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Kannibalen in Frankfurt
 

Top-Themen Genusswoche

5

Abteilung Skurriles

Sie kamen auf Pferden, verwüsteten breite Landstriche, nahmen keine Gefangenen und waren gefürchteter als die Pest: Tartaren. Hunderte Jahre später nehmen immer mehr Gäste in Restaurants blutige Rache
Ich sitze in einem Steakhaus, da geschieht es schon wieder: Der Gast am Nachbartisch liest seiner Gattin laut vor: "Schau mal Liebling, es gibt frisches Tartar". Der Mann kommt aus der Wettterau, das rollende rrr ist nicht zu überhören, und siehe da, auch in der Karte steht es geschrieben. Tartar!

Hilfe, wird hier etwa Menschenfleisch aus der asiatischen Tundra serviert? Wikipedia sagt es genau: "Tartaren ist seit dem Mittelalter eine Bezeichnung für verschiedene Völker und Bevölkerungsgruppen". Doch das R, das den Unterschied zum Tatar, also "Hackfleisch vom Rind, das aus sehr hochwertigem, sehnenfreiem und fettarmen Muskelfleisch wie Filet hergestellt wird" macht, hat seinen festen Stammplatz auf den Speisekarten dieser Stadt. Selbst in bekannten Steakhäusern ist von Tartar die Rede, in den gastronomischen Niederungen gehört das R nach dem A schon fast grundsätzlich zum guten Ton.

Was ist da geschehen? Vielleicht gibt es doch eine Beziehung zwischen dieser Zubereitungsart und der Esskultur asiatischer Reiter- und Nomadenvölker? Wir machen uns jedenfalls an den direkten Vergleich und zählen auf den Speisekarten geduldig Tatar und Tartar – man darf gespannt sein, wie der Wettstreit ausgeht!
16. Mai 2011
Bastian Fiebig
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
peter.apelt am 16.5.2011, 18:21 Uhr:
Das Tatar oder doch besser Beefsteak tatare oder Beefsteak Tartar hat sehr viel mit den Tartaren zu tun. Ursprünglich war es rohes Pferdefleisch dass die auf ihren Pferden während des Reitens zubereiteten.
Nach Europa brachte es der französische Offizier, Ingenieur und Kartograph Guillaume Le Vasseur de Beauplan, als er in der Mitte des XVII. Jahrhunderts die lange Zeit in der Ukraine diente. Er beschrieb die Zubereitung des Fleisches in seine Erinnerungen. Er beobachtete, dass die in der Armee dienenden Tartaren feste Pferdefiletstücke in ca 2-3 cm dicke Scheiben schnitten und stark auf einer Seite salzten. Um das enthalten Blut zu minimieren legten sie es unter die Sättel ihrer Pferde. Nach einem Ritt von ca. 2 Stunden wurde das Fleisch entnommen, vom blutigen Schaum gereinigt, danach salzten sie die bisher nicht gesalzene Seite und verfuhren noch einmal so, wonach das tartarische Beefsteak als gebrauchsfertig galt.
Später wurde der Name auf eine deutliche Variation dieser Zubereitung von Rindfleisch ausgeweitet.
 
paraiba am 16.5.2011, 16:14 Uhr:
Ich hatte mich auch ein wenig über die Schreibweise gewundert. Früher schrieb man dem Papier Geduld als eine Eigenschaft zu, die dem Internet abhanden ging. Es ist doch ganz einfach: Tatar geht auf die Tataren zurück, die nach der Legende das Fleisch unter dem Sattel mürbe ritten. Daneben gibt es noch das filet américain, das Rückwanderer aus Amerika in Belgien und Luxemburg einführten. Tartar geht auf die Tartaren zurück, die das Tartar erfanden und gemeinsam mit ihren Nachbarn in Graubünden das Bündner Fleisch.

Wikipedia gibt einen Anhalt für die unterschiedlichen Schreibweisen: "So wurden in Europa die brandschatzenden und plündernden Horden des Dschingis Khan als Tartaren ? ?die aus der Hölle kommen? (von griech. Tartaros) ? bezeichnet." Das obwohl Dschingis Khan zu den mongolischen Stämmen gehörte, nicht zu den Tataren. Wurden die Tataren nicht von den Mongolen nach Westen gedrängt?

Aserbaidschan gehört ebenfalls zu der Gruppe der Tataren. Vielleicht haben Nigar und Eldar aus Aserbaidschan den ESC wegen des vorherigen Konsums rohen Fleisches gewonnen, währen der Deutsche Beitrag eher artifiziell-vegan daher kam?

Da bereits viele Anglismen in unserer Sprache Einzug gehalten haben, vielleicht auch die Tartaren/Tataren? In der (Amerikanisch-)Englischen Schreibweise scheinen beide möglich zu sein. Wird die Bildung von Zahnstein (Tartar) durch den Verzehr rohen Fleisches begünstigt? Eine Frage, die mich schon seit dem ersten Kontakt mit diesem Wort bewegte. Und müsste es nicht im Artikel Bastian Fiebigs "das rollende R" statt "das rollende rrr" heißen?

Jetzt aber bitte nicht alles glauben, was ich geschrieben habe! Wer Fehler in meinem Beitrag findet, darf sie gerne behalten. Vielleicht lassen sich daraus auch Korinthen formen, die nach der Verdauung auf dem natürlichen Weg wieder ausgeschieden werden können.

Ich wünsche allseits einen schönen Tag und gute Verdauung!
 
Thomas W. Cheney am 16.5.2011, 14:13 Uhr:
Nun, Herr Fiebig, tatsächlich kennt der Duden (dem ich in solchen Fragen ein wenig mehr Vertrauen schenke als Wikipedia) nur das Wort Tatar, das für beide Objekte in dieser Schreibweise genutzt werden soll. Der Begriff Tartar ist wohl weder für das Volk noch für die Speise das Richtige. Wer sich über Fehler anderer genüsslich auslässt sollte wenigstens richtig recherchieren .;-)
 
Dieter Klemke am 16.5.2011, 13:00 Uhr:
Was will uns Robert Soran mit seinem Beitrag sagen? Dass er alles glaubt, was es bei wikipedia zu lesen gibt? Oder dass er lieber Tartar als Tatar ißt? Oder dass TZG gern Tartar ist aber keine Herkunftsangabe macht? Und welcher Semant ist es der da zischt? Also einige Fragen Herr Soran - nun sach mal was.
 
Robert Soran am 16.5.2011, 11:22 Uhr:
Der Beitrag ist enweder ein (schlechter) Witz oder ein umwerfender Beweis von sprachlicher und journalistischer Inkompetenz. Zumal Wikipedia was anderes erzählt als der Autor hier mit einem falschen Zitat vorgibt (völlig anders als z.B. zu Guttenberg zitiert unser Autor, aber die Zitate gibt es SO nicht :-)). Auch sollte sich der Autor etwas näher mit den zwei benachbarten und verwandten Begriffen Tatar und Tartar beschäftigen, und zwar sowohl mit der deutschen als auch mit der englischen, französischen oder "belgischen" semantzischen Gehalt der Wörter.
Unser Autor scheint ein Sprachkannibale zu sein. Guten Appetit!
 
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