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Weinsinn
Genuss Magazin Frankfurt
Restaurant-Empfehlung des Tages
Exklusiv, Frankreich Haute Cuisine, Westend
Weinsinn
Das kleine Restaurant in bester Lage genau auf der Grenze zwischen Nord- und Westend ist Frankfurts bekanntester und erfolgreichster Repräsentant der so genannten Bistronomics-Bewegung. Der Begriff, der ursprünglich aus der Szenemetropole Barcelona stammt, subsummiert all jene Re­staurants, die auf höchstem Niveau modern kochen, aber von horrenden Preisen und der steifen Eleganz herkömmlicher Sternegastronomie nicht viel halten - hier geht es einzig und allein um den Genuss. Dementsprechend gibt es im Weinsinn keine Tischdecken, sondern pure Holztafeln. Die Wände sind nicht mit geschnitzten Paneelen verkleidet, sondern in zurückhaltendem Heidelbeerblau gestrichen. Auch der Service verrichtet seine Arbeit nicht in Livree, sondern in gepflegter Straßenkleidung mit Turnschuhen. Die legere Atmosphäre wissen nicht nur die Gäste zu schätzen - so viel Betrieb wie hier findet man in der exklusiven Gastronomie selten, und munteres Stimmengewirr sowie etliche über Stuhllehnen gehängte Jacketts zeugen von entspannter Ungezwungenheit - auch der Guide Michelin verlieh dem Weinsinn nach der gastronomischen Neuausrichtung durch Chefkoch André Rickert postwendend einen Stern. Und mehr noch: Der deutsche Cheftester des Restaurantführers, Ralf Flinkenflügel, pries das Weinsinn im Gespräch mit überregionalen Medien wiederholt als leuchtendes Beispiel eines neuen, modernen Restauranttyps. Chefkoch Rickert passt ins Weinsinn wie die Faust aufs Auge, schließlich erlernte der Mittdreißiger sein Rüstzeug nicht nur bei Zwei-Sterne-Koch Thomas Bühner; zu seinen Lehrmeistern gehören auch der Perfektionist Juan Amador und der eher bodenständige Jürgen Steiner - damals im Strahlenburger Hof in Schriesheim. Dass das Weinsinn eine Ausnahme unter den Sternerestaurants ist, bemerkt der kundige Gast schon beim Studium der Karte: Das Drei-Gänge-Menü ist bereits für 53 EUR zu haben, vier Gänge kosten 64, fünf 75 EUR. Wer à la carte bestellt, zahlt etwas mehr, aber immer noch unter 20 EUR für eine Vorspeise, unter 40 EUR für einen Hauptgang und rund 12 EUR fürs Dessert - andere Adressen rufen da deutlich mehr auf, und auch die Weinbegleitung reißt keine Löcher ins Budget. Beim Menü stets dabei: ein Amuse-Bouche, heute Kalbstatar auf Pumpernickel, sowie eine duftende Brotauswahl mit würziger Bockshornkleebutter, die ständig nachgefüllt wird. Mangel an Aufmerksamkeit kann man dem Service wahrlich nicht vorwerfen: Er tritt professionell auf und ist nie um die passende Weinempfehlung verlegen, agiert darüber hinaus aber eher unpersönlich, ja zuweilen fast hölzern, was nicht so recht zur Philosophie des Hauses passen will, aber wahrscheinlich dem Hochbetrieb geschuldet ist. Doch schon beim zweiten Amuse ist das vergessen: Bouillabaisse mit Pulpo und Kürbiskernöl mit knackigem Gemüse und krachenden Croûtons - ein schöner Einstieg, der zeigt, dass in puncto Produktqualität keine Kompromisse gemacht werden. Die Vorspeise besteht aus à point gegarten Krustentieren mit unterschiedlichen Tomatensorten, Ziegenkäseschaum, Erbsenpüreeklecksen und einem Gläschen sensationeller Gazpacho, die mit intensivem Gurkenaroma erfrischt, dazu Mosel-Riesling von Paulessen mit Apfel- und Birnennoten - so schmeckt der Sommer! Auch die kunstvolle Inszenierung beeindruckt, allein etwas mehr hätte es sein dürfen; der Griff zum Brotkorb wird noch häufiger nötig sein. Nichts zu verbessern gibt's am Zwischengang, Ochsenschwanzravioli mit herzhaftem, geschmortem Inhalt samt intensiv schmeckenden weißen und grünen Spargelwürfeln in cremigem Spargelsud, begleitet vom Rosé Clarette von Knipser, der einfach Spaß macht. Das Hauptgericht heißt heute Kalbsrücken mit Spinat und Kohlrabi, was dem perfekt rosa gebratenen Schmuckstück mit tollem Fleisch­aroma kaum gerecht wird. Spinatcreme, Basilikum, Kohlrabischeibchen und kleine würzige Speckwürfelchen sind die Begleitung, außerdem spendiert Rickert im Extraschälchen Ragout aus Schweinebäckchen mit einem Deckel aus Kartoffelschaum - sehr kräftig und herzhaft, was Rheingauer Spätburgunder passend einrahmt. Die willkommene Erfrischung im Anschluss besteht aus einem kleinen exotischen Fruchtsorbet mit Buttermilchschaum, der die Säure der Passionsfrucht perfekt ausbalanciert. Dass nicht der komplette Tisch das Menü bestellt, ist kein Problem für Küche und Service: Alle Gänge kommen stets gleichzeitig und mit richtiger Temperatur an den Tisch. Von der regulären Karte gibt's Bio-Ei (17,80 EUR) in der bewährten Kombination mit Frankfurter Kräutern sowie festen Kartoffeln und Spargel. Rickert hat die Aromen perfekt herausgearbeitet: Beim Genuss sind nicht nur die Hauptzutaten absolut präsent, hier und da blitzt auch der Geschmack einzelner Kräuter auf. Allenfalls bei der Zubereitung des sous vide gegarten Eies hat der Koch ein wenig geschwächelt: Das Eiweiß kommt teilweise noch glibberig daher und gleitet immer wieder von der Gabel, was den Gesamteindruck jedoch kaum zu trüben vermag. Beim Dessert schließlich kann der Gast gar keine falsche Wahl treffen: Sowohl die kreativ präsentierten Erdbeeren mit Topfencreme und Basilikumeis (12 EUR) als auch die Variation von Schwarzwälder Kirschtorte mit Kirschsorbet, einer Eiskugel samt Kirschfüllung, Schoko-Teigstückchen und Keks (statt Kirschwasser im Teig gibt's roten Süßwein im Glas) beweisen die Kunstfertigkeit und den Einfallsreichtum der Pâtisserie und beschließen einen genussreichen Abend.
Florian Fix
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Location Facts
Adresse: Fürstenbergerstraße 179, 60322 Frankfurt am Main Frankfurt - Westend Nord
Telefon: 069/56998080
Kreditkarten: MC/VI/ec-cash
Mail: restaurant@weinsinn-frankfurt.de
Home: http://www.weinsinn-frankfurt.de
Kapazität: 45 Sitzplätze drinnen 6 Sitzplätze draussen
Öffnungszeiten: Mo/So Ruhetage, Di-Sa 18.30-24 Uhr
Parken:
RMV: Bremer Platz: Bus 36, Holzhausenstraße: U1-3/8
Küche: Exklusiv,
Frankreich Haute Cuisine,
Westend
 

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