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World Class Competition Semi-Finale Deutschland
 

Top-Themen Genusswoche

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Von Kant zu Cocktails

Foto: Sinem Koyuncu
Foto: Sinem Koyuncu
Jan-Philip Leysaht ist ein Neuling in der Frankfurter Bar-Szene und möchte sich bei den World Class Competitions zu 15 Minuten Weltruhm mixen. Was Football, Philosophie und Hund Paco damit zu tun haben, erzählt er im Interview.
Die World Class Competition ist der weltweit größte Barkeeper-Wettbewerb. Wer das internationale Rennen für sich entscheidet, bekommt den Titel „World Class Bartender of the year“. Momentan laufen die Entscheide, wer Deutschland vertreten darf. Vier der 30 Kandidaten, die es ins deutsche Semi-Finale geschafft haben, sind aus Frankfurt. Die einzige Stadt, die Frankfurt übertrifft ist Berlin mit sieben Kandidaten. Einer der vier Frankfurter ist Jan-Philip Leysaht. Im Interview mit dem JOURNAL FRANKFURT spricht Leysaht über seinen ungewöhnlichen Werdegang, die Besonderheiten der Frankfurter Bar-Szene und über seine größte Leidenschaft abseits der Bar.

JOURNAL FRANKFURT: Es sind insgesamt 30 Kandidaten im deutschen Semi-Finale; die Mehrheit bildet Berlin mit sieben Kandidaten, dicht gefolgt von Frankfurt mit vier Kandidaten. Inwiefern überrascht dich Frankfurts Anzahl, zumal es doch eine überschaubare Großstadt ist im deutschlandweiten Vergleich?

Jan-Philip Leysaht: Das Barmagazin Mixology hat Frankfurt attestiert, dass es deutschlandweit gesehen die größte Auswahl an qualitativ hochwertigen Bars hat. Wer in Frankfurt lebt und gerne in Bars geht, der ist hier genau richtig und muss nicht unbedingt nach Berlin oder so, wobei es da natürlich auch gute Bars gibt.

Woran liegt das?

Wir haben hier einfach eine ziemlich gute Gruppe an kreativen und motivierten Barkeepern, die Bock haben, was Neues zu schaffen. Deswegen würde ich auch immer dazu raten, etwas anderes als Whisky Sour oder Old Fashioned zu bestellen. Wenn man sich mal für den Bartender’s Choice entscheidet, wird man in den meisten Fällen nicht enttäuscht.

Du bist erst seit zwei Jahren Barkeeper in der Pearly Gates Bar. Was hast du vor deiner Zeit als Barkeeper getan?


Ich habe Philosophie und Politikwissenschaften an der Goethe Universität in Frankfurt studiert und das Studium mit einem Bachelor abgeschlossen.

Ziehst du Inspiration aus deinem Philosophie-Studium beim Kreieren neuer Cocktails?

Das Philosophie-Studium inspiriert mich in fast allen Lebensbereichen. Manchmal sehe ich eine Spirituose und erinnere mich an eine Anekdote eines Philosophen, der die Spirituose gerne getrunken hat. Ansonsten bringt mir das Studium insofern viel, dass ich mir durch das viele Lesen und Schreiben einen guten Stil angeeignet habe. Dadurch dass man im Rahmen der World Class Wettbewerbe nicht nur Cocktails vor der Jury mixt, sondern währenddessen auch eine Story präsentieren muss, ist ein guter Stil unentbehrlich.

Woher nimmst du sonst noch die Inspiration für deine Drinks?

Oftmals bringen mich meine Gäste auf Ideen: Einmal saß eine Kroatin vor mir an der Bar und ich hatte zufällig eine Probe von einem kroatischen Sliwowitz da; ein Obstbrand aus Pflaumen. Nach einem Gespräch mit ihr kam ein Sliwowitz Sour zu Stande, für den ich auch Feigenaromen verwendet habe, da der Feigenbaum in Kroatien in vielen Gärten blüht.





Wie stehst du zu deiner Frankfurter Konkurrenz auf der Competition?

Aus Frankfurt nehmen ja noch Oliver Hundemer aus dem Maxie Eisen, Maxim Kilian aus dem Blumen und Tobias Lindner aus der Embury Bar teil. Maxim und Tobias haben mich sogar schon im Pearly Gates besucht, um meinen Drink, den ich fürs World Class kreiert habe, zu probieren. Das gleiche werde ich in den nächsten Tagen auch noch tun. Generell verstehen wir uns alle gut und ich gönne es jedem von uns, mir selbst natürlich ein wenig mehr, was ja auch normal ist. Es könnte natürlich auch passieren, dass wir alle vier ins Deutschland-Finale kommen, da die Hälfte der Semi-Finalisten weiterkommt.

Wie kam es dazu, dass du Vollzeit-Barkeeper wurdest?

Eigentlich durch Zufall. Vor etwa zwei Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen und einen Job gebraucht, um die Zeit der Bewerbungsphase zu überbrücken. Ich war auf Facebook unterwegs und sah einen Post von meinem Kollegen Orkan Meral, mit dem ich jahrelang American Football bei den Frankfurt Pirates gespielt habe. Er kündigte in dem Post an, dass er jetzt Barchef im Pearly Gates ist. Daraufhin habe ich ihm eine Nachricht geschickt und gefragt, ob er noch Personal sucht. Trotz, dass ich ihm gesagt habe, dass ich keine Erfahrung habe, hat er mich zum Probearbeiten eingeladen und zwei Monate später war ich Vollzeitangestellter. Hätte ich Facebook an dem Tag nicht genutzt – wer weiß, ob ich heute Barkeeper wäre.

Was springt außer dem Titel „World Class Bartender of the Year“ noch für den Sieger der Competition raus?

Man gewinnt jetzt keinen Geldpreis oder ähnliches, aber was man gewinnt – und das gilt für alle Competitions – ist Erfahrung und eine größere Reichweite. Man lernt viele Leute kennen, sammelt Erfahrung und Inspiration, sei es durch die anderen Teilnehmer oder durch die Kritik der namhaften Jury. Durch die Competition reist man auch viel herum. Das Finale findet dieses Jahr zum Beispiel in Glasgow statt. Es wird auch live auf Facebook gestreamt: Man bekommt seine 15 Minuten Weltruhm, wie Andy Warhol sagen würde.

Mit welchem Cocktail willst du die Jury auf dem Wettbewerb überzeugen?

Der Cocktail, den ich kreiert habe heißt QB, was für Quarterback steht – ein Begriff, auf den mich meine frühere Football-Karriere gebracht hat. Der Hauptakteur eines jeden Football-Spiels ist der Quarterback, dennoch muss das ganze Team zusammenspielen, um den Sieg für sich zu entscheiden. Genau so kann man sich das mit den Zutaten eines Cocktails vorstellen.

Verrätst du die Zutaten des QB?

Die Hauptzutat beim QB ist ein Bulleit Bourbon, dazu kommt noch selbstgekochter Risotto-Reis-Sirup. Dafür habe ich Risotto-Reis zusammen mit dem Saft einer ganzen Zitrone und den Zesten von zwei Zitronen gekocht. Gewürzt habe ich das Ganze mit weißem Pfeffer. Abgesehen davon beinhaltet der QB etwas Riesling-Wein, der wiederum eine kleine Hommage an unser Umland ist. Als Deko verwende ich süßes Popcorn.

Was ist dein persönlicher Lieblings-Cocktail?

Also was ich am liebsten trinke, ist kein Cocktail, sondern eine Spirituose, die ich generell pur genieße: Mezcal. Für mich ist es die schönste Spirituose der Welt, nicht nur vom Geschmack her, denn auch die Story rund um die Entstehung der Spirituose ist einzigartig. Es gibt keine romantischere und faszinierendere Story. Aber wenn du mich auf einen Cocktail festnagelst, sage ich entweder der QB oder ein Tequila Old Fashioned.

Was ist abseits der Bar deine größte Leidenschaft?

Mit meinem Hund Paco Gassi zu gehen. Am liebsten verbringe ich meine Zeit mit Paco oder hinter der Bar. Nichts erfüllt mich mehr im Moment.





Am Montag, den 29. April ab 17 Uhr mixen alle vier World Class Teilnehmer aus Frankfurt ihre Kreationen für das Semi-Finale in der amp Bar. Die Cocktails werden für acht Euro angeboten und alle Einnahmen gehen an das Projekt „Meer ohne Plastik“.
29. April 2019
Sinem Koyuncu
 
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