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Perlen vor die Säue?
 

Top-Themen Genusswoche

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Glücksschweine futtern Grüne-Soße-Kräuter

Foto: Rhein-Main-Schwein
Foto: Rhein-Main-Schwein
Thomas Flechel und Christopher George verkaufen Fleisch von Schweinen, die Grüne-Soße-Kräuter futtern. Klingt nach einem schrägen Gag, ist aber eine Initiative für besseres und nachhaltigeres Fleisch.
Eigentlich hatte Thomas Flechel nur ein ungewöhnliches Geschenk für seine Kunden gesucht – einige Monate später zerlegte er gemeinsam mit ihnen ein Schwein. Als Mediengestalter macht er Filme für die Automobilbranche und war seinerzeit für seine Kunden auf der Suche nach einem besonderen Geschenk, das mit ähnlich viel Liebe und Sorgfalt entsteht, wie seine Filme. Auf dem Naturkornhof in Wehrheim im Taunus wurde er fündig. Dort futtern die Schweine bestes Biofutter, leben in geräumigen Ställen mit Stroh statt Spaltenböden und bekommen viel Tageslicht.

Statt Kugelschreibern bekam die Kundschaft nun also regelmäßige Updates über die Entwicklung des Schweinchens Bärbel und zum Abschluss eine Einladung zum Zerlegefest. „Wir haben auf der Veranstaltung gemerkt, dass das eine ganz andere Wertschätzung dem Tier gegenüber ergibt, wenn man so nah an ihm dran ist“, berichtet der Eventmanager Christopher George, einer der damals Eingeladenen. „Man kann in den Taunus fahren, schauen wie es dem Tier geht. Das ist viel besser als einfach Fleisch aus dem Supermarkt zu kaufen.“ Die Erfahrung hatte George tief beeindruckt. „Das müssen wir irgendwie unter die Leute bringen“, war er überzeugt. „Wenn man Fleisch isst, sollte man sich auch damit auseinandersetzen.“





Der Name für das gemeinsame Projekt war schnell gefunden: Rhein-Main Schwein. „Ursprünglich war das eine Suff-Idee: Wir füttern die mit grüner Soße“, sagt George. Aber schmeckt das Schweinen überhaupt? Also fuhren die beiden Männer mit einem Bund Kräuter in den Taunus. „Die Schweine haben sich darauf gestürzt. Gerade den groben Borretsch fanden sie super.“ Im Oktober 2017 sollten die ersten Test-Schweine ihr neues Futter bekommen. „Da kam die erste Herausforderung, wir mussten eine Gärtnerei finden, die Bio-Kräuter produziert“, sagt George. „Grüne Soße ist sehr anfällig, die in Bio-Qualität herzustellen ist schwierig. In Oberrad machen das nur zwei Betriebe.“

Die Wahl fiel auf die Bioland-zertifizierte Gärtnerei Bärengarten. „Die fanden die Idee richtig gut. Sie haben oft Blätter, die sie nicht in den Verkauf geben können.“ Diese B-Ware wurde bisher untergepflügt. „Das heißt, wir essen den Menschen nicht die Soße weg und der Bärengarten kann etwas verkaufen, was er ansonsten nicht verkaufen kann“, sagt George. „Natürlich schmeckt man die Grüne Soße nicht im Fleisch. Das ist ein Leckerli für die, denen geht es gut. In einem normalen Mastbetrieb würde es sowas niemals geben.“

„Unsere Schweine sind echte Glücksschweine“ sind die Beiden überzeugt. Das könne man auch schmecken. Köche seien vom geringen Fleischsaftverlust beim Braten begeistert. „Durch das hohe intramuskuläre Fett bleibt das richtig saftig“, sagt George. Mit Kevin Henrici haben die beiden außerdem einen Fleischermeister und Diplom-Fleischsommelier gefunden, der auch außergewöhnliche Cuts beherrscht. „Wir verarbeiten das Tier Nose-To-Tail, also von Kopf bis Fuß“, erklärt George. Das wichtigste Produkt im Online-Shop sei deshalb die Surprise Box. Darin liegen drei Kilo Schweinefleisch. Neben Edelteilen wie Schnitzel und Filet können hier auch Würste und ungewöhnlichere Teile dabei sein. „Unser Hidden Champion ist das Bauchfleisch. Das ist butterzart und nicht so fettig, wie man das sonst kennt“, schwärmt George. Das wichtigste Produkt der beiden ist aber vielleicht gar nicht das Fleisch an sich, sondern die transparente Herstellungskette. Es sind immer nur wenige Schweine im Angebot, deren Leben man detailgenau im Internet nachverfolgen kann. Für die beiden Männer ist das Rhein-Main-Schwein nur ein Hobby – sie arbeiten weiterhin in ihren Berufen. „Wir können auch gerne zusammen auf den Hof fahren und wer früh aufsteht, kann auch bei der Schlachtung dabei sein“, bietet George an. Ihn habe die Arbeit an dem Rhein-Main Schwein auf jeden Fall verändert. „Ich esse seitdem viel weniger Fleisch und achte viel mehr auf die Herkunft.“



7. Mai 2018
jps
 
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