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Einbruch im ältesten Wasserhäuschen Frankfurts
 

Neues aus der Szene

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Die fetten Jahre sind vorbei am Franziusplatz

Foto: Sven Hammerschnidt
Foto: Sven Hammerschnidt
Das Jöst Nr. 1 im Osthafen ist Frankfurts ältestes durchgehend betriebenes Wasserhäuschen. Nach einem Einbruch steht nun die Zukunft des seit 1912 geöffneten Kult-Kiosks auf dem Spiel.
Die Läden des rot-weißen Wasserhäuschens am Osthafen sind wieder geöffnet, die Tür ist repariert und belegte Brötchen für die Trucker-Kundschaft liegen bereit. Wenige Tage zuvor, in der Nacht von 26. auf den 27. März wurde eingebrochen. „Wenigstens wurde nicht randaliert!“, betont Sven Hammerschmidt, der Sohn des Betreibers Hans-Jürgen Hammerschmidt. Hammerschmidt Junior ist Barmanager der Frankfurter Szenebar The Parlour. Wie die meisten Bars und Restaurants ist auch das Parlour aufgrund der Corona-Krise geschlossen. Er weiß daher um die prekäre Situation, in der sich gastronomische Betriebe und Kleinunternehmer wie sein Vater gerade befinden. Ein Einbruch könne da schnell zum wirtschaftlichen Totalschaden werden: „15 kg Kaffee, Brühwürste sowie Käse, Wurst und Butter für die belegten Brötchen, die es hier sonst gibt, Tabakwaren, Schnaps und Süßigkeiten haben die mitgenommen. Ein Warenwert von knapp 2000 Euro. Das klingt erst mal nicht viel. Für einen Betrieb dieser Größe sind das die Einnahme von mehr als einer Woche. Das tut echt weh.“

Schließlich ist die Krise längst am Franziusplatz angekommen. Wie Bäckereien, Super- und auch Baumärkte fällt das Jöst Nr. 1 zwar in die Kategorie „Versorger“ und darf deshalb öffnen. Hammerschmidt Seniors primäre Kundschaft, Lkw-Fahrer der im Osthafen ansässigen Betriebe wie Thyssen-Krupp & Co, kommen zurzeit allerdings immer weniger. Da ist es fast schon ein Glück, dass Hammerschmidt Senior krisenerprobt ist. Vor seiner Zeit als Kiosk-Pächter und später Besitzer war er selbst Fahrer bei Thyssen-Krupp und regelmäßiger Kunde im Jöst Nr. 1. Im Januar 2011 übernahm er dann das Kiosk. Damals brummten die Laster und auch das Geschäft noch. Ein halbes Jahr später wurden die alte Honsellbrücke und damit die Hauptzufahrt zum Franziusplatz abgerissen. Die Trucker blieben aus und der Umsatz ging steil bergab. Zwei Jahre musste er durchhalten bis im Dezember 2013 die neue Honsell- und Osthafenbrücke eröffneten. „Meinen Eltern haben in dieser Zeit ihr Hab und Gut verkauft“, erinnert sich Hammerschmidt Junior. „Der Schmuck von meiner Mutter und die Harley von meinem Vater gingen dabei drauf.“ Seit die Lkws wieder rollen, hat sich das Geschäft etwas erholt. Die fetten Jahre sind jedoch vorbei.

Seit 2019 arbeitet Hammerschmidt Junior mit Open-Air-Disco und Veranstaltungen daran, das Kult-Kiosk als Off-Location auf die Landkarte junger Frankfurter zu hieven. Von den vielen Besuchern des Hafenparks wisse kaum jemand, dass es wenige Gehminuten entfernt Kaffee, kühle Getränke und im Sommer auch mal Würstchen und Steaks vom Grill gibt. Zudem plante Hammerschmidt Senior bis vor Kurzem noch sein Büdchen um einen alten Schiffs-Container zu erweitern. Der sollte zu einem Imbiss umgebaut werden. Diese Pläne lägen jetzt aber erst mal auf Eis.

Der offizielle Namen des Kiosk, Jöst Nr. 1, geht im Übrigen auf seinen Gründer Adam Jöst zurück. Der gebürtige Odenwälder baute sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankfurt ein wahres Wasserhäuschen- und Gastronomie-Imperium auf. Zeitweise betrieb er den Großteil aller Büdchen im Stadtgebiet. In den 1970er Jahren übernahm dann die Henninger Brauerei alle Büdchen. Damals gab es knapp 800 von denen heute nunmehr knapp 300 existieren. Bleibt abzuwarten, wie das nach der Corona-Krise aussieht. Für Hammerschmidt Senior steht jedenfalls fest: „Wir werden nicht aufgeben. Wir haben schon das ein oder andere Tief überstanden. Das schaffen wir jetzt auch noch.“

Jöst Nr. 1, Osthafen, Franziusplatz, Mo-Fr 5.00-14.30 Uhr
 
2. April 2020, 10.00 Uhr
Sebastian Schellhaas
 
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