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Die Odenwälder Weininsel
 
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Die Odenwälder Weininsel
Foto: Vinum Autmundis
Foto: Vinum Autmundis
Der Weg in die (hessische) Toskana ist gar nicht weit: Der Blick von den Weinbergen Groß-Umstadts erinnert sofort an die italienische Region – die hier von der Odenwälder Winzergenossenschaft erzeugten Weine passen dazu ausgezeichnet!

Wie bitte? Wein in Groß-Umstadt? Die Frankfurter kennen durchaus den charmanten Ort südöstlich von Dieburg mit seinem schönen Marktplatz inklusive Renaissance-Rathaus und etwas über 20.000 Einwohnern – oder besser: Sie wissen vom Schild, an welchem Ort sie gerade vorbei fahren, denn den größten Teil zieht es an Groß-Umstadt vorbei in Richtung Süden, wo der Odenwald mit Wanderungen und Kochkässchnitzel lockt. Kommt das Thema jedoch auf den Groß-Umstädter Wein, so erntet man meistens Achselzucken: „Da wächst Wein?“ oder „Das liegt doch gar nicht an der Bergstraße“ sind typische Antworten, doch schon aus der Ferne sind die Weinberge des Ortes gut zu erkennen. Na gut, man muss den Blick schon von der Straße nach links über einige Industrieansiedlungen heben, doch es ist hier genau so wie im zuvor zitierten Traumziel vieler Deutscher: Auch in der Toskana liegt das Glück oft hinter solchen Zweckbauten und hier sind es nur ein paar Meter, bis man sich inmitten einer Traumlandschaft mit sanften Hügeln, Feldern, Wiesen und eben Weinbergen befindet, von denen der Blick weit über die Ebene bis zum Taunus reicht.



Klein– und sehr fein!



Es sind tatsächlich nur etwa 80 Hektar Weinberge, die an den Hängen von Groß-Umstadt mit Reben bestockt sind. Eine Fläche, wie sie durchaus ein größeres italienisches Weingut besitzt. Doch es muss zahlreiche Liebhaber geben, die von der hervorragenden Qualität der hier gekelterten Tropfen bereits erfahren haben, denn die kleine bewirtschaftete Fläche ist nicht etwa Ergebnis eines langjährigen Schrumpfungsprozesses aufgrund der isolierten Lage – hier wurde in den letzten Jahren aufgrund steigender Nachfrage wiederholt hinzugepflanzt! Das ist aufgrund der komplizierten Rechtslage in Sachen Weinbau jedoch kein Kinderspiel und zeugt nicht nur vom Selbstbewusstsein, sondern auch von der Qualität der Groß-Umstädter Weine: Es lohnt sich offensichtlich, hier zu investieren. 85\% der hiesigen Weinerzeugung gehen dabei auf das Konto der Odenwälder Winzergenossenschaft, die sich den schönen Namen vinum autmundis gegeben hat. Das bringt regionale Verbundenheit und Geschichtsbewusstsein zum Ausdruck, wurde der Ort doch erstmals im frühen Mittelalter urkundlich als „Autmundisstat“ erwähnt. Heute versorgen 100 Mitglieder mit viel Liebe und Leidenschaft übers Jahr ihre Rebstöcke, die in den drei Groß-Umstädter Weinbergslagen Stachelberg, Steingerück und Herrnberg gedeihen. Bei einem Spaziergang im Sonnenschein erschließt sich sofort, weshalb hier Weinbau betrieben wird, denn mit jedem Meter ändert sich das Mikroklima, wird es wärmer, weht auf einmal konstant eine leichte Brise, wird es schwül und gleich wieder kühl – jede Lage bringt ihren ganz eigenen Charakter mit, der sich wiederum in jedem Jahrgang in jeder Flasche widerspiegelt. Hier entstehen auf quarzporphyrgeprägten Böden Weine für Liebhaber, die jenseits des Mainstream spannende Tropfen zu überraschenden Preisen suchen.



Mineralisch und fruchtig in weiß und rot



Mit den Klassikern Riesling und Silvaner zeigt vinum autmundis, dass man sich hier tatsächlich genau zwischen den Weinbaugebieten Hessische Bergstraße (zu dem Groß-Umstadt aus weinpolitischer Sicht gehört) und Franken befindet. Drei Viertel der hier angebauten Rebsorten sind weiß, zu den bereits genannten Rebsorten kommen noch Müller-Thurgau, Grau- wie Weißburgunder, Kerner und Gewürztraminer. Ein ungemein erfolgreicher Neuzugang ist der Sauvignon blanc mit saftiger Frucht und angenehmer Mineralität: Ein schönes Beispiel für die souveräne Arbeit der beiden Kellermeister Jürgen Kronenberger und Joachim Janß-Schaad, die genau wissen, wie man Weine sowohl klassisch im Holzfass als auch modern im Stahltank ausbaut. Die hier erzeugten Tropfen aus Spätburgunder, Dornfelder, Portugieser und Regent finden ebenfalls immer mehr Freunde, und das versteht man bei einem Glas Dornfelder trocken auch sofort, denn wer sich angesichts vieler magerer und belangloser Weine bereits von dieser ehemaligen Moderebsorte abgewandt hat, findet mit dem Groß-Umstädter endlich wieder viel unkomplizierten Spaß im Glas. Das Flaggschiff unter den Roten ist der Spätburgunder aus dem Barrique, der eher ans ferne Burgund denn an die Odenwälder Weininsel erinnert. Nur nicht beim Preis. Da muss keiner tief in die Tasche greifen, so dass immer noch genug Geld für einen anschließenden Besuch in der empfehlenswerten Groß-Umstädter Gastronomie bleibt. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir im Rahmen eines genüsslichen Ausflugs mit Geschäftsführer Oliver Schröbel im nächsten Heft erzählen wollen. Bis dahin bleibt viel Zeit, sich einmal selbst vor Ort umzusehen: Die Winzergenossenschaft ist Montags bis Freitags von 9 bis 12.30 und 14.30 bis 18, Samstags von 9 bis 14 und sogar Sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet und freut sich darauf, Ihnen nicht nur einen einzuschenken. Nur eines sollten Sie mitbringen: Platz im Kofferraum!

27. Juli 2015
Bastian Fiebig
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