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Historisches Gasthaus Bockshaut in Darmstadt
 

Top-Themen Genusswoche

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Mehr Geschichte geht nicht

Foto: Mandana Bareh Foroush
Foto: Mandana Bareh Foroush
Die älteste Gaststätte Darmstadts geht nach mehr als 100 Jahren in neue Hände über. Trotzdem soll in der traditionsreichen Bockshaut alles so bleiben, wie es ist. Aber etwas ändert sich doch.
Seit 1795 ist die Bockshaut Weinhaus und Gaststätte. Errichtet wurde das Fachwerkhaus 1580 als Pfarrhaus und ab 1760 als Gerberei genutzt. Daher auch der Name. Neben dem Darmstädter Schloss und der Stadtkirche zählt das Haus zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Nun verkauft Reiner Heiß das altehrwürdige Lokal, das seit 1918 im Besitz seiner Familie ist. Neuer Investor ist der in Darmstadt bekannte Bauherr Ergün Karakaya. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben, der Betrieb soll nahtlos weiterlaufen“, erklärt Heiß. Auch Koch und Speisekarte ändern sich nicht. Karakaya will das historische Flair von Gaststätte und Hotel erhalten. Geplant ist, den Bau durch 42 Hotelzimmer zu erweitern. Sie sollen in der ersten und zweiten Etage entstehen. Zurzeit befinden sich dort ein Bankettsaal und oben drüber die Familienräume, in denen Reiner Heiß selbst geboren worden ist.

Das Restaurant bleibt während der Umbauarbeiten geöffnet. Am 1.7. beginnt der Neustart mit Karakaya. Die beiden Darmstädter wollen es gemeinsam angehen. Heiß bleibt Wirt und hat sich für die nächsten fünf Jahre verpflichtet. „Es wird eine große Herausforderung und deshalb ist die Unterstützung von Herrn Heiß unbedingt nötig“, erklärt Karakaya. Mitte 2021 soll der Umbau fertig sein.

„Ich wollte den Charakter und die Geschichte des Hauses unbedingt erhalten, hier sollte kein neuer Wohnkomplex entstehen oder ein anonymer Bauherr rein“, erklärt Heiß, der keinen Nachfolger in seiner Familie fand. Ihm fehlten außerdem die finanziellen Mittel, um die Gaststätte zu modernisieren und zu vergrößern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Der Tourismus in Darmstadt ist eine große Einnahmequelle, wir wollen auch ein Stück vom Kuchen“, sagt er.

Das Lokal mit seiner urigen Einrichtung gleicht einem Museum. Wohin das Auge schaut, überall stehen historische Originale. Da ist zum Beispiel der Hochzeitsbecher der letzten Zarin Russlands Alexandra oder das Porzellan Service des Großherzogs Ernst-Ludwig, der in der Bockshaut seinen Stammtisch hatte. Auch zwei berühmte Persönlichkeiten erblickten hier das Licht der Welt. Georg Gottfried Gervinus, einer der „Sieben Göttinger Professoren“ und der Bildhauer und Architekt Ludwig Habich.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Darmstadt weitgehend zerstört. Der Weinkeller der Bockshaut blieb unversehrt und so konnte weiterhin Wein ausgeschenkt werden. 1952 eröffnete dann das Restaurant wieder. Bis heute stehen hessische Klassiker wie Handkäs mit Musik, Grüne Soße, Mispelchen und natürlich Apfelwein auf der Karte. Wie sich das traditionsreiche Haus unter dem neuen Besitzer entwickelt und ob sich mehr ändert als gedacht, wird die Zukunft zeigen.

Bockshaut, Darmstadt, Kirchstraße 7-9, Mo-Do 12-14 Uhr und 18-22 Uhr, Fr-Sa 12-14.30 Uhr und 18-22.30 Uhr, So und feiertags 12-15 Uhr und 18-22 Uhr, Tel: 0615199670
 
13. Januar 2020, 14.10 Uhr
Mandana Bareh Foroush
 
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