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Das Cocktail-Narnia
 

Top-Themen Genusswoche

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Alt-Sachs aufmischen: Jars’n’Bottles und Tom Hagen

Foto: Dennis Dienst
Foto: Dennis Dienst
Bei Jars-n-Bottles in Alt-Sachsenhausen kommen die Drinks nicht mehr aus dem Mixer, sondern aus der Flasche. Und dann versteckt sich in der Bar noch eine zweite ...
Tagsüber durch die kleinen Gassen von Alt-Sachsenhausen zu schlendern ist ungewohnt. Es ist erstaunlich sauber und sogar hell. In den vergangenen Monaten hat sich hier viel getan. Einst ein traditionelles Ausgehviertel, heute Schauplatz von Kämpfen gegen das schlechte Image. Umso erstaunlicher, wenn hier tatsächlich mal wieder etwas Spannendes eröffnet. „Drinks & Stories – No Worries“ verspricht das Schild zur Straße hin.

Eine Bar bei Tag ist ein genauso ungewohnter Anblick. Wir treffen Tommy, den Betreiber zur Mittagszeit in seiner neuen Bar Jars-n-Bottles. Dem 35-jährigen Barkeeper gehörte früher das Tom Hagen in Eschersheim. Jetzt hat er den Sprung nach Sachsenhausen gewagt und seine alte Bar hat er gleich mitgenommen, Tom Hagen ist nämlich jetzt in Jars-n-Bottles. Wie das geht? Dazu gleich mehr.

Mit Jars-n-Bottles dringt der experimentierfreudige Barkeeper in neue Gefilde vor. Hier werden Cocktails aus Flaschen verkauft. „Das gibt es schon seit ungefähr 2015 in Amerika. Bottled Cocktails sind ein Ding“, erzählt Tommy. Gin-Tonic, Old-Fashioned oder Gimlet fließen hier aus der Flasche ins Glas ab 5,55 €. „Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Man kann nicht alles anbieten, aber ein bottle-aged Negroni ist zum Beispiel viel weicher und runder, wenn er zwei oder drei Wochen reift. Das ersetzt zwar nicht die klassische Barkunst, ist aber eine Technik“, erklärt er. Oft sind die Gäste erstmal skeptisch: „Die wollen natürlich den Barkeeper mixen sehen“. Neben dem Geschmack haben Bottled Cocktails aber entscheidende Vorteile: Schnelligkeit, Konsistenz und Qualität – das wäre in Sachsenhausen jedenfalls neu. „Man kann für die Bottled-Cocktails natürlich nicht alles verwenden. Frische Säfte sind problematisch. Die Säure kriegt man dann aber zum Beispiel auch durch Wein oder pasteurisierten Apfelsaft rein. Einen frischen Whisky Sour mit Eiweiß wird es hier aber nicht geben“.





Seit 13 Jahren steht der studierte Informatiker hinter dem Tresen. Das Barkeepen ist für ihn wie eine Magie, um Menschen etwas gut zu tun. „Ich bin ein Freak“, lacht er, „meine Mutter hat sogar angefangen zu weinen als ich ihr erzählt habe, dass ich jetzt Barkeeper werde“. Seine Leidenschaft merkt man ihm an. Gelernt hat er über die Jahre in verschiedenen Bars in Frankfurt. Vor zwei Jahren hat er mit Tom Hagen seine eigene Bar eröffnet. Die gibt es immer noch. Seine alte Bar versteckt sich gleich mit in den neuen Räumlichkeiten – hinter einem Schrank und einem dunklen Treppenaufgang. Tom Hagen ist jetzt eine Secret-Bar. Der Eingang: ein per Telefon zu öffnender Wandschrank.

Zwar gibt es schon Secret-Bars in Frankfurt, die Idee mit dem Telefon ist aber neu – und bringt Vorteile mit sich. Wer ins Tom Hagen möchte, der muss mit seinem Telefon eine bestimmte Nummer anrufen und auf magische Weise öffnet sich ein Wandschrank. Dahinter tritt man in eine kleine neue Welt ein. Die Nummer wird allerdings nicht jeder bekommen. Und wer reserviert, kann seine Nummer auch nur einmal verwenden. „Hier soll man unter sich sein. So kann ich hier auch jeden persönlich betreuen.“, grundsätzlich sei aber jeder willkommen, der sich auf Tom Hagen einlassen will.

„Barkeeper sollen nicht nur Drinks verkaufen“, sagt Tommy. „Eine Bar soll ein Gesamterlebnis verkaufen. Es ist doch ein kleines Abenteuer, wenn man was gutes Essen oder Trinken geht. Es gibt so viele gute Bars in Frankfurt. Man kann fast an jeder Ecke einen guten Gin Tonic trinken. Es kann nicht da aufhören, wo du sagst, wir machen gute Drinks. Diese Zeiten sind vorbei. Man will ein bestimmtes Gefühl und ein Erlebnis. Die Leute sollen sich nicht einfach nur zulaufen lassen, sondern sagen ‚Hey, wir haben einen guten Abend erlebt‘“, erklärt er seine Idee und fasst Tom Hagen damit zusammen.

Bei Tom Hagen will Tommy seine Barkunst ausleben, die er ein Stockwerk tiefer in Flaschen verkauft. Unten: Minimalistisches, leicht industriell angehauchtes Interieur. Oben gemütliche speak-easy Atmosphäre, umgeben von alten Möbeln und ein kleines, aber feines Menü. Zwar sind die Drinks preislich etwas höher angesetzt, dafür will er hier aber keine Kompromisse bei der Qualität eingehen. Das Menü wird klein, aber abwechslungsreich und „ich mach nur das, was ich auch gut finde“. Bei der Sneak-Peak in die neue Bar fanden sich zum Beispiel Drinks wie Peppered Paradise auf der Karte. Ein Drink mit Troika Wodka, Mozart White Chocolate, Himbeerpüree und trübem Apfelsaft.

Das Grand-Opening beider Bars steigt am 20.09 um 20 Uhr und läuten ein neues Kapitel der großen Getränke-Geschichte Alt-Sachsenhausens ein. Hier gibt es nicht nur spannende Cocktail-Variationen sondern gleich eine Tür nach Cocktail-Narnia.

jars'n'bottles, Alt-Sachs, Große Rittergasse 89, 19–1 Uhr, Tel.:0152/59838460
tom hagen, Alt-Sachs, Große Rittergasse 89, 20–1 Uhr, Telefonnummer um den Schrank zu öffnen: 069/20024787




10. September 2018
Davide Di Dio
 
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