Soave gehen auf lang vergangene Zeiten zurück. Historiker, die während der Jahrhunderte versuchten, den Ursprung der Bezeichnung “Soave” zu erkunden, sind sich heute noch nicht ganz einig. Am wahrscheinlichsten ist die Vermutung, nach der die schöne Gegend ihren Namen von den Schwaben erhalten hat – ein Volk, das seinerzeit im heutigen Deutschland siedelte und unter Alboin nach Italien gelangte. Sicher ist, das Soave-Weine schon damals bereits hoch geschätzt waren. Ihr weltweit guter Ruf entwickelte sich insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die wichtigsten Weinhandelshäuser von Verona den Soave auf allen italienischen und ausländischen Märkten förderten. Heute kann er sich der Auszeichnung “vorzüglicher klassischer Weißwein Italiens” rühmen und ist immer noch der meistexportierte italienische Weißwein.



Das Anbaugebiet liegt an der östlichen Seite des Hügelbogens der Provinz Verona (nördlich der Serenissima-Autobahn zwischen km 18 und km 25 der Strecke von Verona nach Venedig). Es umfasst vollständig oder teilweise die Territorien der Gemeinden Soave, Monteforte, San Martino B.A., Lavagno, Mezzane, Caldiero, Colognola, Illasi, Cazzano, San Bonifacio, Roncà, Montecchia und S. Giovanni Ilarione. Hier hat die Garganega, wichtigste Rebsorte der Appellation, im Lauf der Jahrhunderte insbesondere in den höheren Lagen des Alpone-, des Tramigna-, des Illasi- und des Mezzane-Tals ihr ideales Umfeld gefunden. Im weiten Panorama Veroneser Qualitätsweine hat sich nur in diesen Hügeln mit tuffhaltigem Boden vulkanischen Ursprungs und partiell auftretendem Kalkgestein eine ideale Symbiose zwischen Terroir und Rebe herausgebildet, welche die Produktion von großen Qualitätsweißweinen gestattet. Unter klimatischen Gesichtspunkten wird das gesamte Gebiet von mildem Klima, nicht zu strengen Wintern und eher mäßigen Sommern begünstigt.



 



Die Ursprungsbezeichnungen



 



Der Soave DOC bietet sich als idealer, täglicher Begleiter des Verbrauchers an – ein unkomplizierter, zuverlässiger Wein und genau das, was man in Deutschland gern als „ehrlichen Kerl“ bezeichnet. Er besticht durch Frische, feine Frucht, die an gelbe Früchte und Limetten erinnert und passt sich gut der leichten, mediterran ausgerichteten Küche an. Der Zusatz Classico zur Bezeichnung Soave ist jenen Weinen vorbehalten, deren Trauben innerhalb der Gemeindegebiete von Soave e Monteforte d’Alpone wachsen und vinifiziert werden, also dem ursprünglichen, historischen Anbaugebiet Soave. Burgen, Kirchen, Kirchtürme und reiche Patriziervillen ragen hier knapp aus dem Meer der Weinberge empor und sind Zeugnisse einer geschichts- und traditionsträchtigen Gegend mit starker Bindung an sein wichtigstes Produkt.



Der Soave Classico ist zweifellos ein Weißwein mit größeren Ambitionen. Mit seiner Länge und seiner positiven Entwicklungsfähigkeit über mehrere Jahre hinweg ist er ein überraschender Wein, der vorzüglich zu Meeresfisch, Krustentieren, Vorspeisen, Suppen und allgemein zu den schmackhaften, leichten Gerichten der modernen Lebensart passt. Er entwickelt sich mit leicht mineralischen Noten und vollem, überzeugendem, aber gleichsam zartem Geschmack.



 



Das Anbaugebiet des Soave Superiore DOCG beschränkt sich auf die bereits für den Recioto di Soave DOCG vorgesehenen Hügelbereiche. Für neue Weinberge sind mittlerweile Guyot und Cordon als Rebenerziehungssysteme sowie mindestens 4000 Rebstöcke pro Hektar vorgeschrieben, wohingegen für Anlagen vor dem Jahr 2002 auch Drahtrahmen, schräge Pergeln sowie die ein- oder zweiseitige Veroneser Pergel zugelassen sind. Der Ertrag ist auf 70 Hektoliter/Hektar beschränkt, der Wein muss in der Flasche einen Mindestalkoholgehalt von 12 Grad aufweisen (12,5 für die Riserva) sowie einen Nettoextrakt von 19 Gramm pro Liter. Was die Reife betrifft, so darf der Soave Superiore DOCG erst ab dem 1. September des auf die Weinlese folgenden Jahres in den Handel gelangen – nach einer Mindestlagerzeit auf der Flasche von drei Monaten, um ausreichende Reife und Komplexität zu gewährleisten. Weine, die mindestens zwei Jahre reifen, wird die zusätzliche Bezeichnung Riserva eingeführt.



 



Der Recioto di Soave DOCG unterscheidet sich vollkommen vom Rest der Weine dieser faszinierenden Region. 1998 war dies der erste Wein Venetiens, der die kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung zugestanden bekam. Von einem süßen Weißwein in der Gegend von Verona, der dem heutigen Recioto di Soave ähnelt, war allerdings bereits im 5. Jahrhundert in einem berühmten Brief des Kassiodor die Rede. Der gelehrte Minister von König Theoderich wandte sich an die Veroneser Produzenten und suchte für Gäste der königlichen Mensa neben dem “roten” Acinatico auch nach der weißen Variante (dem heutigen Recioto di Soave), für dessen Produktion die Trauben aus den “heimischen Pergeln” ausgewählt und bis in den tiefen Winter hinein aufgehängt aufbewahrt wurden.



Dieser Wein besaß seiner Meinung nach eine “schöne weiße Farbe und klare Reinheit, so dass er aus einer Iris entstanden zu sein schien”. Ein Dokument zum Produktionsverfahren des Recioto di Soave hat Giuseppe Beretta in einem seiner Bücher 1841 hinterlassen, das folgende Beschreibung enthält: “Unter lebendigem Likör verstehe ich jenen Wein, der aus natürlich getrockneten, ab dem Winter ausgepressten Trauben gewonnen wird. Für diese Weinbereitung empfiehlt es sich, den Most dekantieren zu lassen und zu filtrieren, bis er von allen groben Teilen befreit ist; gelagert wird er nur in kleinen Fässern an einem recht kühlen Ort, wo er ohne Traubenkämme und -kerne fermentiert: so kann er nur sehr langsam gären, was diesem Wein einen Teil seiner zuckerigen Masse erhält: und das ist es, was ihn von den anderen unterscheidet.“ Besser kann man es auch heute nicht sagen und so lohnt es sich, die komplette Bandbreite des Soave neu zu entdecken!

16. Februar 2015
Bastian Fiebig
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