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Gewürzhandel mal anders
 

Top-Themen Genusswoche

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Safran statt Opium

Foto: Jan Klauth
Foto: Jan Klauth
Das Start-Up Saffron Collective möchte afghanischen Bauern eine wirtschaftliche Zukunft bieten und Geflüchteten ermöglichen, ihre Heimatküche wieder zu schmecken. In der Praxis ist das schwerer als gedacht.
Mohammad Mehdi Balutsch sitzt auf einem kleinen Schatz. Knapp zwei Kilogramm Safran hat der gebürtige Afghane in seiner Wohnung im Frankfurter Stadtteil Bonames gelagert. Das entspricht einem Marktwert von ungefähr 28.000 Euro. Das Problem an der Sache: Eigentlich sollte die riesige Menge des Edelgewürzes schon lange verkauft sein, denn das ist die Idee hinter Balutschs Start-Up Saffron Collective.

Mit dem Handel möchten er und sein Partner Müslüm Örtülü Bauern in Afghanistan eine wirtschaftliche Zukunft bieten. Viele von ihnen bauen vor Ort aus Mangel an Alternativen oft Opium, beziehungsweise Schlafmohn, an, berichtet er. Davon profitieren vor allem die Taliban, die den Handel kontrollieren. Dass das ein Teufelskreis ist, merkte der 30-Jährige bei seiner Reise ins westafghanische Herat im vergangenen Jahr. „Die Taliban bereichern sich am Opiumhandel, ihre radikalen Priester haben außerdem großen Einfluss auf die Bevölkerung“, erklärt er. Mit dem Saffron Collective möchte Balutsch nicht nur sichere Arbeitsplätze, auch für Frauen, schaffen, sondern auch den Bau einer Schule ermöglichen. „Analphabetismus ist immer noch ein großes Problem in Afghanistan“, sagt Balutsch. Anstelle von Waffenlieferungen, kann nur mehr Bildung und Aufklärung seinem Heimatland helfen, findet er.

Die Geschäftsidee kam Balutsch vor knapp drei Jahren, als die Flüchtlingsbewegung nach Europa ihren Höhepunkt erreichte. Der Student engagierte sich in Flüchtlingsunterkünften und kam dort mit vielen Afghanen ins Gespräch. Sie vermissten ihre Heimatküche, in der Safran ein fester Bestandteil ist; Balutsch meinte einen dadurch hohen Bedarf erkannt zu haben. Den Safran-Deal schloss er mit einem Bauern in der Region Herat ab – per Handschlag, ohne Vertrag. „Der Grundgedanke von Saffron Collective ist aber nicht kommerziell“, betont er. Mit dem Safranhandel reich zu werden, sei nie das Ziel gewesen. Vielmehr ginge es darum, einfach nur zu helfen. Deswegen bietet er das Gewürz auch relativ günstig an. Zwischen 100 und 150 Euro kostet ein 20-Gramm-Päckchen – der geschätzte Marktwert liegt um ein Vielfaches höher. Dafür möchte er die Männer und Frauen, die auf den Feldern arbeiten, so gut bezahlen, dass sie es sich leisten können, ihre Kinder in die Schule zu schicken, statt sie als zusätzliche Arbeitskräfte einzuspannen. Langfristig, sagt er, wolle er dafür sorgen, dass alle Menschen, die in den Produktionsprozess eingebunden sind, einen Zugang zu Bildung erhalten – soweit der Plan.

Knapp drei Monate nach Verkaufsstart läuft das Geschäft jedoch nur schleppend. „Wir haben bislang kaum etwas verkauft“, berichtet Balutsch. Dabei haben der Frankfurter und sein in Berlin ansässiger Partner Örtülü viel in die Geschäftsidee investiert – Zeit, Mühe und einiges an Geld. Unzählige Behördengänge liegen hinter dem Medizinstudenten, bei annähernd 300 Händlern und Gastronomen hat er seine Geschäftsidee beworben. „Ein großes Problem ist die Verpackung“, sagt Balutsch. Denn das Edelgewürz wird vor Ort in Afghanistan in 20-Gramm-Päckchen eingetütet. „Diese Menge reicht für ein ganzes Jahr“, erklärt er. Zum Kochen reicht nämlich schon ein einziger fadendünner Halm pro Gericht. Das Problem: Einmal abgepackt, darf der Safran nicht mehr ausgepackt und in kleinere Tüten umverteilt werden. Hier greifen Richtlinien der Lebensmittelsicherheit, denn Balutsch hat keine Produktionsstätte. Er vertreibt den Safran nur im Internet. „Zum umfüllen müssten wir deshalb eine Firma beauftragen“, sagt Balutsch. Das sei jedoch zu teuer und daher unwirtschaftlich.

Die nächste Lieferung soll deshalb in 0,5- bis 2-Gramm-Päckchen erfolgen. Ob das Start-Up damit die Kurve bekommt, weiß auch Ballutsch nicht. „Wir kämpfen weiter“, betont er. Schließlich habe er den Bauern vor Ort Versprechen gemacht, viele Leute hätten große Hoffnungen in ihn gesetzt. Falls das Geschäft schlussendlich scheitern sollte, möchte Ballutsch sich aber weiterhin für seine Heimat einsetzen, etwa in einer Klinik mit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Auf seinem Safran-Schatz wird er wahrscheinlich nicht sitzen bleiben: „Die Pharma-und Kosmetikindustrie experimentiert derzeit viel mit dem Gewürz“, erzählt er. Zur Not werde er den Safran eben so verkaufen, auch wenn das die letzte Option sei.

Interessierte können den Safran online unter www.saffron-collective.de bestellen.
9. April 2018
Jan Klauth
 
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Leser-Kommentare

Kommentieren
 
Michael Risse am 9.4.2018, 17:42 Uhr:
Sorry,Tippfehler:nicht Sadran,meinte Safran.
 
Michael Risse am 9.4.2018, 17:41 Uhr:
Fleur du sel und Tellycherry Black Pepper zu verkaufen,Madonna,was für ein Akt das war. Echtes,gutes Olivenöl,
was für ein Akt das war und ist. Und dann kommen die Jungs mit Sadran um die Ecke. Das wird nix.
 
Michael Risse am 9.4.2018, 17:38 Uhr:
Safran interessiert hier niemanden. Auch die wohlhabenden Deutschen benutzen das so gut wie nie in ihren Küchen. Haben wir alles probiert ,jahrelang,safran an den die Frau zu bringen.Interessiert die nicht!
 
am 9.4.2018, 16:57 Uhr:
Ich fürchte, der Grund für den Misserfolg ist der vergleichsweise zu hohe Preis, persischer Safran ist bei azafran.de in der 15g-Packung für € 59,90 erhältlich, das entspricht € 80 für 20g, die bei dem besprochenen Startup aber € 150 kosten, also fast das Doppelte. Ich wäre durchaus bereit, meinen eigenen Safrankonsum durch Herren Balutsch zu decken, aber diese Diskrepanz zum Markt ist schlicht zu groß.
 
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