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Top-Themen Genusswoche

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Der Schatz der Inka

Foto: Dirk Ostermeier, Arno Wielgoss, Linus Heilmann
Foto: Dirk Ostermeier, Arno Wielgoss, Linus Heilmann
Seit 2015 importiert Perú Puro Rohkakao aus Peru direkt nach Frankfurt. Derzeit sammeln die beiden Initiatoren mit einer Crowdfunding-Kampagne für die Produktion der ersten peruanischen Schoki. Eine Geschichte mit traurigem Anfang und gutem Ende.
Perú Puro ist ein kleines Frankfurter Unternehmen. Eine private Initiative für fair-gehandelten Bio-Kakao von Kleinbauern aus Peru. Arno Wielgoss und Frauke Fischer unterstützen damit eine Kakaokooperative im Urubamba-Tal in Peru und importieren Kakao nach Europa. Am Ende profitieren sowohl die Bauern als auch die Konsumenten.





Die Geschichte des Unternehmens beginnt tragisch im August des Jahres 2000: Nach dem Abitur reist Frederic Wielgoss im Alter von 20 Jahren nach Peru. Dort geht er im Urwaldfluss Urubamba baden und wird dabei von einem Strudel erfasst. Seitdem wird der junge Mann vermisst. Freunde und Familie von Frederic starten einen Spendenaufruf, um die Kosten für die Suchaktion der Familie aufzubringen. Doch Frederic bleibt verschollen. Nach der erfolglosen Suche bleibt ein Teil des gespendeten Geldes übrig. Familie Wielgoss entscheidet sich, mit dem restlichen Geld die gemeinnützige Organisation „Frederic – Hilfe für Peru“ zu gründen, um den Menschen in der Region einer abgelegenen Provinz zu helfen – in Gedenken an Frederic.
Dadurch wird im Jahr 2012 die Kakaokooperative „APECMU“ (Asociación de Productores Ecológicos de Cacao de Medio Urubamba) gegründet. Arno Wielgoss, Bruder von Frederic und promovierter Agrarökologe, koordiniert diese vor Ort in Peru. Gemeinsam mit den Bauern werden Wege gefunden, Kakao ökologisch anzubauen und so wertvollen Regenwald zu schützen. Gleichzeitig entstehen Bildungs- und Gesundheitsprojekte und eine Frauenkooperative. „Das ist das wichtige, dass man gemeinsam eine Stimme hat“, sagt Frauke Fischer, promovierte Biologin und Dozentin an der Uni Würzburg.





„In diesem Kontext haben wir uns kennengelernt“, erzählt Fischer. Sie sitzt auf einer gemütlichen Couch in einem kleinen Büro im Frankfurter Nordend. Auf dem Tisch steht eine Kanne duftender Kakao-Tee und kleine Behälter mit verschiedenen Kakaoverarbeitungs-Stufen. Fischer und Wielgoss haben sich als Büronachbarn an der Uni Würzburg angefreundet. Dort erzählte Wielgoss von einem Problem, das die Kooperative in Peru hatte. Bei den Bauern war alles in Ordnung. Keine Brandrodung mehr, gute Qualität der Produkte und die Bezahlung war fair. Nur wollte der einzige Kakaozwischenhändler in der Region die Preise für den Bio-Kakao nicht zahlen. Kurzerhand entschlossen die Büronachbarn, den Kakao einfach selbst zu kaufen und Perú Puro wurde gegründet. „Das war erst ein bisschen blauäugig“, merkt Fischer an. „Wir haben uns das so vorgestellt, dass wir den rohen Kakao kaufen und in Deutschland die Dienstleistung kaufen können, den Kakao weiterzubearbeiten“. Dass eine Kakaobohne in Deutschland zur Schokolade wird, ist allerdings nicht unkompliziert. Dienstleister zum Beispiel für die Röstung zu finden, ist für das junge Unternehmen eine Herausforderung.





Die Sorte, die Wielgoss und Fischer verkaufen, stammt aus dem Urubamba-Tal, dem heiligen Fluss der Inka. Dort hat der Urkakao seinen Ursprung, das macht ihn besonders hochwertig. Diese Kakaobohne kann roh verzehrt werden. „Kakao ist ein ‚Superfood‘. Voll mit Antioxidantien, stimmungsaufhellenden Stoffen und konzentrationsfördernd“, sagt Fischer und zeigt auf eine weiße Tonne im Büro, in der ein Sack voll mit frischen Kakaobohnen lagert. Der leicht säuerlich bittere Geschmack der rohen Kakaobohne ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Anders sieht das beim Kakao-Tee aus, den haben schon die Inka genossen. Er riecht süßlich nach Schokolade und schmeckt überraschend anders – nämlich nicht nach Schokolade. Verpackt wird der Kakao in umweltfreundlichen Päckchen, die von Frankfurter Achim Retberger designt wurden und in einer Werkstatt für psychisch kranke Erwachsene produziert werden.
„Die Idee ist, dass es den Verein irgendwann nicht mehr gibt. Die Bauern sollen für ihre Arbeit ordentlich bezahlt werden. Keiner will ja auf Spenden angewiesen sein“, erklärt Fischer. Auf die Frage, ob Bioprodukte dafür nicht zu teuer seien, antwortet Fischer prompt: „Das ist nicht teuer, das ist preiswert. Wir zeigen den wirklichen Preis und Wert des Produktes. Jedem, der Schokolade für 69 Cent kauft, muss bewusst sein, dass dafür die Umwelt zerstört wird und auch, dass Kinderarbeit im Spiel ist. Das passiert, wenn man nicht fair bezahlt“.





In Zukunft will Perú Puro auch faire Schokolade produzieren. Dazu brauchen sie jedoch eine Vorfinanzierung und haben deshalb gerade die Crowdfunding-Kampagne “Schokoheld“ gestartet (www.startnext.com/schokoheld). Wenn es Perú Puro bis zum 17.9.2017 gelingt, das Geld zusammen zu kriegen, soll es noch vor Weihnachten eine Peruanisch-Schweizerische Bioschokolade geben. Wenn sie genügend Unterstützung finden, können Perú Puro ihren 40 Kleinbauern noch mehr Kakao abkaufen – zu einem Preis, der über Bio- und Fair-Trade Niveau liegt. So werden die Bauern direkt belohnt für einen Kakaoanbau in artenreichen Agroforstsystemen, beim Schutz des umliegenden Bergregenwaldes, für eine Kakaoernte ohne Kinderarbeit und dem Erhalt der ältestem und einer der seltensten Kakaosorten. Mehr Einkommen für die Bauern, bedeutet ein selbstbestimmtes Leben, ist aber auch ein starkes Argument für andere Bauern in der Region, ihren Kakaoanbau ebenfalls auf fairen Bioanbau umzustellen






Web: www.perupuro.de
 
21. August 2017, 10.40 Uhr
Davide Di Dio/kat
 
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Fotogalerie:
{#TEMPLATE_news_einzel_GALERIE_WHILE#}
 

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