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Klimagourmet-Woche 2017
 
Top-Themen Genusswoche
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Solidarisch, praktisch, gut
Foto: Dirk Ostermeier
Foto: Dirk Ostermeier
Während der Klimagourmetwoche zeigen Initiativen aus Frankfurt und Umgebung, wie kreativ Klimaschutz und nachhaltiger Genuss sein können.
Die zehntägige Veranstaltung Klimagourmet verspricht, auch in diesem Jahr wieder spannend zu werden: Da wird zum Beispiel einfach mal ein Acker des Dottenfelder Hofs zu einer Pop-Up-Küche, ganz getreu dem Motto: „Essen, wo’s herkommt“, in einem Workshop können Interessierte unter anderem ihr eigenes Bienenhotel bauen und bei einem Spaziergang durch die Stadt erfährt man allerlei Spannendes zum Klimawandel in Frankfurt. Neben vielen anderen Teilnehmern stellen sich auf der Klimagourmet-Woche auch die solidarischen Landwirtschaften und Food Coops vor.

Solidarische Landwirtschaften, das sind Zusammenschlüsse von Landwirten und Verbrauchern. Letztere garantieren dem Bauern eine Abnahme seiner Produkte und tragen auch seine Missernten mit ihrem Mitgliedsbeitrag. Der Landwirt wiederum liefert regelmäßig frische, meist biozertifizierte Ware an die Gemeinschaft und gibt ihnen Einblick in die Produktion und Mitspracherecht bei Anbau und Anschaffungen für den Betrieb. Allen ist gemein, dass sie genau wissen wollen, wo ihre Lebensmittel herkommen, faire Bedingungen bei der Produktion und möglichst nachhaltigen Umgang mit der Natur fordern.

Bärbel Praetorius hat deshalb zusammen mit weiteren Mitgliedern 2014 die Solawi Frankfurt gegründet. „Auf einer Reise durch Amerika bin ich 2009 auf dieses Konzept aufmerksam geworden. Dort gibt es die ´Community Supported Agriculture´. Ich war hellauf begeistert und habe schließlich vor drei Jahren mit gleichgesinnten unseren Verein gegründet“, erzählt Praetorius, die unter anderem auch bei Slow Food Frankfurt stellvertretende Conviviums-Leiterin ist und derzeit zusammen mit der Stadt an der Entwicklung eines Ernährungsrates arbeitet. In ihrem Fall hat sich die Gruppe einen Landwirt auf der Seite www.solidarische-landwirtschaft.org gesucht, mit dem sie eine solidarische Gemeinschaft eingehen wollten. Im Durchschnitt zahlen die Mitglieder monatlich 75 Euro. Der eine mehr der andere weniger. Auch das ist den Mitgliedern wichtig: Hat jemand nicht genügend Geld, wird er von den anderen mitgetragen. Für diese Summe bekommen Preatorius und Co. zum Beispiel, je nach Saison, Tomaten, Gurken, Karotten, Salate und Kartoffeln. Insgesamt so viel, dass eine Familie mit zwei kleinen Kindern damit gut auskommt. Bauer Arno Eggert, der die Mitglieder regelmäßig mit frischen Waren versorgt, führt schon seit knapp 40 Jahren einen Hof in Egelsbach und verkauft seine Produkte entweder im Hofladen oder in Direktvermarktung. Für ihn ist die Solawi eine Herzensache: „Das ist ein tolles Projekt und eine Möglichkeit, die Lebensmittelproduktion wieder in die Köpfe der Bevölkerung zu holen. Stadt und Land werden vernetzt.“ Zudem ist es eine Absicherung für den Bauern.

Das ist auch ein schöner Nebeneffekt für die Diplom-Agraringenieurin Irmtraud Schmid. Die Gemüsegärtnerin führt seit 2012 ihren eigenen Betrieb maingrün in Oberrad und hat im Frühjahr dieses Jahres die Solawi maingrün gegründet. Sie hat, im Gegensatz zu den Mitgliedern von Solawi Frankfurt, nach Mitgliedern gesucht. Neben der regelmäßigen finanziellen Absicherung schätzt Schmid aber vielmehr den persönlichen Kontakt mit ihren Solawi-Mitgliedern: „Der Dienstag ist der schönste Tag in der Woche, denn da holen die Leute immer ihr Gemüse bei mir ab und wir plaudern ein wenig miteinander.“ Außerdem freut sich Schmid darüber, dass sie durch die Solawi nun viel mehr unterschiedliche Kulturen anpflanzen kann und ihre tägliche Arbeit noch vielfältiger wird. Auf circa 6000 Quadratmetern baut Schmid unter anderem Grüne Soße Kräuter, Paprika, Zuckermais, Bohnen, Melonen und Mais an. Ihre Mitglieder, die ihre Waren direkt in der Gärtnerei abholen, können sich derzeit über vier verschiedene Sorten Tomaten, Möhren Auberginen und Gurken freuen. Über den Kisten mit Gemüse hängt ein Schild, auf dem steht, wie viel Gramm von allen Sorten sich die 50 Mitglieder nehmen dürfen. Ihren wöchentlichen Betrag legen sie in eine kleine Kasse davor. Schmid vertraut ihren Mitgliedern. Das gehört schließlich auch zu den Prinzipien der Solawi.

Neben solidarischen Landwirtschaften setzen sich übrigens auch Foodcoops für transparente und faire Produktionsbedingungen in der Region ein. Alle Mitglieder wählen zusammen verschiedene, hauptsächlich biozertifizierte Erzeuger aus dem nahen Umland aus, von denen sie ihre Waren beziehen. Ihr Credo ist, dass man mit Ressourcen verantwortungsvoll und nachhaltig umgehen sollte, die Bauern anständig bezahlt werden und die Lebensmittel gesund und schmackhaft sind. In Frankfurt und Offenbach setzen sich unter anderem die Vereine Futterkreis und Terra Viva e.V. dafür ein.

Das vollständige Programm der Klimagourmet-Woche, inklusive Locations und teilnehmenden Initiativen, gibt’s zum Download unter www.klimagourmet.de.
Die Klimagourmet-Woche 2017 findet vom 21. September bis zum 1. Oktober statt.
18. September 2017
Katharina Bruns
 
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