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James Ardinast im Interview
 

Neues aus der Szene

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„Ein Shutdown wäre eine klare Ansage“

Foto: Bernd Kammerer
Foto: Bernd Kammerer
Restaurantbetreiber*innen befinden sich derzeit in einer unüberschaubaren Lage. James Ardinast (Bar Shuka, Stanley Diamond) von der Initiative Gastronomie Frankfurt e. V. ist sich sicher, dass der Shutdown kommen wird.
Anmerkung: Das Interview wurde geführt, bevor die hessische Landesregierung angekündigt hatte, dass Restaurants ab Samstag, 21. März schließen müssen. Wir haben uns dazu entschieden, das Interview trotzdem zu veröffentlichen, weil die Aussagen dadurch nichts an ihrer Relevanz verlieren.

JOURNAL FRANKFURT: Aufgrund der Anordnung, Öffnungszeiten einzuschränken, haben bereits viele Gastronom*innen ihre Restaurants komplett geschlossen, weil sich das Geschäft für sie nicht mehr lohnt. Andere wollen der Verbreitung des Corona-Virus vorbeugen und schließen deshalb. Herr Ardinast, was geschieht in Ihren Läden?

James Ardinast:
Das Stanley Diamond ist schon zu, weil es ein Abendlokal ist. Die Shuka Bar ist auch geschlossen, weil sie eine Bar ist. Das Caffe Bomba ist von 15 bis 18 Uhr offen. Das Bar Shuka ist von 7 bis 14.30 Uhr geöffnet – bis auf weiteres.

Wie nehmen Sie die Situation in Ihrer Branche wahr?


Viele Gastronomen stehen mit dem Rücken zur Wand. Gerade für die Individualgastronomie, die ja eh schon mit der ganzen Bürokratie überlastet ist, würde eine klare Linie vom Bund oder vom Land einfachere Verhältnisse schaffen. Mal sehen, wie es weitergeht.

Was fordert die Initiative Gastronomie Frankfurt e. V. konkret von der Politik?

Wir glauben, dass wir schneller aus der Krise rauskommen, wenn man mit einer einheitlichen Linie durchgreift. Außerdem besteht die Problematik der Verwirrung. Die Gastronomen wissen heute nicht, was morgen kommt. Jedes Bundesland hat andere Maßnahmen. Ein Shutdown wäre eine klare Ansage.

Wird der Shutdown kommen? Was meinen Sie?

Wir sind uns sicher, dass der Shutdown kommt. Man hätte schon viel früher konsequente Maßnahmen ergreifen müssen.

Die Initiative Gastronomie Frankfurt e. V. setzt sich für einen Shutdown im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes ein. Welche Vorteile hätte das für die Gastronomie?

Wir gehen davon aus, dass ein großer Teil der Personal- und Betriebskosten dadurch gedeckelt wären. Wir empfehlen den Mitgliedern der Initiative, Kurzarbeit anzumelden.

Seit wann rüstet sich die Initiative auf einen möglichen Shutdown und lange Auszeiten ohne Umsatz mit laufenden Kosten?

Wir befassen uns schon lange mit dem Thema und sind deshalb gut vorbereitet. Gemeinsam mit Madjid Djamegari vom Gibson, Goran Petreski vom Vaivai und den anderen Gründungsmitgliedern der Initiative mache ich mir seit über zwei Wochen intensive Gedanken.

Welche Maßnahmen haben Sie bisher vorbereitend eingeleitet?


Wir haben Kurzarbeitergeld angemeldet und sind mit Banken im Austausch wegen Liquiditätsmitteln. Meinen Kolleginnen und Kollegen empfehle ich, schnell zu handeln. Redet mit Vermietern und Krankenkassen, den Banken und Finanzämtern. Jeder muss zusehen, dass er jetzt liquide bleibt. Wir von der Ima Clique machen uns zusätzlich Gedanken darüber, wie wir den Leuten das Leben zu Hause erleichtern können. Wir versuchen den Leuten dabei zu helfen, ihre Zeit zu Hause schöner zu gestalten. Deshalb arbeiten wir zum Beispiel an Rezepten für Gerichte, Cocktails oder Kaffeegetränke.

Sollte ein Shutdown kommen, können dann Lieferservices das Geschäft aufrechterhalten?

Wir haben uns mal in den sozialen Medien dazu umgehört. Viele Follower sehen das kritisch. Sie stellen Fragen wie „Werden Hygienemaßnahmen in der Küche eingehalten?“, oder „Wie wissen wir, dass der Fahrer nicht infiziert ist?“. Wir würden diese Maßnahme aber nicht komplett ausschließen und bedenken auch diese Option. Die Ereignisse überschlagen sich. Wir gehen von Woche zu Woche und versuchen den bestmöglichen Ansatz zu finden.

Wie sollte man, Ihrer Meinung nach, jetzt besonnen handeln?

Ein wenig Entschleunigung und mehr Rücksicht aufeinander können uns nicht schaden. Etwas mehr Zeit zu Hause ist nicht schlecht. Damit meine ich keine Isolation. Es geht um Solidarität und Verständnis gegenüber einander, bis wir wissen womit wir es zu tun haben. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Wir schieben keine Panik, sehen die Dinge nicht dramatisch. Es gibt auch die Chance auf einen Neubeginn, wir versuchen hoffnungsvoll nach vorne zu schauen.
 
20. März 2020, 15.00 Uhr
Katrin Börsch
 
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