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Land & Genuss-Messe im Februar
 

Top-Themen Genusswoche

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Jedes Gemüse ist Balkongemüse

Foto: Land & Genuss
Foto: Land & Genuss
Eingeschränkter Platz bedeutet nicht zwangsläufig eingeschränkte Möglichkeiten: Selbst der kleinste Balkon kann sich in einen buntgemischten Gemüsegarten verwandeln. Tipps von Profis gibt es bei der Land & Genuss-Messe.
Ob Community-, Urban- oder Square Foot-Gardening, für ein nachhaltiges Leben braucht es normalerweise Platz. Ohne einen eigenen Garten wird es mit dem Eigenanbau schwierig. Doch ein kleiner quadratischer Hoffnungsschimmer bleibt: fast 58 Millionen Menschen in Deutschland besitzen einen Balkon, auf dem sich mit ein wenig Mühe Tomaten, Gurken oder Radieschen vom Samen auf hochziehen lassen. Noch einfacher ist es mit Setzlingen, also bereits vorgezogenen Pflanzen, die man nur noch in einen Blumenkasten oder ein Hochbeet einsetzen muss.

Manuel Escanecrabe von Samen Herzing in der Kleinmarkthalle weiß, dass sich so gut wie jedes Gemüse für den Anbau auf dem Balkon eignet. Salate, Tomaten, Paprika, Erbsen, Radieschen und Möhren sollten im Februar oder März ausgesät werden. Bohnen im Mai und Gurken zwischen März und Juni. Setzlinge entlasten den grünen Daumen, schränken aber auch die Auswahl ein. Gerade Salat mache es dem Balkongärtner laut Manuel Escanecrabe „kinderleicht“, da dieser im Gegensatz zu den anderen Gemüsesorten nicht auf der Fensterbank vorgezogen werden muss, sondern direkt Draußen ausgesät werden kann.

Von Anfang kann man dabei auf ökologische und selbstbestimmte Weise vorgehen. Bereits beim Kauf kann man sich für Bio-Samen entscheiden, anschließend Bio-Dünger verwenden und auf hochwertige Erde setzen. Es kommt nichts an die Pflanzen, was man nicht auch an den Pflanzen haben will. Außer es schmeißen sich Schädlinge wie Blattläuse, Spinnmilben oder Raupen an die Pflanzen heran. Ein biologischer Helfer ist Kaliumsalz. Manuel Escanecrabe rät: „Eine gut gedüngte und damit gesunde Pflanze wird auch eher selten angegriffen“.

Was bringt der Anbau auf dem Balkon?

Wochenlanges Warten, Trauerränder unter den Fingernägeln und Gemüse, das nicht annährend so einheitlich und perfekt aussieht, wie das aus dem Supermarkt. So negativ sehen das wahrscheinlich die wenigsten, aber selbst ohne drastischen Vergleich überwiegen die Vorzüge des Balkongemüses.
Im Jahr 2016 hat jeder Deutsche durchschnittlich 500 Kilogramm an Lebensmitteln verbraucht. Laut des Umweltministeriums wurden bei der Produktion dieser Lebensmittel fast so viele Treibhausgase ausgestoßen wie durch Mobilität in Deutschland. Pflanzliche Lebensmittel erzeugen zwar weitaus weniger Treibhausgase als die Herstellung von tierischen Produkten, dennoch würde man beim nächsten Einkauf bereits Emissionen und Geld einsparen und vor allem auch ein Bewusstsein dafür bekommen, wie ein Gemüse wächst und aus was es besteht.

Offizielle Statistiken zum Gemüseanbau auf heimischen Balkonen gibt es momentan noch nicht, Manuel Escanecrabe trifft in letzter Zeit allerdings immer öfter auf Kunden, die eine Beratung für ihren kleinen Gemüsegarten wollen. Der Verbraucher weiß so, wo seine Gemüse herkommt, dass es keine langen Transportwege hinter sich hat oder Stoffe enthält, für die es einen Chemiker bräuchte, um deren Bedeutung zu verstehen. Der Auswahl der Gemüsesorten sind erst mal keine Grenzen gesetzt, dass ein Balkon aber nur eine kleine Fläche bietet, sollte man während des Vorhabens im Hinterkopf behalten.

Gurken und Tomaten sind Kletterkünstler

Ein gewöhnlicher Blumenkasten oder -kübel reicht bei Gemüse mit geringer Wurzelmasse als Wachstumsbehältnis aus. Allerdings kann sich besonders ein Hochbeet als sinnvoll erweisen. Tiefere Behälter geben den Wurzeln mehr Platz zum Wachsen. „In einem Blumenkasten mit einer großen Tomate stimmt das Verhältnis von Wurzelmasse und Grünmasse nicht und da muss man unter Umständen zweimal am Tag gießen. Ein Hochbeet ist halt einfach noch besser“, sagt Escanecrabe.

Um noch mehr Platz zu sparen, empfiehlt der Saatguthändler sich das Klettertalent von Gurken und Tomaten zu Nutze zu machen. Gerade Tomatenpflanzen, die vor allem bekannt dafür sind in die Höhe zu schießen, lassen sich wie eine Girlande um das Balkongeländer wickeln. Außerdem existieren einige Möhrensorten, die in der Form von Radieschen wachsen und deshalb eine geringere Erdtiefe benötigen.

Ohne Licht geht gar nichts

Unabhängig von Wurzelmasse, Behältergröße und Nährstoffbedarf benötigen alle Gemüsesorten ihre tägliche Portion Sonnenlicht. Escanecrabe empfiehlt mindestens drei Stunden. Wird selbst das auf einem nördlichen Balkon zu knapp, sollte man sich auf den Anbau von Kräutern und Salat beschränken, „alles andere wächst nur krautig, mit der Tomate schafft man vielleicht noch ein paar Früchte“. Wenig Licht mag aus der Pflanze nicht das Beste herausholen, Frost ist allerdings tödlich. Vorsicht gilt besonders den Eisheiligen, die Mitte Mai für überraschende Kälte sorgen. Escanecrabe geht allerdings davon aus, dass sie in Frankfurt keinem Stadtgärtner Probleme bereiten sollten: „Hier im Rhein-Main-Gebiet wird es schon seit Jahren nicht mehr so kalt“. Sicherheitshalber sollen beispielsweise Paprika erst nach den Eisheiligen an die frische Luft. Kräuter wie Oregano, Lavendel, Rosmarin und Salbei überleben hingegen sogar den Winter und Minusgrade.

Wer nun wirklich keine Chance für ein Überleben auf dem eigenen Balkon sieht, kann sich zumindest Keimsprossen, auch Microgreens genannt, in die Wohnung holen. Sie lassen sich zum Teil auch ohne Erde, einfach in ein feuchtes Papiertuch gewickelt ziehen, sind nach wenigen Tagen gewachsen und liefern viele Nährstoffe.

Die Land & Genuss-Messe in Frankfurt

Mehr Tipps für den Einstieg in die Welt des heimischen Gemüseanbaus bekommt man vom 22. bis 24. Februar auf der Land & Genuss-Messe. Der Themenbereich Urban Trends beschäftigt sich mit Urban Gardening. Hier stellen sich Verbände vor, die nachhaltiges Leben und Selbstversorgung fördern. Im Bereich Garten können sich Neulinge über die aktuellen Trends informieren und Experten-Tipps einholen, mit Sicherheit auch für den Balkon.

Für alles, was nicht so einfach zu Hause wächst oder zubereitet werden kann, bietet der Themenbereich Genuss eine Vielzahl an kulinarischen Spezialitäten aus der Region. Bekannte und noch unentdeckte Hersteller und Erzeuger von Wein, Käse, Craft-Bier und Wurstwaren stellen sich hier vor. Landwirtschaft zum Anfassen erwartet die Besucher im Themenbereich Land. Der Erlebnisbauernhof mit Landwirten aus der Region, Tieren und Traktoren löst Berührungsängste und ist neben dem sonstigen Kinderprogramm für Gäste unter zwölf Jahren.

Land & Genuss, Messe Frankfurt, Halle 1, 22.-24. Februar, Fr u. So 10-18 Uhr, Sa 10-20 Uhr
18. Februar 2019
Johanna Wendel
 
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