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(Un-)verpackt konsumieren
 

Neues aus der Szene

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Die Gurke und die Folie um die Gurke

Foto: charles/unsplash
Foto: charles/unsplash
Nicht nur die Meere voller Müll beweisen es: Plastikabfall ist ein Thema, dass uns alle betrifft. Auf Einladung des Instituts für sozialökonomische Forschung haben Vertreter von Wissenschaft, Handel und Industrie über das Problem gesprochen.
25 Kilo – so viel Müll an Plastikverpackungen produziert im Durchschnitt jeder Mensch jährlich in Deutschland. Und das alleine bei Lebensmitteln, sonstige Verpackungen sind dabei nicht inbegriffen. Eine beängstigende Zahl, wenn man bedenkt, wie leicht Plastik ist; nicht weiter verwunderlich, wenn wir unser Konsumverhalten und die Supermarktregale genauer betrachten. Hier sorgen Food-to-go-Trends, Überangebot und Dauerverfügbarkeit für steigendes Plastikaufkommen, das sich seit Anfang des Jahrhunderts sogar verdoppelt hat. Auf dieser Grundlage organisierte das ISOE, das Institut für sozial-ökologische Forschung, ein Podiumsgespräch. Unter dem Titel „Darf’s ein bisschen weniger sein?“ sollten Standpunkte, Alternativen und Zukunftswege vorgestellt werden.

Mit Jenny Fuhrmann von gramm.genau, Lukas Sattlegger (ISOE), Isabell Schmidt von der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen sowie Rainer Würz von der Supermarkt-Kette tegut waren vier Persönlichkeiten zu Gast, deren Standpunkte nicht unterschiedlicher sein könnten. Viel Zündstoff sollte man meinen, tatsächlich blieb die große Diskussion aber aus. Stattdessen schilderten die vier zunächst, in welcher Beziehung sie oder ihr Unternehmen zu Plastik stehen, danach war die Veranstaltung recht schnell vorbei.

„Plastik ist nicht gleich Plastik“, erklärt da zunächst Sattlegger, dem es als Forscher nicht nur darum geht, Plastik zu vermeiden, sondern es auch nachhaltiger zu machen. Er verweist darauf, dass selbst Bio-Plastik nicht unbedenklich sei, da auch dies immer noch Zusatzstoffe aufweise. So sei dies zwar im Kompost gut abbaubar, im kalten Meerwasser sehe das aber ganz anders aus. Hier gebe es zwei Wege: Zum einen müsse man schauen, wie man Kunststoffe besser machen und zum anderen, wie man sie komplett vermeiden kann. Letzterem stellt sich auch Rainer Würz. In den tegut-Filialen werde bereits einiges getan: So biete man zum Beispiel viele regionale Lebensmittel wie Gurken oder Äpfel lose an oder habe Einweg-Tragetaschen abgeschafft und durch solche aus Papier und Baumwolle ersetzt. Darüber hinaus können Kunden über die Frischetheken Waren in eigenen Boxen verstauen. Eigene Boxen braucht man auch bei gramm.genau. Der kürzlich in Bockenheim eröffnete Unverpackt-Laden mit integriertem Café verzichtet gänzlich auf Verpackungen, Kunden kaufen hier in Papiertüten ein oder bringen ihre eigenen Behältnisse mit.

Jenny Fuhrmann hofft, mit gramm.genau ein Vorreiter zu sein: „Wir wollen, dass auch andere erkennen, dass plastikfreies Verkaufen kein Hexenwerk ist, und dass sie unser Konzept adaptieren.“ Dem entgegen stand mit Isabell Schmidt die Vertreterin der Verpackungsindustrie: „Wenn wir über Duschgel und seine Verpackung diskutieren, sollten wir erstmal bei der Fragestellung anfangen: Wie lange und vor allem wie heiß dusche ich?“ Sie ruft dazu auf, Dinge immer zu hinterfragen. „Wenn Produkte einen weiten Transportweg haben, ist es durchaus sinnvoll, diese zu verpacken – zum Schutz der Waren. Die Folge sonst wären Verluste und Schäden an den Lebensmitteln.“ Kaufe man regional, sehe das natürlich wieder anders aus. Dann könnte man auch auf Verpackungen aus Glas umsteigen, deren hohes Gewicht dann keine negativen Auswirkungen auf den CO²-Ausstoß habe.

So herrscht mit dem Leitsatz „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ sogar ein Konsens zwischen den Gastrednern, dem auch Schmidt zustimmte. Hier müsse auch seitens der Politik einiges geschehen, Unternehmen und Einzelhändler allein könnten keinen langfristigen und vor allem tiefgreifenden Wandel bewirken. Mithelfen könne und solle natürlich trotzdem jeder: Oft sind es schon die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen. Wer beispielsweise auf Baumwollbeutel setze, seinen eigenen, spülbaren Kaffeebecher verwende und regional einkaufe, könne erste Schritte in die richtige Richtung machen, die einfach in den Alltag zu integrieren sind.
 
21. Mai 2019, 09.57 Uhr
Sina Eichhorn
 
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