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Aus nach 40 Jahren
 

Auf und Zu

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Das Rotlint-Café schließt

Foto: srs
Foto: srs
Nach fast 40 Jahren schließt Arief Imanuwarta Anfang April das Traditionscafé und ehemalige Sponti-Bistro im Frankfurter Nordend. Wie es mit dem Lokal zukünftig weitergeht, ist noch ungewiss.
„Es ist irgendwie der passende Moment,“ sagt Arief Imanuwarta, Inhaber des Rotlint-Cafés, und lacht. Corona spiele natürlich eine große Rolle. Ökonomisch rechne sich das unter den gegebenen Umständen einfach nicht. Für eine rentables To-go-Geschäft gebe es in der Rotlintstraße schlicht nicht genügend Laufkundschaft. „Aber: Am Ende hat das alles eigentlich nur meine Entscheidung beschleunigt, endlich in den Ruhestand zu gehen, um mehr Zeit zu haben für meine Enkel und alles.“ Seit 39 Jahren betreibt der gebürtige Indonesier das kleine Stadtteil-Café und Bistro im Nordend. „Ohne die Pandemie,“ so Arief, „hätte ich die 40 Jahre noch vollgemacht und langsam nach einem Nachfolger Ausschau gehalten.“

Kuchen und Nasi Goreng

Ariefs bunt gemischtes Publikum, viele davon Stammgäste, kamen nicht nur für einen guten Kaffee, Kuchen oder ein Feierabendbier. Das Rotlint-Café war vor allem für Frühstück bis tief in den Nachmittag und eine internationale Küche mit sogar einigen indonesischen Gerichten auf der Karte bekannt. „Wir hatten viele indonesische Gäste, die extra hierhergekommen sind, weil ich so koche wie in Indonesien,“ betont Arief. Ob es auch in Zukunft ehrliche indonesische Küche in der Rotlintstraße geben wird, sei noch unklar. „Ich habe den Vermietern zwei mögliche Nachfolger vorgeschlagen. Einer davon würde auch indonesische Gerichte auf der Karte behalten.“ Entschieden sei aber noch nichts. Klar ist nur, dass Arief in wenigen Tagen die Türen des Traditionscafés schließen wird.

Dissidenten-Treff und grüner Stammtisch

Die Geschichte des Rotlint-Cafés reicht bis zu seiner Gründung 1933 durch die Konditor-Familie Hübner zurück. Wie Arief später von betagten Anwohner:innen erzählt bekam, hätten sich hier im zweiten Weltkrieg Dissident:innen getroffen, weshalb das Rotlint-Café auch als Rotes Café bekannt gewesen sei. Nach 55 Jahren im Betrieb zogen sich die Hübners 1978 aus Altersgründen aus dem Geschäft zurück. Vier Jahre blieben die Räumlichkeiten ungenutzt, bis Arief 1982 seinen damaligen Job bei IBM aufgab und zusammen mit seiner Frau das Rotlint-Café wiedereröffnete. Indonesische Gerichte standen schon damals auf der Karte. Wenig später eröffneten die Grünen nebenan ein Büro und wurden zu Stammgästen. „Das Rotlint war quasi ihr verlängertes Büro,“ erinnert sich Arief. „Nachdem sie wegen Eigenbedarf das Büro räumen mussten, gab es bis heute jede Woche einen grünen Stammtisch.“

Ruhestand auf Zeit

Als studierter Diplomingenieur wollte Arief eigentlich nur „reinschnuppern“ in die Welt der Gastronomie und dann irgendwann wieder als Ingenieur arbeiten. „Der Kontakt mit Menschen ist einfach so viel schöner und vielseitiger als der mit Maschinen,“ erklärt er seinen Werdegang: „Als Gastronom bis du einfach alles: Eheberater, Psychologe, Seelsorger, Freund und manchmal sogar Arzt - also, solange man sich damit identifiziert. Und das tue ich und das macht mir einfach Spaß.“ Deshalb sei es auch noch nicht gesagt, dass er sich für immer zur Ruhe setzt. „Mein Traum ist ein eigenes großes, rein indonesisches Restaurant mit Kulturprogramm.“ Kochen oder Bedienen würde er dann aber nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei.

Rotlint-Café, Rotlintstraße 58, Nordend, 069/15612651, So-Fr 9-23 Uhr, Sa Ruhetag
 
29. März 2021, 15.38 Uhr
srs
 
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