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RHEIN-MAIN TRINKT AUS!
 

Top-Themen Genusswoche

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Edler Schaumwein aus dem Odenwald

Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Lange Gärung und cleveres assemblieren sind die Geheimnisse von Griesel. Wir haben die hippen Schaumwein-Durchstarter von der Bergstraße besucht.
Wer Sekt herstellen will, braucht Geduld. Die erste Gärung des Grundweins im Fass sollte bei einem klassischen Schaumwein schon mal länger dauern als gewöhnlich. Dann wird auf Flaschen umgefüllt, Hefe und Zucker kommen hinzu, die Zweitgärung beginnt und wer jetzt ordentliche Qualität haben möchte, wartet mindestens nochmal zwei Jahre, bis er verkauft. Mindestens. Für einen laufenden Betrieb mag das halb so schlimm sein, immerhin kann er ja einfach alte Sekte verkaufen, während er auf neue wartet. Diesen Luxus hatte Jungwinzer Niko Brandner nicht, denn gemeinsam mit dem Unternehmerehepaar Jürgen Streit und Petra Greißl-Streit baut er in Bensheim an der hessischen Bergstraße ein neues Sekthaus auf. In die alten Räume der hessischen Staatsweingutes im Herzen Bensheims haben sie sich eingekauft. 2013 ging die Produktion mit dem ersten Jahrgang los. „Das war schon verrückt“, erinnert sich Brandner heute. Während andere Winzer bald ihre neuen Jahrgänge präsentierten, wanderte bei Brandner erstmal alles in den Keller – und blieb dort zwei Jahre. „Manche Nacht hab ich schon ziemlich schlecht geschlafen. Man bewegt da ja gewaltige Werte.“ Ob ein Sekt wirklich gut wird, ist vorher schwer zu sagen. Man kann natürlich vor der Flaschengärung schon mal nippen, „aber wenn der Grundwein schon harmonisch schmeckt, ist etwas falsch gelaufen“, warnt Brandner.

Die Geduld hat sich gelohnt: Kaum auf dem Markt, wird der Sekt-Neuling von der Bergstraße mit Preisen überschüttet. Der Rosé-Sekt hat 2016 den deutschen Sektpreis bekommen, Gault Millau und Eichelmann schwärmen und der Riesling Brut 2014 wurde bei Spiegel Online zu einem der zehn besten Winzersekte aus Deutschland gekürt. Dabei ist Brandner noch lange nicht dort angekommen, wo er mit Griesel und Compagnie hinkommen möchte. Die Produktion soll auf 60.000 Flaschen im Jahr gesteigert werden. Dabei möchte er im Stil minimalistisch bleiben. „Wir haben immer den guten Sekt im Blick.“ Lange Gärung und cleveres assemblieren sind die Geheimnisse von Griesel. Auch exklusive Auflagen mit längeren Hefelagerzeiten und von Hand gerüttelt im hochpreisigeren Segment sind bereits in der Mache. Das gleiche gilt für die trendigen Magnum-Flaschen. Die kannte man früher nur von den Siegesfeiern der Formel 1, heute sind sie begehrte Sammlerobjekte für Vinophile.

Unter Weinkennern gilt die Hessische Bergstraße als Hidden Champion der Regionen. Die wenigsten Winzer gehen in den nationalen Vertrieb, der größte Teil wird in der Region direkt verkauft. Dadurch sind die Weine für ihre Qualität ausgesprochen günstig, aber unbekannt. Leuchttürme wie Griesel bringen nicht nur frischen Wind in die Weinlandschaft, sondern verhelfen auch der kleinen Bergstraße zu mehr Aufmerksamkeit. Neben dem Studium konnte Niko Brandner beim Raumland Sekthaus erste Erfahrung mit Schaumwein und Flaschengärung sammeln. Noch immer gilt Sekt als das Getränk der Reichen und Schönen, der neuen Schickeria und der alten Eliten. Brandner steht für einen neuen, entspannteren Stil beim Schaumwein. Er ist kein klassischer Winzersohn aus einer großen Weindynastie – ursprünglich hatte er Bankkaufmann gelernt. Auf seiner Wade ist Batmans Gegenspieler, der Joker, tätowiert und im Weinkeller trägt er auch mal ein Shirt der Punkband „Terrorgruppe.“ So unkonventionell wie sein Stil sind auch seine Weine. Anstelle von süßen Tropfen will er komplexe Weine und große Cuvees erschaffen. Ein Motto, dass auch auf Brandner selbst passen könnte. Wobei, ein bisschen süß ist dieser Shooting-Star der Schaumweine-Szene ja schon – sein Sekt jedoch nicht.

Interesse an mehr spannenden Getränken und Gerichten aus dem Rhein-Main-Gebiet? Diese Geschichte stammt aus unserem neuen Restaurantführer RHEIN-MAIN GEHT AUS! 2018.
16. Oktober 2017
jps
 
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