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Die Gastronomie in der Corona-Krise
 

Top-Themen Genusswoche

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Geliefert?

Foto: Briana Tozour / Unsplash
Foto: Briana Tozour / Unsplash
Die Not macht Gastronominnen und Gastronomen erfinderisch: von der Abholstation über ein Kaffee-Rad, bis hin zum weltweit ersten Ebbelwoi-Kneipen-Drive-In – jetzt sind Liefer- und Take-Away-Geschäft gefragt.
"Wir leben von Tag zu Tag“ – diesen Satz hört man derzeit häufig aus Gastro-Kreisen. Auch dieser Text entsteht zu einem Zeitpunkt, an dem die weitere Entwicklung der Situation ungewiss ist und der Kenntnisstand flugs überholt sein könnte. Stand jetzt: Die Politik empfiehlt die soziale Distanzierung. Wer zu Hause bleiben kann, sollte dies tun. Restaurants in Hessen müssen schließen, Lieferservice bleibt möglich. Ob der Shutdown kommt, ist noch nicht klar. Wie wird die Gastronomie mit der gewaltigen Herausforderung umgehen? Können Lieferdienste die Restaurantbetriebe vor dem kompletten Erliegen retten? In diesen schwierigen Zeiten setzen viele Gastronominnen und Gastronomen auf Take Away und führen Lieferservices ein. In der Spitzengastronomie ist das keine Option. Als Konsequenz haben die meisten Gourmet-Tempel den Betrieb eingestellt. Das L’Ecume bildet da eine Ausnahme. Chef de Cuisine und Inhaber Alexandre Sadowczyk macht sein Essen fit für die Mitnahme und will liefern: „Die Qualität des Essens leidet nicht darunter“, versichert er, „das Abholen ist bevorzugt. Wir können aber auch in dringenden Fällen liefern. Da sind wir flexibel“.

Schoppen, Schnitzel und Grüne Soße im Gepäck


Noch erfinderischer ist der Wirt der Gaststätte Zum Lahmen Esel. Thomas Metzmacher betreibt das Apfelweinlokal mit über 200-jähriger Geschichte, ist jedoch alles andere als von gestern. Nachdem die Öffnungszeiten in der Gastronomie eingeschränkt wurden, seien 80 Prozent seines Umsatzes weggebrochen. Anstatt zu schließen, hat er einen Drive-In-Schalter eingerichtet. „Not macht erfinderisch“, sagt der Gastronom. Seit dem 18. März können Gäste deshalb mit dem Auto zum Lahmen Esel vorrollen, Essen bestellen, kontaktfrei zahlen und, gut versorgt, mit Schoppen, Schnitzel und Grüner Soße im Gepäck zurück nach Hause fahren. „Somit betreibe ich das weltweit erste Drive-In-Apfelweinlokal“, freut sich Metzmacher. Das mache er nicht nur wegen des Umsatzes. Er sehe sich seinen 36 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber in der Pflicht, weiterzumachen. „Nicht nur, wenn es gut läuft, sondern auch wenn es schlecht läuft, muss man für die Leute da sein. Es ist meine unternehmerische Pflicht, ideenreich zu sein.“ Um den Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten, hat Metzmacher Rutschen gebaut, über die Essen, EC-Gerät oder Geld befördert werden. Lieferservice als auch Drive-In sind regulär bis 21.30 Uhr verfügbar. Die passenden Gegebenheiten für einen Drive-In-Schalter weisen die wenigsten Restaurants in Frankfurt auf. Aus diesem Grund arbeiten andere mit dem klassischen Konzept des Lieferservices.

Die Sachsenhäuser Gaststätte Zum Eichkatzerl etwa versorgt hungrige Menschen im Viertel seit kurzem mit Frankfurter Spezialitäten. Abgeholt werden kann das Essen auch. Inhaber Helmut Böhm weiß jedoch nicht, ob er diesen Service morgen noch anbieten wird. „Wir hangeln uns von Tag zu Tag. Sollte der Shutdown kommen, werde ich den Betrieb komplett einstellen, um meine Mitarbeiter zu schützen“, sagt der Gastronom. Bis auf weiteres fährt das Eichkatzerl-Team bis 20 Uhr Essen aus.

Kaffee und Frühstück To Go


Bohnerie-Betreiber Rawa Amin radelt mit seinem Elektro-Rad durch die zentralen Viertel und liefert seine frisch gerösteten Kaffeebohnen aus. „Auf Anfrage habe ich das auch schon vor der Corona-Krise gemacht. Jetzt weite ich das Angebot aus. Das Geschäft muss irgendwie über Wasser gehalten werden“, sagt Amin. Derzeit sammeln er und ein Mitarbeiter dienstags und freitags die Bestellungen und fahren die duftenden Kaffee-Päckchen zwischen 16 und 19 Uhr aus.

Viele Restaurants bieten derzeit Rabatte auf Bestellungen an. Das Take-Away-Konzept neu durchdacht hat man bei Sunny Side Up – dem Lokal, in dem man den ganzen Tag über frühstücken kann. Inhaberin Ana Maria erzählt von vielseitigen Maßnahmen, die sie in ihrem Laden zum Schutz ihrer Kundinnen und Kunden vor dem Corona-Virus umgesetzt hat: „Wir haben uns entschieden, das ganze Take-Away-Geschäft nach draußen zu verlagern. Das heißt, dass man künftig vom Kaffee über kalt gepresste Säfte bis hin zu den Frühstücken als auch Mittagsgerichten alles draußen an einem aufgestellten Counter bestellen und mitnehmen kann.“ Für alle Take-Away-Bestellungen gibt es einen Rabatt von 20 Prozent.
 
23. März 2020, 14.00 Uhr
Katrin Börsch
 
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